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Treuenbrietzen Waldbrände: So danken die Frohnsdorfer ihren Rettern
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Waldbrände: So danken die Frohnsdorfer ihren Rettern
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14:59 23.09.2018
Die Klausdorfer haben einen Scheck über 2508 Euro an die Feuerwehr übergeben.
Die Klausdorfer haben einen Scheck über 2508 Euro an die Feuerwehr übergeben. Quelle: Andreas Koska
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Treuenbrietzen

Ute Saxen hatte noch immer Tränen in den Augen. Die Frohnsdorferin war am Sonnabend in einer Doppelrolle beim Dankeschön-Fest in Treuenbrietzen. Sie war nicht nur selbst vom Brand Ende August betroffen, sondern auch als Feuerwehrfrau im Einsatz. „Wir waren im Urlaub auf Usedom, als der Pieper losging und uns einen Brand meldete“, erinnert sich Saxens Mann Sönke.

Mit einem riesigen Fest haben die vom Brand in Frohnsdorf betroffenen Einwohner am Sonnabend ihren Helfern und Rettern gedankt. Das Kuchenbuffet war stolze 60 Meter lang und auf der Bühne konnte jeder, der wollte, persönliche Worte an die Retter richten.

Als dann weitere Meldungen ankamen und die beiden erste Fotos erhielten, konnte sie nichts mehr zurückhalten. In nur zweieinhalb Stunden rasten sie gen Heimat. „Wir mussten uns durchsetzen, denn man wollte uns nicht durchlassen“, berichtet die 52-Jährige. Zu Hause angekommen, wurden die Hunde ins Auto befördert und es ging zu Freunden nach Treuenbrietzen. „Ich legte einen Zettel auf den Tisch, wie früher für die Kinder. Nur stand darauf nicht: ’Passt auf euch auf’, sondern: ’Haus, wir kommen wieder’", erzählt Saxen gerührt.

Idee für einen Feiertag

Die Familie stammt aus Nordfriesland, wohnt aber seit 24 Jahren in Treuenbrietzen und hat 1996 ihr Haus in Frohnsdorf gebaut. Nach zwei Stunden Schlaf ging es zum Einsatz. Solche und viele ähnliche Geschichten waren am Sonnabend bei der Feier zu hören.

So haben die Klausdorfer 2508 Euro für die Feuerwehr gesammelt. „Die Summe gleicht dem Datum – denn am 25.08. durften wir wieder in unsere Häuser zurück“, erzählt André Kistenmacher. Auf Anregung des Moderators Attila Weidemann wird jetzt gar überlegt, den Tag zum Feiertag im Dorf zu erklären und alljährlich gemeinsam zu feiern.

Besserer Breitbandausbau gefordert

Weidemann habe sofort zugesagt, da er als Wetterfrosch das trockene Wetter vorhersagen musste, sagte der RBB-Mann. Für die Bundestagsabgeordnete Dietlind Tiemann (CDU), die eine von ihr gebackene Torte als Dank mitgebracht hatte, ist Bürgermeister Michael Knape (parteilos) der Held. Der Bürgermeister war ohne Unterlass vor Ort und half und organisierte wo er nur konnte. Erst nach 30 Stunden Dauereinsatz erhielt er eine kurze Verschnaufpause.

Weidemann und viele der betroffenen Bürger forderten einen besseren Breitbandausbau, denn die Kommunikation habe immer wieder gehakt. „Das Netz in Litauen ist besser“, stellte Weidemann fest und fragte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), ob sich daran etwas ändern würde. „Mir ist klar, dass ein Baumtelefon nicht ausreicht – wir werden das System überprüfen“, sagte der Landesvater, der sich wünscht, dass man auch noch in sechs Wochen „Danke“ sagt.

Ergreifende Momente

„Die Gemeinschaft und Gemeinsamkeit macht uns stark – so ist Brandenburg und so sind die Brandenburger“, setzte Woidke hinzu. Zu einem der ergreifendsten Momente kam es, als sich etwa 150 Klausdorfer, Frohnsdorfer und Tiefenbrunner vor der Bühne versammelten, gemeinsam ein dreifaches „Danke“ ausriefen und danach zu den über 1000 versammelten Helfern schritten und sie zusätzlich umarmten.

„Es ist einfach schön, so einen Dank zu bekommen“, sagte der Feuerwehrmann Pascal Pollak aus Caputh ergriffen. Anders als Potsdam-Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig (SPD), der nicht gekommen war, war sein Barnimer Kollege Daniel Kurth vor Ort. „Schon als Landtagsabgeordneter war ich für den Katastrophenschutz zuständig, bin seit 1996 Mitglied beim Technischen Hilfswerk und habe die Kameraden als sie um drei Uhr morgens ausrückten verabschiedet. Deshalb habe ich die Einladung gerne angenommen“, sagte Kurth.

Landesgrenzen sollen keine Barrieren sein

Einer seiner Floriansjünger ist Mario Glöck aus Joachimsthal. „Ich helfe gerne, dann wird auch mir geholfen – davon bin ich überzeugt“, sagte er. Beim Einsatz hat er Kameraden aus Kropstädt in Sachsen-Anhalt getroffen. „Wir haben die Rauchwolken schon lange gesehen und durften nicht ausrücken – wir warteten förmlich auf den Alarm“, berichtete Enrico Schulze.

Der kam dann schließlich doch noch. Die Kropstädter haben mit Niemegk eine Hilfsvereinbarung und dürfen dort aktiv werden – mit Treuenbrietzen gibt es eine solche Vereinbarung nicht. Schulze würde sich wünschen, dass Landesgrenzen keine unüberwindbaren Barrieren darstellen. Immerhin wurde jetzt ein Treffen mit Glöck beim bekannten Kropstädter Karneval verabredet.

60 Meter langes Kuchenbuffet

Dankeschön-Ansprachen haben sich durch den ganzen Nachmittag gezogen. Auf der Bühne wurde ein „Speakers’ Corner“ aufgebaut – jeder der wollte, durfte etwas sagen. Und so kamen schließlich Lennard Wils und Carlos Bießmann ans Mikro, sechs und sieben Jahre alt. „Ich will euch im Namen meiner Oma danken, denn sie kann nicht so gut gehen. Danke, dass ihr meine Oma gerettet habt“, sagte Carlos unter dem Beifall aller Zuhörer.

Unter ihnen war auch Kreisbrandmeister Jens Heinze. „Es war für mich ein Heißstart – es war eine Wahnsinnsleistung“, blickte Heinze zurück. Er hat sein Amt nur wenige Tage vorher angetreten.

Am Sonnabend musste glücklicherweise nur eines gelöscht werden – der Durst, wie Attila Weidemann sagte. Für die Versorgung zeichneten die Unternehmen aus der Umgebung verantwortlich. Die Agrargenossenschaft Feldheim spendete sieben Schweine und Getränkehändler Bodo Höhne aus Niemegk die Getränke. Die Damen aus den Dörfer sorgten dafür, dass ein 60 Meter langes Kuchenbuffet aufgebaut werden konnte. Ein gelungener Tag, wie auch Bürgermeister Michael Knape fand.

Von Andreas Koska