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Treuenbrietzen Prävention beugt Gewalt an Schule erfolgreich vor
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Prävention beugt Gewalt an Schule erfolgreich vor
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19:17 23.04.2018
Schulsozialarbeiterin Diana Bölke bildet an der Grundschule in Treuenbrietzen auch Streitschlichter aus. Die Nachfrage ist groß unter den Viertklässlern.
Schulsozialarbeiterin Diana Bölke bildet an der Grundschule in Treuenbrietzen auch Streitschlichter aus. Die Nachfrage ist groß unter den Viertklässlern. Quelle: Uwe Klemens
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Treuenbrietzen

An Brandenburger Schulen häufen sich Fälle von Gewalt, so die Statistik des Landeskriminalamtes. Sozialarbeiterin Diana Bölke von der Albert- Schweitzer-Grundschule in Treuenbrietzen setzt seit Jahren erfolgreich auf Prävention.

Wie ist die Situation in Sachen Gewalt an den Schulen in Treuenbrietzen?

Diana Bölke: Grobe Fälle von Gewalt oder gar Körperverletzungen können wir hier an der Grundschule wirklich nicht feststellen. Natürlich gibt es – wie allgemein im Leben und unter Menschen – auch hier Konflikte unter Kindern. Die werden auch mal mit Rangeleien, Aggressionen und Fäusten ausgetragen. An der Grundschule helfen wir Schülern dabei zu lernen, wie sie mit ihrem Aggressionen besser umgehen können, als mit Gewalt.

Woran liegt es, dass sich Ihre Schule offensichtlich gegen einen erschreckenden Trend im Land stemmen kann?

Ich denke, das liegt an den diversen Angeboten und Projekten zur Gewaltprävention, die wir seit Jahren hier kontinuierlich und über alle Jahrgänge hinweg durchführen.

Welche sind das zum Beispiel?

Allgemein beginnen wir in der ersten Klasse mit Kursen zur Frage „Wie gehen wir miteinander um?“ Bis zur sechsten Klasse folgen kontinuierlich weitere Teamtrainings. Hinzu kommt die Ausbildung von Streitschlichtern jeweils in den vierten Klassen. Die Nachfrage ist groß. 20 Kinder wollten sich zuletzt ausbilden lassen. Sie helfen sodann untereinander, Konflikte zu erkennen und aktiv auf Streitparteien zuzugehen. Das ist ein Erfolgsprojekt. Auch haben wir eine doppelte Aufsicht auf dem Pausenhof, die direkt angesprochen werden kann. Schüler sind aufgerufen, das zu nutzen und tun dies auch.

Gibt es Veränderungen im Vergleich zu früheren Generationen?

Eher nicht. Aber wir stellen immer wieder fest, dass sich Konflikte im Winter häufen. Ab dem Frühjahr, wenn Freiräume und Spielangebote auf dem Schulhof besser genutzt werden können als in Schul- oder Horträumen, geht es deutlich entspannter zu. Dann nutzen die Schüler viel auch unsere Ausleihstation für Spielgeräte, die von Fünftklässlern betreut wird.

Welche Rolle spielen das Internet und soziale Medien?

Spätestens ab der fünften Klasse, wenn Handys verbreitet sind, ist das ein großes Thema. Dann entstehen Missverständnisse, Konflikte und schlechte Gefühle oft nur aus Deutungen von Nachrichten oder fehlenden Antworten in Chat-Gruppen.

Sie waren gleichzeitig auch schon als Sozialarbeiterin am örtlichen Gymnasium tätig. Wie sieht das Thema dort aus?

Dort gibt es schon eine größere Reife. Konflikte werden viel gelassener gelöst. Wirkliche Gewalt gibt es aber auch dort nach meiner Beobachtung nicht.

Laut Kriminalstatistik steigen auch Fälle von Gewalt an Lehrern. Wie ist Ihre Erfahrung dazu?

Die Grundschüler tragen ihre Meinung – oder die ihrer Eltern – heute schon selbstbewusster vor. Hier geht es vielmehr um die Frage des Respekts als um Gewalt. Auch dazu haben wir Kurse, wie Schüler Lehrern Feedback geben – und übrigens auch umgekehrt.

Mussten sie Fälle von Gewalt auch schon mal zur Anzeige bringen?

Daran kann ich mich nicht erinnern. Wir arbeiten aber auch in der Prävention regelmäßig mit einer Expertin der Polizei zusammen. Sie klärt Schüler über Gesetze auf und hat dabei immer mehr auch das Thema soziale Netzwerke im Programm.

Von Thomas Wachs