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Treuenbrietzen Knappe Zustimmung für strittiges Einzelhandelskonzept
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Knappe Zustimmung für strittiges Einzelhandelskonzept
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16:01 11.12.2018
Mit neuen Konzepten will die Stadt Treuenbrietzen ihre Entwicklung im Handel sowie in der Stadtentwicklung künftig gezielter planen. Quelle: Thomas Wachs
Treuenbrietzen

Das Angebot an Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt sei äußerst schlecht von der Qualität und unzureichend von der Vielfalt. Darüber sind sich die Treuenbrietzener Stadtverordneten und die Verwaltung offenbar einig. Umstritten ist jedoch, wie diese Situation schnell verbessert und neue Strukturen vor allem langfristig gesichert werden könnten.

Entsprechend knapp fiel am Montagabend das Votum zur Aufstellung eines Einzelhandelskonzeptes aus. Bei fünf Enthaltungen und einer Gegenstimme votierten acht Abgeordnete für die Aufstellung.

Einige Handelsketten klopfen an

Für das Konzept geworben hatte Bürgermeister Michael Knape (parteilos). Er sieht die Notwendigkeit auch, weil es inzwischen Anfragen verschiedener Handelskonzerne gebe, die sich in der Stadt neu etablieren wollen. „Das betrifft Supermärkte sowie auch Vollsortimenter“, erklärte Knape den Stadtverordneten. Dazu habe er Gesprächstermine in dieser Woche. Details nannte der Rathauschef nicht. Anfragen gebe es für die Areale an der Berliner Chaussee und auch für die Leipziger Straße. „Wir sollten die Entwicklung über ein Konzept steuern und nicht dem Selbstlauf des Marktes überlassen“, sagte Knape: „Um das mangelhafte Angebot zu verbessern, brauchen wir nicht zwangsläufig mehr Verkaufsfläche in der Summe.“

Stärkung der Altstadt erhofft

„Wir sollten nicht gleich über jedes Stöckchen springen, das uns hingehalten wird“, sagte Werner Schlunke (BIV) – auch mit Blick auf den jüngsten Vorstoß der Handelskette Lidl, die an der Bahnhofstraße ein Autohausgelände um einen neuen Supermarkt ergänzen möchte. „Vor allem sollten wir nicht die Innenstadt aufgeben, nachdem wir sie in den zurückliegenden 25 Jahren mit hohem Aufwand saniert haben“, sagte der Abgeordnete aus Feldheim und sprach sich für ein Konzept aus. Auf eine „Stärkung der Altstadt durch das Handelskonzept“ hofft auch Anja Schmollack (CDU). Hier fehlen auch Cafés und andere Dinge für Einheimische und Touristen, die in der gesamten Struktur betrachtet werden sollten.

Nach Ansicht von Andreas Gronemeier (TBV) müsste „das Angebot der Grundversorgung in der Altstadt dringend in der Qualität verbessert werden“. Aktuell fließe viel Kaufkraft nach Linthe, Luckenwalde oder Beelitz ab, sagte der Abgeordnete. Doch fürchtet er, dass „ein Vollsortimenter in der Innenstadt die Verkehrsprobleme noch verschärfen würde“, so Gronemeier.

SPD plädiert für freie Marktkräfte

Gegen eine Regulierung neuer Supermärkte sprach sich die SPD-Fraktion aus. „Die Ketten steuern sich selbst nach den Marktkräften, wir sollten sie einfach handeln lassen, sonst gehen sie an uns vorbei“, argumentierte Fraktionschef Frank Ernicke. Er plädierte angesichts der aktuell neu angespannten Haushaltslage dafür, die Entscheidung für ein Konzept zu vertagen. Harald Torges (SPD) beklagte, „dass sich hier die Einzelhändler der Stadt gar nicht beteiligen an der Diskussion“. Auch nach seiner Ansicht sollte „ein Konzept nicht in den Markt eingreifen. Wer kommen will, soll kommen“, sagte Torges in der Sitzung: „Der Markt sortiert sich selbst und Geschäftsleute, die Initiative zeigen, sind auch erfolgreich in der Altstadt.“

Mit klarer Mehrheit und nur einer Gegenstimme sprachen sich die Stadtverordneten am Montag zudem aus für die Aufstellung eines so genannten Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes – kurz Insek. Experten sollen darin die allgemeinen Möglichkeiten der Stadt umreißen und Potenziale mit einem Blick von außen skizzieren. „Viele Förderinstrumente basieren heute meist auf einem Insek“, erklärte Bürgermeister Knape. „Das gibt uns überhaupt noch die Chance, an Fördertöpfe zu kommen“, so der Rathauschef.

Konzepte nur mit Fördergeld

Beide Konzepte darf die Kommune jedoch nur aufstellen lassen, wenn dafür die Finanzierung über Fördergeld gesichert ist, beschlossen die Stadtverordneten. Dafür gebe es gute Chancen, auch kurzfristig, kündigte Knape an. Für beide Konzepte sind Kosten von circa 80.000 Euro veranschlagt.

Was das Einzelhandelskonzept angeht, rechnet der Rathauschef von der Ausschreibung bis zur Umsetzung mit mindestens einem dreiviertel Jahr Zeit, die nötig sei. Vorgesehen ist dazu auch eine aktive Beteiligung der Bürger sowie der Geschäftsleute in der Stadt, kündigte der Bürgermeister an.

Von Thomas Wachs

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