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Treuenbrietzen Seit März ohne Auto: Brachwitzer Feuerwehr kann nicht ausrücken
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Seit März ohne Auto: Brachwitzer Feuerwehr kann nicht ausrücken
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16:43 27.09.2019
Leere Halle statt Garage für ein Feuerwehrauto: Die Kameraden der Brachwitzer Feuerwehr sind seit März ohne Auto und damit nicht einsatzfähig. Quelle: Josephine Mühln
Brachwitz

Die Brachwitzer Feuerwehr ist voller Tatendrang – und gleichzeitig seit einem halben Jahr nicht mehr einsatzfähig. Genauer gesagt seit dem 19. März. Denn da hat sich das Einsatzfahrzeug, ein alter B1000 aus DDR-Produktion, endgültig verabschiedet. Irreparabler Motorschaden. Seitdem bleibt der Stellplatz im Gerätehaus ungenutzt und die Wehr wird nicht mehr alarmiert, wenn es brennt. Bei den Kameraden wächst der Unmut.

„Wir fühlen uns abgehängt und vergessen, schon das ganze Jahr über“, sagt Ortswehrführer Martin Leben. „Es ist schade, dass eine Feuerwehr ausgebremst wird, die auf dem Weg nach oben ist. Immer wird um Kameraden geworben – in Brachwitz sind sie da, können aber nichts machen.“

Bester Ausbildungsstand seit zehn Jahren

19 aktive Mitglieder zählt die kleine Ortsfeuerwehr derzeit, allein im Juni 2018 seien fünf neue Kameraden sowie ein bereits ausgebildeter Feuerwehrmann eingetreten. „Der Zuwachs ist da und die Kameraden fahren auch weiterhin zu Ausbildungen und Lehrgängen, obwohl wir kein Fahrzeug haben. Das erledigen wir alles mit unseren privaten Autos“, sagt Martin Leben weiter.

Wegen dieses Engagements habe die Wehr derzeit den besten Ausbildungsstand seit zehn Jahren. „Das kann man sich als Ortswehrführer nicht besser wünschen, als mit diesen Kameraden, die geschlossen hinter der Sache stehen.“ Dennoch fehle allen die Praxis. „Man muss natürlich auch Einsätze fahren, um im Thema zu bleiben und Erfahrungen zu machen.“

Ernüchternde Bilanz

Stadtwehrführer Olaf Fetz hat im jüngsten Ausschuss für Bildung, Ordnung und Sicherheit über die allgemeine Situation der städtischen Feuerwehr sowie der 14 Ortswehren informiert. Seine Bilanz fiel ernüchternd aus.

So sei seit fünf Jahren kein Fahrzeug mehr in Dienst gestellt worden. Außerdem seien von den 15 Gerätehäusern 14 sanierungs- oder erneuerungsbedürftig.

Die Löschwasserversorgung nannte Olaf Fetz ebenfalls ein „großes Problem“.

Martin Leben und seine Mitstreiter kritisieren aber nicht nur, dass sie schon so lange ohne Fahrzeug auskommen müssen. Auch die Kommunikation mit der Stadt Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) sowie der Stadtwehrführung sei schlecht. „Wir erfahren nicht viel und wenn, dann ist das oft nicht besonders aussagekräftig. Wir fühlen uns vertröstet und hingehalten“, sagt die Wehr.

Sie habe bereits selbst nach Angeboten für einen Mannschaftstransportwagen (MTW) und Anhänger gesucht und Lösungsvorschläge unterbreitet. „Es heißt dann, die Stadt habe kein Geld“, sagt Martin Leben. „Aber sie hat eben auch die Verpflichtung, den Brandschutz sicherzustellen.“

>>> Lesen Sie auch: Ortsbeiräte verspätet, aber mit Rückenwind

Außerdem haben die Brachwitzer im Frühjahr einen neuen Feuerwehrverein gegründet – als Hilfe zur Selbsthilfe. „Im Mai hat dieser Verein ein Sommerfest ausgerichtet, mit Unterstützung von Kameraden aus Treuenbrietzen und Schlalach“, erzählt die Vereinsvorsitzende Marianne Bünger. „Das ist super angekommen und von den Einnahmen konnten wir zum Beispiel neue Jacken kaufen. Das sind zwar nur Kleinigkeiten, aber daran merkt man, dass die Gemeinschaft da ist.“

Die Wehr wolle gerne mit der Stadt zusammenarbeiten und würde sich wünschen, mehr einbezogen zu werden. Auch was die Ausstattung für den künftigen MTW angehe. Denn um wieder einsatzfähig zu werden, sollen die Kameraden den zwölf Jahre alten Mannschaftswagen der Treuenbrietzener Feuerwehr bekommen. An dem Gefährt sind allerdings noch einige Umbauten notwendig, außerdem soll es in der Werkstatt rundum durchgecheckt und repariert werden – so das Versprechen.

Die Freiwillige Feuerwehr Brachwitz fühlt sich von der Stadt Treuenbrietzen im Stich gelassen und abgehängt. Quelle: Josephine Mühln

Für die Treuenbrietzener Wehr, der dieses Auto dann fehlt, sei bereits ein neuer MTW beschafft worden, sagt Treuenbrietzens Stadtwehrführer Olaf Fetz. „Leider haben Bestell- und Liefervorgang sehr lange gedauert, auch ein Hänger war nicht auf Anhieb zu finden.“

Jetzt müsse das Auto noch zu einem Feuerwehrfahrzeug werden – müsse ausgebaut, beklebt und mit Blaulicht ausgestattet werden. Außerdem brauche der Hänger ein neues Fahrgestell. Erst dann könnten der Umbau des alten Autos und schließlich der Fahrzeugtausch stattfinden.

Der Mannschaft und den Fragen stellen

„Ich hoffe, dass das schnell geht, aber eine Prognose kann ich nicht abgeben. Unter anderem auch, weil ich selbst nicht viele Infos bekomme“, sagt Olaf Fetz weiter. „Dass die Kameraden sich nicht gehört und abgehängt fühlen, soll natürlich nicht so sein – diese Kritik nehme ich mir zu Herzen und bemühe mich, das zu ändern.“ Er sei deshalb auch bereits bei den Kameraden vor Ort gewesen und wolle sich bei einem weitern Termin der gesamten Mannschaft und deren Fragen stellen.

Unterstützung bekommen Martin Leben und seine Mitstreiter auch von Anja Schmollack (CDU). „Die politischen Gremien stehen hinter der Ortsfeuerwehr“, sagt die Vorsitzende des städtischen Ausschusses für Bildung, Ordnung und Sicherheit. „Es müssen Lösungen gefunden werden. Die Stadt hat wenig Gelder, deshalb darf sich auch das Land nicht entziehen – wir sind da kein Einzelfall in Brandenburg, es gibt viele klamme Kommunen.“

Von Josephine Mühln

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