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Treuenbrietzen Sorge wächst nach Zwischenfällen mit Klinikpatienten
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Sorge wächst nach Zwischenfällen mit Klinikpatienten
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15:45 09.01.2019
Christopher Rommel ist Chefarzt der Klinik für Psychiatrie am Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen. Quelle: Foto: JKH
Treuenbrietzen

Im Umfeld des Johanniter-Krankenhauses Treuenbrietzen wächst die Sorge um die öffentliche Sicherheit. Anlass ist die jüngste Häufung von Zwischenfällen und gar Unfällen, an denen Patienten der Klinik für Psychiatrie beteiligt waren.

So kam es am Montagvormittag zu einem schweren Unfall, als ein 19-Jähriger in der Nähe des Bahnhof Treuenbrietzen-Süd und des Klinikgeländes auf der Bundesstraße 102 in einen Lastwagen lief. Der junge Mann musste schwer verletzt in ein Potsdamer Klinikum eingeliefert werden. Die Polizei schloss bei den Ermittlungen zum Hergang auch einen Vorsatz nicht aus.

Richter entscheiden über Schuldfähigkeit

Zudem hatte am Mittwoch vor Weihnachten eine 22-jährige Patientin, die in der Klinik für Psychiatrie vermisst worden war, im Stadtgebiet drei Frauen angegriffen und teils verletzt. Gegen die offenbar erkrankte Frau ermitteln nun Polizei und Staatsanwaltschaft. Ob ihre Erkrankung „zur Schuldminderung oder gar zum Schuldausschluss führt, muss ein Richter im Verfahren entscheiden“, erklärt Oliver Bergholz, ein Sprecher der Polizeidirektion West, am Dienstag auf Anfrage der MAZ.

Sybille Menyes war eine der Frauen, deren Auto von der Patientin unvermittelt attackiert worden war. „Das war schon beängstigend. Ich bin aber noch vergleichsweise gut weggekommen ohne Folgeschäden“, erzählt die 67-Jährige. Einer anderen Frau war bei den überraschenden Auseinandersetzungen ein Arm gebrochen worden.

In der Vergangenheit hatte es immer mal wieder Vorfälle und auch Sucheinsätze der Polizei gegeben, nachdem Patienten der Klinik für Psychiatrie den stationären Bereich verlassen hatten. Dabei kam es teilweise zu Unfällen und Beeinträchtigungen im Bahnverkehr auf der nahen Strecke der RB 33.

Am Johanniter-Krankenhaus in Treuenbrietzen arbeitet auch eine Fachklinik für Psychiatrie. Quelle: Friedrich Bungert

Bei der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik handelt es sich nicht um eine geschlossene Einrichtung im Sinne einer forensichen Klinik zur Behandlung psychisch erkrankter Straftäter. Das stellte das Krankenhaus am Dienstag klar.

Im Fall vom Montag habe der junge Mann die Klinik nicht unbemerkt verlassen. Vielmehr habe er den überwachten Ausgang der Station überschritten, indem er die Aufsichtsperson – eine Krankenschwester – zur Seite drängte, „um sehr schnell und offenbar gezielt zur Bundesstraße zu rennen“, erklärte Chefarzt Christopher Rommel.

Unglücke werden im Team ausgewertet

Seine spezialisierte Klinik behandele „immer wieder auch Erkrankungen mit der Gefahr selbstgefährdender Fehlhandlungen“. Dann gebe es Sicherheitsvorkehrungen mit überwachtem Ausgang. „Tragische Unglücke unter psychischer Erkrankung oder auftretende Fremdgefährdung“ seien stets Anlass zur „Bearbeitung in den Behandlungsteams mit leitenden Ärzten und in regelmäßiger externer Supervision“, sagt der Chefarzt. Dies sie auch in den jüngsten Fällen erfolgt.

Staatsanwalt lehnte Antrag ab

Am besten ließen sich krankheitsbedingte Gefährdungen vermeiden in einer Behandlung auf freiwilliger Basis unter Mitwirkung des Kranken. „Sofern dies nicht möglich ist, können Patienten gesetzlich in unserer Klinik untergebracht werden“, sagt Christopher Rommel. Bei Straftaten – wie im Fall der verletzten Frauen in Treuenbrietzen – ist die Staatsanwaltschaft zur Prüfung einer Unterbringung in der forensischen Psychiatrie – mit der Aufgabe der Sicherung der Öffentlichkeit – zuständig. Einen solchen Antrag hat die Klinik an das Gericht gestellt, „ohne angenommen zu werden“, so der Doktor. Am Freitag sei die Staatsanwaltschaft um Prüfung des Falles gebeten worden, sagt Chefarzt Christopher Rommel.

Nach seiner Erfahrung könnten durch stationäre und ambulante Behandlungen vielfach gefährliche Entwicklungen bei Patienten erkannt und erfolgreich verhindert werden. Doch gebe es keine Garantie für die Verhinderung von Zwischenfällen in der Psychiatrie. „Ebenso wenig wie in Schwimmbädern, im Straßenverkehr oder an Arbeitsplätzen“, erklärt der Psychiater am Dienstag. In den vergangenen Jahren sei die Frage „eines Gewinns an Sicherheit durch abgeschlossene Türen in der Allgemeinpsychiatrie intensiv wissenschaftlich untersucht worden“, so Christopher Rommel. „Allerdings ohne dass ein entsprechender Nachweis gelungen ist“, erklärt der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie.

Klinik setzt auf Transparenz

Dort sei das Interesse der Öffentlichkeit an Fragen der Psychiatrie grundsätzlich willkommen. Jedoch „nicht nur bei auftretenden Problemen sondern auch bei der Gestaltung von Lösungsansätzen in der gemeinsamen Verantwortung des Landkreises, der Kommunen, der Ämter, der Behörden und der Gerichte mit den stationären und komplementären Einrichtungen zur Versorgung psychisch kranker Menschen“, sagt der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie sowie Psychoanalyse. Daher gebe es in Treuenbrietzen regelmäßig auch öffentliche Veranstaltungen zur Transparenz in der Psychiatrie, zu der die Klinik einlädt.

Von Thomas Wachs

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