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Treuenbrietzen Streit um Invasion von Nutria-Ratten im Badesee
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Streit um Invasion von Nutria-Ratten im Badesee
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08:15 30.05.2019
Im Baggersee in Treuenbrietzen fühlen sich immer mehr Nutrias heimisch. Quelle: Thomas Wachs
Treuenbrietzen

Was einige süß und putzig finden, sehen andere sehr kritisch. Am Baggersee in Treuenbrietzen breiten sich Nutrias immer mehr aus. Aktuell sind an den Ufern und Badewiesen mehrere ausgewachsene Tiere sowie mindestens vier Junge dieser Rattenart zu beobachten.

Immer mehr Nutria-Ratten tummeln sich im Baggersee zu Treuenbrietzen. Das ruft Kritiker auf den Plan.

Badegäste fühlen sich belästigt. Das bestätigt Hardy Dreger, der Vorsitzende des Treuenbrietzener Anglervereins. Er werde oft darauf angesprochen. Der Verein hat das Gewässer gepachtet von der Stadt und pflegt es. Dreger will gemeinsam mit dem Ordnungsamt des Rathauses nun eine Lösung suchen für das wachsende Problem.

Längst sind die Wildtiere nämlich zum Streitpunkt geworden, weil sie gefüttert werden. Einige Besucher erfreuen sich an den putzigen Tieren. Fotos machen die Runde. Andere Spaziergänger ärgern sich jedoch über Brot, Möhren, Brötchen und andere Lebensmittel, die arglose Zeitgenossen am Ufer der Badewiesen verteilen. Sie fürchten, dass auch Hausratten angezogen werden.

Im Baggersee in Treuenbrietzen fühlen sich immer mehr Nutrias heimisch. Badegäste stört dies. Quelle: Thomas Wachs

Ines Stobinski macht das wütend: „Ich frage mich ganz ernsthaft, warum gibt es Menschen, die einfach nicht nachdenken können“, schreibt die Treuenbrietzenerin im Sozialen Netzwerk Facebook. Und weiter: „Beim Spaziergang zum Bagger dachte ich, mich trifft der Schlag. Da waren ganz besondere Menschen der Meinung, die Nutrias müssten doch nicht mehr selber nach Nahrung suchen – ist für so ein Wildtier ja auch mega anstrengend“.

„Ich werde meine Enkel nicht mehr zum Baden hin lassen, denn seht selber, was Ihr mit den Lebensmitteln noch angelockt habt. Es tummeln sich jetzt Ratten dort“, schreibt Ines Stobinski aufgebracht zu ihren Fotos auf Facebook. „Bitte, liebe Leute, unterlasst das Füttern, die Tiere finden ohne Euch genug zu essen“, lautet daher der Appell nicht nur dieser Treuenbrietzenerin.

Platter Schwanz macht Unterschied

Diese Einschätzung teilt auch Steffen Bohl, der Leiter des Naturparkes Hoher Fläming und passionierte Naturfotograf. „Diese Tiere sind keine schützenswerte Art in unserer Region. Sie richten eher Schaden an Gewässern an“, erklärt er. Zunehmende Probleme mit Nutrias gebe es flächendeckend auch im Fläming. An der Reha-Klinik in Bad Belzig und in den Teichen des Hotels Springbachmühle sind sie Stammgäste. Auch auf der Grünbrücke über die Autobahn 9 ging ein Nutria schon die Fotofalle.

Naturkenner Steffen Bohl warnt vor den Füttern von Wildtieren. Quelle: Christel Köster

„Gut zu unterscheiden vom streng geschützten Biber mit seinem platten, breiten Schwanz – der sogenannten Kelle – sind Nutrias durch ihren runden Schwanz“, erklärt Bohl.

Gefährliches Virus wird übertragen

Das Problem: „Man wird Nutria nur schwer wieder los“, sagt der Experte. „Zwei Tiere reichen, um sich am Ort zu erhalten.“ Sie sind auch eine Gefahr für die Gesundheit von Menschen, weil sie das Hanta-Virus verbreiten. Dieses kann tödliche Erkrankung auslösen. „Nutrias unterliegen in wenigen Bundesländern dem Jagdrecht. In Brandenburg ist das aber nicht der Fall“, erklärt Bohl.

Im Baggersee in Treuenbrietzen fühlen sich immer mehr Nutrias heimisch. Sie werden zu gut versorgt mit Futter. Quelle: Thomas Wachs

Er rät dringend dazu, die Ausbreitung der eingewanderten Rattenart nicht noch zu beflügeln, indem sie gefüttert wird. Wenn sie keine Nahrung finden, ziehen sie weiter.

Nutrias können an der Ufervegetation erheblich Schäden verursachen. Da sie große Erdhöhlen bauen, steigern sie auch die Hochwassergefahr“, sagt der Naturkenner. „Würden Nutrias im Nieplitzdamm eine Höhle bauen, könnte nach einem Dammbruch Wasser zum Beispiel den Seniorenwohnpark erreichen“, gibt der gebürtige Treuenbrietzener zu bedenken.

Auch in der Stadt verbreitet

„Verbreitet ist die Wasserratte bereits in der Stadt. Auch am Schwanenteich und in der Nieplitz“, sagt Hardy Dreger. Er will nun das Gespräch suchen mit den Bürgern, die am Baggersee massiv die Nutrias füttern. „Das geht nun doch zu weit“, sagt der Chef der Angler.

Die Treuenbrietzener Angler pflegen regelmäßig den Baggersee. Quelle: Thomas Wachs

„Auch wir werden uns mit dem Thema in den nächsten Tagen auf jeden Fall beschäftigen“, sagt Ralf Gronemeier, der Leiter des auch für Ordnungsangelegenheiten zuständigen Bürgeramtes der Stadtverwaltung. „Wildtiere dürfen nicht gefüttert werden. Wir werden prüfen, ob wir am Bagger ein entsprechendes Hinweisschild aufstellen können.“ Immerhin gehe es bei dem Thema auch um eine illegale Abfallentsorgung, wenn Biomüll an der Badewiese verteilt wird.

Füttern schadet der Natur

Problematisch ist das Füttern von Wassertieren – so auch von Enten – allgemein auch, weil damit der Nährstoffeintrag in die Gewässer unnatürlich erhöht wird. „Das Füttern hilft der Natur nicht, es schädigt sie nur“, sagt Steffen Bohl.

Von Thomas Wachs

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