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Treuenbrietzen Kriegstote mahnen ihre Nachfahren
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20:27 22.04.2018
Kranzniederlegungen dreier Nationen  fanden am Sonntag auch  im sowjetischen Ehrenhain in Treuenbrietzen statt.
Kranzniederlegungen dreier Nationen fanden am Sonntag auch im sowjetischen Ehrenhain in Treuenbrietzen statt. Quelle: Thomas Wachs
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Treuenbrietzen

Mit gemeinsamen Kranzniederlegungen an zwei Gedenkstätten in Treuenbrietzen sowie an der Kiesgrube bei Nichel haben Vertreter dreier Nationen am Sonntag der italienischen, russischen und deutschen Kriegsopfer gedacht, die in den Apriltagen 1945, kurz vor Ende des II. Weltkrieges, in Treuenbrietzen und Umgebung ihr Leben lassen mussten.

Kranzniederlegungen an drei Orten: In Treuenbrietzen und bei Nichel haben Vertreter der Botschaften Italiens und Russlands am Sonntag mit deutschen Gastgebern traditionell Kriegstote dreier Länder geehrt.

Gemeinsam besuchten Vertreter der italienischen und der russischen Botschaft in Deutschland sowie italienische Verwandte von Zeitzeugen mit Bürgern aus der Sabinchenstadt und Nichel sowie weitere Gäste zunächst die Gedenkstätte bei Nichel. Dort waren am 23. April vor 73 Jahren 127 italienische Militärinternierte von deutschen Militärs erschossen worden.

Der italienische Gesandte Alessandro Gaudiano dankte für die seit 2005 gepflegte Erinnerungskultur. Das Zeremoniell zur gemeinsamen Erinnerung müsse Mahnung bleiben und an künftige Generation übertragen werden. Nur so könne es gelingen, „das Schicksal der Kriegstoten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, sagte Alessandro Gaudiano.

Andacht für alle Kriegstoten

Im Anschluss erfolgte die Ehrung am Triftfriedhof in Treuenbrietzen. Dort hielt Pfarrer Gunter Seidel eine Andacht für die in den Apriltagen 1945 getöteten Treuenbrietzener Bürger und die Toten der anderen Nationen.

Seine Fortsetzung fand das gemeinsame Gedenken im Ehrenhain an der Jüterboger Straße, wo gefallener russischer Soldaten gedacht wurde. Alexander Gribowskij, stellvertretender Leiter des Büros für Kriegsgräberfürsorge bei der Botschaft der Russischen Föderation, dankte den deutschen Instanzen und Bürgern für die Anstrengungen bei der Sanierung von Gedenkstätten an den russischen Kriegsgräbern.

Diese seien „Zeugen und Symbole einer Zeit, die nie wiederkehren möge“. Sie sollten der Welt Mahnung sein, „sich gegen Ideen völkischer Überlegenheit und des Exzeptionalismus einzusetzen“, so der Botschaftsvertreter.

Lediglich vier Überlebende des Massakers

Auch Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knape (parteilos) hält es für wesentlich, dass die Geste der Erinnerung über den Gräbern und das Wissen um die geschichtlichen Ereignisse vor Ort nun an die nächste Generation weitergegeben wird. Dies sei auch Verpflichtung an das Vermächtnis an Antonio Ceseri sowie Edo Magnalardo.

Die Italiener gehörten zu den lediglich vier Überlebenden des Massakers bei Nichel und hatten sich bis zu ihrem Tod aktiv für eine Versöhnung über den Gräbern der Kriegtoten eingesetzt. Das würdigte Knape bei seinem Empfang zum Abschluss der Ehrung mit gut 100 Gästen in der Aula des Gymnasiums.

Dort wird die Erinnerungsarbeit rund um das ehemalige Zwangsarbeiterlager der Munitionsfabrik „Sebaldushof“, in dem auch die bei Nichel erschossenen Italiener interniert waren, inzwischen von Geschichtslehrer Valentin Schlegelmilch fortgeführt.

Schule strebt neue Partnerschaft an

Darüber hinaus strebt Linda Sporleder, die auch Russischlehrerin an der Schule ist, eine Kooperation mit einer russischen Schule in Berlin an. Von dort waren am Sonntag erstmals auch russische Jugendliche bei den Gedenkfeiern dabei. So auch wieder vom örtlichen Gymnasium.„Unsere früheren Kontakte nach Russland selbst gestalteten sich in der Praxis angesichts der langen Reiseweges jedoch zu kompliziert“, erzählt die Lehrerin.

Von Thomas Wachs