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Treuenbrietzen Brandenburgs Feuerwehrleute am Limit
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Brandenburgs Feuerwehrleute am Limit
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16:46 24.08.2018
Zwei erschöpfte Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr ruhen sich nach ihrem Einsatz aus. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Potsdam

Seit Donnerstagabend brennt es in einem Waldstück in der Nähe von Treuenbrietzen. Hunderte Feuerwehrleute kämpften gegen den rund 400 Hektar großen Brand rund um die Ortschaft Treuenbrietzen. Drei Siedlungen mussten evakuiert werden. Rauchschwaden zogen am Freitagmorgen sogar über Potsdam bis nach Berlin, Straßenzüge seien verraucht, erklärte die Feuerwehr am Freitag. Es gab amtliche Warnungen, Türen und Fenster zu verschließen – bis nach Märkisch-Oderland und Frankfurt (Oder).

Bilder zum Großbrand

Bilder vom Einsatz am Freitag: Die Einsatzkräfte kämpfen weiter

Bilder vom Einsatz am Donnerstag: Feuerwehr bekämpft Großbrand bei Treuenbrietzen

Bilder von der Evakuierung: Anwohner in drei Ortschaften müssen Häuser verlassen

Vor Ort waren die Probleme jedoch weitaus größer – vor allem für die Einsatzkräfte. Munitionsreste im Wald erschwerten die Löscharbeiten. Feuerwehrleute können sich nicht gefahrlos frei bewegen. “Wir kommen stellenweise nicht ran, nur von befahrbaren und geräumten Wegen“, sagte ein Sprecher der Einsatzleitstelle. Die Kräfte sind daher auf Luftunterstützung angewiesen – und auf Regen.

„Die paar Tropfen Regen, die gerade runter gegangen sind, bringen definitiv keine Entlastung für die Kameraden im Waldbrandgebiet“, sagte Stefan Kricke, Stadtbrandmeister Zossen am Freitagmorgen. „Kameraden aus Zossen und Wünsdorf sind gerade auf dem Weg nach Hause.“ Die Feuerwehrleute waren seit Donnerstag, 19 Uhr, im Einsatz. Kricke klopft auf Holz, dass sich der Wind nicht dreht und das Feuer in dem mit Munition belastetet Gebiet kräftig anfacht.

Jens Giller, Gemeindebrandmeister Am Mellensee erzählte der MAZ, dass ein abwechselnd mit Kameraden aus Kummersdorf-Gut und Fernneuendorf besetztes Tanklöschfahrzeug war von Donnerstagabend bis Freitagmorgen im Einsatz war.

Ähnliches berichtet René Mydaß, Stadtbrandmeister Baruth. Von 19.30 Uhr am Donnerstagabend bis 23 Uhr waren zwei mit je drei Kameraden besetzte Tanklöschfahrzeuge aus Baruth und Petkus im Waldbrandgebiet im Einsatz. Davor mussten die Kameraden noch in der Gemeinde Nuthe-Urstromtal einen Waldbrand mit löschen.

Lothar Schwarz, Ordnungsamtsleiter und Gemeindewehrführer Großbeeren kennt die Nachtschicht nur zu gut: „Wir sind dort seit Donnerstag 18.30 Uhr mit einer Staffel im Einsatz, also einem Tanklöschfahrzeug mit sechs Kameraden“. Am Freitagmittag kam dann die dritte Besatzung zurück. Die erste war bei Jüterbog im Einsatz, die anderen beiden bei Treuenbrietzen und Klausdorf. Selbst in Großbeeren, rund 50 Kilometer entfernt, habe man den Brand riechen können. „Wir haben hier in Großbeeren selbst gemerkt, dass es brenzlig roch und haben uns darüber gewundert, weil kein Brand gemeldet war. Wir hätten nicht gedacht, dass das so weit zu riechen ist“, so Schwarz.

