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Treuenbrietzen Geballter Protest gegen Rückzug aus Tourismusverband
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Geballter Protest gegen Rückzug aus Tourismusverband
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17:18 02.05.2019
Auch Gästeführerin Nadja Körner kritisiert die starken Einschnitte bei der Tourismusarbeit in Treuenbrietzen. Quelle: Klaus Kleinschmidt
Treuenbrietzen

Die Empörung ist groß. Der massive Sparplan der Treuenbrietzener Stadtverordneten lässt die Wogen hoch schlagen bei Akteuren des Fremdenverkehrs. Sie fürchten erhebliche Nachteile für sich und die Kommune, weil die Stadt beschlossen hat, aus dem Tourismusverband Fläming (TVF) auszutreten.

Ihre Bedenken deutlich gemacht haben verschiedene Redner jetzt in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung. Dort bekam der der massive Sparplan jedoch einstimmig die Billigung aller Fraktionen.

Verein will Beitrag spendieren

Unter anderem Stefanie Jeschke von der Arbeitsgruppe Tourismus im Verein „Aktiv für Treuenbrietzen“ hatte zuvor in der Einwohnerfragestunde noch versucht, die Abgeordneten umzustimmen. Jeschke kündigte an, dass der Verein den Mitgliedsbeitrag der Kommune in Höhe von rund 750 Euro im Jahr aufbringen möchte, um einen Austritt aus dem Tourismusverband zu verhindern.

Viele Projekte, wie der Weihnachtsmarkt in Frohnsdorf könnten gefährdet sein, wenn Treuenbrietzen aus dem Tourismusverband austritt, fürchten Akteure des Fremdenverkehrs. Quelle: Thomas Wachs

Die Akteure sehen viele Projekte in Gefahr. „Denn viele sind an Fördergelder geknüpft, die wir nur bekommen, wenn wir im Verband Mitlied sind“, sagte Nadja Körner. Sie zählt zu den Stadtführern, die unter anderem Rundgänge in Kostümen anbieten. „Auch die Vermarktung lokaler Angebote sowie die Öffentlichkeitsarbeit über Plattformen des TVF sind ohne eine Mitgliedschaft nicht möglich“, so Körner.

Gegen Leitbild agiert

Hanna Präger, die in Frohnsdorf die Ausflugsgaststätte „Zur alten Eiche“ betreibt, kritisierte, dass Abgeordnete und Verwaltung sich mit dem Rückzug aus dem Tourismus nun gegen die in ihrem Leitbild und im Tourismuskonzept beschlossenen Entwicklungsziele stellen. „Warum ist das nun nichtig?“

Mehr zu Thema:Drastische Sparkurs für den Stadthaushalt Rotstift angesetzt: Stadt Treuenbrietzen reduziert TourismusarbeitNeues Tourismus-Konzept liegt vor

Die genannten Aspekte seien der Steuerungsgruppe aus Fraktionschefs und zwei Vertretern des Rathauses bei der Ausarbeitung aller Sparmaßnahmen „durchaus bewusst gewesen“, sagte Bürgermeister Michael Knape (parteilos). Doch mussten sich „die Stadtverordneten der bitteren Realität stellen“. Angesichts des vom Innenministerium des Landes und von der Kommunalaufsicht des Kreises auferlegten Sparkurses sind freiwillige Leistungen „auch der Tourismus nicht mehr in der Form möglich, wie wir uns das vorstellen würden“, so Knape. „Das Streichen wird weh tun, das war allen bewusst“.

Ausgaben auf den Prüfstand

Der Mitgliedsbeitrag sei dabei nur ein Teil des Problems. „Doch mussten wir auch Mitarbeiter freisetzen, denn die Arbeit hier muss ja irgendwie gemacht werden“. Mit der neuen Situation zur Spende des Mitgliedsbeitrages könne sich nach der Kommunalwahl im Mai erst wieder die neue Stadtverordnetenversammlung befassen, so der Bürgermeister.

Kommentar zum Thema:Schmerzlicher Sparplan

In der Haushaltsdebatte verwies er darauf, dass die Steuerungsgruppe alle Ausgaben auf den Prüfstand gestellt, alle kleineren Dinge gestrichen und am Ende einvernehmlich einen „Haushalt auf absolut minimalstem Niveau erarbeitet hat“.

Einigkeit in der Spar-Debatte

Dessen Fokus liege auf den dringenden Investitionen zum Ausbau beider Schulen sowie von Kindergärten. Sie müssen nun über Kredite von allein rund vier Millionen Euro in diesem Jahr sowie Fördergeld realisiert werden.

Die Einigkeit in der Spar-Debatte lobten auch Vertreter aller Fraktionen. „Niemand von uns hat sich die Entscheidung einfach gemacht“, sagte Anja Schmollack (CDU): „Dieser Haushalt macht traurig, er ist aber notwendig.“

Freiwillige Leistungen gespart

„Weggespart wurden allein rund 200.000 Euro an freiwilligen Leistungen“, erklärte Frank Ernicke (SPD). Die Stadt habe sich bereits „tot gespart“ und dennoch blieben Aufgaben, „die noch gar nicht berücksichtigt sind, wie die Sanierung vieler unserer rund 50 Brücken“. Als Problem sieht es Ernicke an, dass bei Landesbehörden noch immer nicht über die Anträge von 2011 entschieden ist zur Entschuldung der Kommune.

Walter Treue (Die Linke) sieht „noch viel zu tun auch für die neuen Stadtverordneten“. Er riet unter anderem dazu, Ausgaben wie für den Kita-Neubau Marzahna zu strecken und mehr Ertrag aus dem Stadtwald einzufordern.

Von Thomas Wachs

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