Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Treuenbrietzen Karate gegen Nonne und andere Schädlinge
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Karate gegen Nonne und andere Schädlinge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 15.05.2018
Auch Forscher aus Eberswalde nutzen die Schädlingsbekämpfung in den Revieren Marzahna und Niemegk, um den Befall an Nonne, Foreule und Spinnern zu untersuchen. Quelle: Thomas Wachs
Pflügkuff

Besondere Vorsicht geboten ist für Spaziergänger und Forstnutzer bis zum Wochenende in Waldgebieten zwischen Niemegk, Zeuden und Rietz sowie in der Wenzlower Heide. Dort gilt ein absolutes Betretungsverbot. Warnschilder und Absperrbänder an Wegen weisen darauf hin.

Die Forstschädlinge Nonne, Foreule und Kiefernspinner werden in den Forstrevieren Niemegk und Marzahna sowie in der Wenzlower Heide aus der Luft bekämpft. Dadurch gibt es besondere Sperrungen.

Per Hubschrauber lässt der Landesbetrieb Forst nämlich seit Montag dort Forstschädlinge aus der Luft bekämpfen. Vor allem der Nonnenfalter bedroht im Fläming einen Kiefernbestand in der Größe von 670 Hektar. Aber auch Forleule und Kiefernspinner werden bekämpft. Private Flächen sowie Landeswald sind betroffen.

Der Spezialhubschrauber startet in der Nähe von Pflügkuff von einer Waldlichtung aus. Im Anschluss an diesen Einsatz, der am Dienstagnachmittag beendet wurde, wird das Fluggerät ab Mittwoch in der Wenzlower Heide bei Lehnin eingesetzt. „Dort muss auf 165 Hektar die Foreule bekämpft werden“, erklärt Karin Heintz, die Leiterin der Oberförsterei Dippmannsdorf.

Aus dem Hubschrauber mit Sprüharmen werden die kürzlich frisch geschlüpften und sehr gefräßigen Raupen mit dem Fraß- und Kontaktinsektizid „Karate Forst flüssig“ besprüht. „Es gibt nur dieses Mittel, um diese Schädlinge zu bekämpfen“, sagt Michael Kopka, Bereichsleiter für Wald- und Forstschutz beim Landesbetrieb in Potsdam.

Gefahr auch noch Wochen danach

Pro Flug kann der Hubschrauber mit Sprüharmen eine Waldfläche von rund 20 Hektar bearbeiten.

Pro Hektar werden 35 Liter Wasser versprüht, in die 75 Milliliter des Insektizides gemixt sind.

Das Verbot zum Betreten der betreffenden Wälder gilt für 48 Stunden nach dem letzten Sprüheinsatz.

Drei Wochen lang ist dort zudem Vorsicht geboten beim Sammeln von Pilzen und Beeren der betreffenden Wälder, raten die Forstleute.

Informiert wird auch in Aushänge in den Schaukästen der umliegenden Kommunen.

Die Einsatzbedingungen sind klar definiert. Das wurde am Montag sogleich zum Problem. Nach zwei Flügen über lediglich 40 Hektar musste der Hubschrauber gleich wieder am Boden bleiben. „Der Wind wurde zu stark. Er darf höchstens fünf Meter pro Sekunde betragen“, erklärt Kopka. Zudem darf es nicht wärmer als 25 Grad sein.

Insgesamt sind in dem Gebiet mehr als 30 Flüge nötig. Dabei wird das Insektenvernichtungsmittel aus einem Abstand von zwei bis fünf Metern über den Baumwipfeln direkt und fein auf die Kronen gesprüht, wo die meisten Raupen an den Nadeln fressen.

Luftangriff war dringen nötig

Wie dringend der Einsatz des Karate-Kontaktinsektizides ist, haben aktuelle Zählungen und Hochrechnungen im Waldgebiet bestätigt. Schon seit dem Herbst und den Winter über hatten die Forstleute die Schädlingsentwicklung kritisch im Blick. Untersuchungen in den Revieren der Förster Ulf Schmidt aus Treuenbrietzen und Frank Zehender aus Niemegk erfolgten in mehreren Schritten. Zumindest für den Nonnenfalter haben sie alarmierende Ergebnisse erbracht.

Waldarbeiter schlugen schon im Sommer 2017 Alarm in dem Kiefernbestand südwestlich von Niemegk. Tagsüber saßen Unmengen weiblicher Nonnenfalter an den Stämmen. Daraufhin wurden Pheromonfallen aufgestellt. Die Sexuallockstoffe führen zum Anfliegen männlicher Falter. Das Ergebnis war dramatisch.

Das Dreifache der kritischen Menge

Die Populationsdichte betrug mit 1000 Insekten das Dreifache einer kritischen Menge. Die Winterbodensuche nach Eigelegen bestätigte die Sorge der Forstleute. Die Population des Nonnenfalters ist explodiert. Die Art kann ganze Kiefernwälder kahl fressen. Also wir sie jetzt bekämpft.

Nun begleiteten auch Forscher des Landeskompetenzzentrums Forst aus Eberswalde diese Schädlingsbekämpfung in den Revieren Marzahna und Niemegk. Am Montag haben die Experten die Flugpause genutzt, um Zählungen vorzunehmen. Dazu wurde ein Probebaum gefällt. Allein auf diesem haben die Experten 200 Raupen des Kiefernspinners, rund 500 Nonnen und 200 Foreulen ermittelt.

Nach der Bekämpfung folgen weitere Untersuchungen im Abstand von zwei Tagen sowie drei Wochen. „So stellen wir fest, wie das Insektizid wirkt und ob sich die ausgebrachte Dosis auch verringern ließe“, sagt Katrin Möller, die Leiterin des Fachbereichs Waldschutz im Kompetenzzentrum.

Lange auf passendes Flugwetter gewartet

Vor allem die vielen Nonnenfalter bereiten Sorge. „Eigentlich tritt deren Massenvermehrungen nur all zehn Jahren auf“, erklärt Michael Kopka. Diesmal waren es aber nur sieben Jahre nach der letzten Bekämpfung.

Den aktuellen Einsatz aus der Luft erledigen nun Pilot Reiner Flath und sein Team vom DHD Heliservice in Groß Kreutz. Seit 35 Jahren ist der einstige Agrarflieger für viele Spezialaufträge in der Luft.

Dabei geht es deutschlandweit zur Schädlingsbekämpfung und zum Kalkstreuen über Wälder und auch Weinanbaugebiete. Kontrollen von Pipelines, sowie Foto und Lastenflüge gehören zum abwechslungsreiche Job in der Luft.

Nur am Boden bleibt Reiner Flath weniger gerne, erzählt der Pilot bei der witterungsbedingten Zwangspause mitten im Wald bei Pflügkuff. Am frühen Dienstagmorgen herrschte dort dann endlich passendes Flugwetter.

Von Thomas Wachs

Das Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen investierte kräftig in ein Reinraumlabor zur Herstellung von Medikamenten für die Chemotherapie. Es gleicht einem Hochsicherheitstrakt mit strikten Regeln.

14.05.2018

Zwei Fahrzeuge waren am Himmelfahrtstag in einen Unfall auf der L 85 kurz vor Nichel verwickelt. Beide Fahrer der Autos wurden bei dem Crash nach einem Überholmanöver teils schwer verletzt.

11.05.2018

Der erwogene Verkauf des Treuenbrietzener Stadtwaldes spaltet die Bürgerschaft. In Frohnsdorf haben Akteure nun eine Unterschriftensammlung gegen den jüngsten Beschluss der Stadtverordneten gestartet.

09.05.2018