In Ludwigsfelde, gar nicht weit entfernt von Großbeeren, war nicht nur Brandgeruch zu bemerken. Dort gingen sogar Ascheteilchen nieder, berichtete André Schütky, Stadtwehrführer von Ludwigsfelde. Ihm „war sofort klar, dass das nur von dort [dem Waldbrand bei Treuenbrietzen] kommen kann. Bei der aktuellen Windrichtung und der Thermik merken die Leute in drei, vier Kilometern kaum was, weil der Rauch aufsteigt, aber dann kommt’s runter“.

Im Einsatz ist die Ludwigsfelder Wehr seit Donnerstagabend 19 Uhr mit zwei Tanklöschfahrzeugen. „Alle acht Stunden wechseln wir die Besatzungen, dabei rufen wir auch alle Ortswehren, damit überall nur ein oder zwei Mann fehlen und wir hier vor Ort voll einsatzfähig bleiben.“

Gegen 12 Uhr rückte ein kompletter Waldbrandverband der Feuerwehr aus dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Richtung Treuenbrietzen aus. Zu der Einheit gehören etwa 50 Feuerwehrleute aus dem gesamten Landkreis, die auf das Löschen von Waldbränden spezialisiert sind. Ein Mitarbeiter des THW Neuruppin ist zudem als Fachberater in Treuenbrietzen mit vor Ort. Mehrere Ortsverbände des Technischen Hilfswerks sind dort bereits im Einsatz. Das THW Neuruppin ist auf den Bau langer Wasserversorgungsstrecken spezialisiert. Ebenso im Einsatz ist die Feuerwehr Wittstock. Elf Feuerwehrleute - neun aus Freyenstein und zwei aus Wittstock - sind Freitagmittag mit zwei Fahrzeugen nach Treuenbrietzen aufgebrochen. Sie sollen die dortigen Löscharbeiten unterstützen. Sie werden gegen 15 Uhr vor Ort erwartet und werden voraussichtlich heute Nacht abgelöst, teilte Wittstocks Wehrführer Steffen Müller mit.

Zudem helfen Feuerwehren aus dem Landkreis Oberhavel bei der Brandbekämpfung. Mit rund 90 Einsatzkräften und 21 Fahrzeugen sei man vor Ort, heißt es in einer Mitteilung des Landrates. Im Einsatz sind Einheiten aus Hohen Neuendorf, Mühlenbecker Land, Birkenwerder, Kremmen, Hennigsdorf, Oranienburg, Zehdenick, Löwenberger Land und Gransee sowie die Schnelleinsatzgruppe-Verpflegung des DRK Gransee.

Auch die Bundeshauptstadt Berlin bietet Hilfe an: „Die Brandenburger Feuerwehr arbeitet bei der Bekämpfung der schlimmen Waldbände am Limit. Es ist völlig normal, dass wir in einer solchen Situation unseren Kolleginnen und Kollegen solidarisch mit Hilfe zur Seite stehen. Ich danke der Berliner Feuerwehr, dass sie unbürokratisch und schnell auf die Anforderungen aus Brandenburg reagiert. Unser Ziel muss sein, mit vereinten Kräften das Feuer schnell unter Kontrolle zu bekommen“, teilte Berlins Innensenator Andreas Geisel am Freitagmittag mit.

Die Helfer bieten auf, was das Material hergibt. Neben den Löschzügen der Feuerwehr aus ganz Brandenburg setzt auch die Polizei ihre Wasserwerfer ein, um die Flammen zu ersticken. „Wir werden noch den ganzen Tag und morgen zu tun haben“, sagt Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) bei einem Besuch vor Ort. Zudem war praktisch die ganze Nacht über ein Hubschrauber der Bundeswehr im Einsatz, um immer wieder Wasser in einem See aufzunehmen und auf die bis zu 1000 Grad heiße Glut zu werfen.

Liveticker

Das Feuer war auch am Freitagmorgen noch nicht gelöscht. Ruchschwaden zogen über Potsdam und Berlin. Wir berichten live.

Von MAZonline

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