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Treuenbrietzen Treuenbrietzen ohne eigenen Pfarrer
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13:16 27.06.2019
Gunther Seidel geht nach 15 Jahren als Pfarrer in Treuenbrietzen in den Ruhestand. Dann bleibt mehr Zeit für sein großes Hobby, das Lesen. Quelle: Thomas Wachs
Treuenbrietzen

Die ersten Umzugskisten sind gepackt. Wenige Tage nach seiner offiziellen Verabschiedung in den Vorruhestand, die an diesem Sonntag erfolgt, wird Pfarrer Gunther Seidel mit seiner Frau das Pfarrhaus an der Großstraße räumen. Danach ist die Stadt ohne eigenen Seelsorger.

15 Jahre lang war der 63-Jährige in Treuenbrietzen tätig. Nun muss er vorfristig aus gesundheitlichen Gründen aus dem Amt scheiden. „Das Stehen bereitet mir Schwierigkeiten, was vor allem bei Beisetzungen ein Problem ist“, erklärt der Geistliche.

Nachfolge noch ungewiss

Seine Nachfolge ist innerhalb des Evangelischen Kirchenkreises Mittelmark - Brandenburg (EKMB) noch nicht geregelt. Schon seit dem Weggang von Sebastian Mews im April 2015 ist die zweite Pfarrstelle nicht mehr besetzt. „Doch die Gemeindekirchenräte sind hier meist gut aufgestellt und erledigen ihre Arbeit oft sehr gut auch selbstständig“, schätzt Gunther Seidel ein.

Festgottesdienst am Sonntag

Die Verabschiedung von Pfarrer Gunther Seidel findet öffentlich statt am Sonntag, dem 30. Juni, in der Marienkirche zu Treuenbrietzen.

Der Festgottesdienst mit der Entpflichtung Seidels durch den Superintendenten Siegfried-Thomas Wisch vom Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg beginnt um 14 Uhr.

Grußworte sind anschließend geplant bei einem Sektempfang in der Kirche.

Dennoch hofft auch er, dass für die insgesamt rund 1200 Gemeindeglieder der Region die Pfarrstelle „möglichst bald wieder voll besetzt ist“. Bedarf sieht der scheidende Geistliche vor allem auch für die Arbeit mit Konfirmanden, um auch Kinder und Jugendliche wieder mehr für die Kirche zu begeistern. „Das war nach dem Weggang von Kollegen aus der Umgebung, mit denen ich mir diese Aufgabe mal geteilt hatte, leider wieder auf der Strecke geblieben“, sagt Gunther Seidel.

Verschiedene Pfarrer helfen aus

Bis zu einer Nachfolge werden zunächst verschiedene Pfarrer aus der Umgebung die Vakanz-Vertretung für die Stadt und die Dörfer übernehmen. Für Zeuden, Lobbese und Pflügkuff wird Daniel Geißler aus Niemegk aushelfen. Ihm obliegt es nun auch, die kürzlich begonnene Sanierung der Dorfkirche zu Zeuden ins Ziel zu bringen, die Gunther Seidel noch angeschoben hatte. 

Der Treuenbrietzener Pfarrer Gunther Seidel war auch für die Gemeinden in den Ortsteilen zuständig. So auch in Pflügkuff, wo im August 2015 die neue Orgel geweiht werden konnte. Quelle: Thomas Wachs

Für Nichel, Niebel und Rietz soll Pfarrer Olaf Prelwitz aus Beelitz mit zuständig sein, während in Treuenbrietzen selbst Clemens Bloedhorn aus Wittbrietzen Ansprechpartner sein wird.

Mindestens ein Jahr könne es dauern, bis die nun geplante Ausschreibung für die Nachbesetzung der Pfarrstelle in Treuenbrietzen zum Erfolg führt. „Das ist ein umfangreiches Verfahren, dem verschiedene Ebenen von den Gemeindekirchenräten bis zum Kreiskirchenrat zustimmen müssen“, erklärt Gunther Seidel. „Aber es ist auch gut, wenn es einen Abstand gibt zwischen dem Alten und dem Neuen, der nach Möglichkeit auch einiges anders macht und frische Ideen einbringt“, sagt der scheidende Pfarrer.

Auf dem Weg nach Potsdam

Er hält sich nun an die allgemeine Empfehlung, „wonach Pfarrer einerseits circa alle zehn Jahre zu neuen Wirkungsstätten weiterziehen und auch den letzten Dienstort verlassen sollten, wenn sie in den Ruhestand gehen“.

Den gebürtigen Berliner, den es nach dem Studium dort über Stationen in Kyritz und Blankenfelde nach Treuenbrietzen verschlug, zieht es nun nach Potsdam.

Den Wechsel in die Sabinchenstadt habe er anfangs „wie eine Mondlandung empfunden“, gesteht Seidel rückblickend. Das Großstadtleben und die Infrastruktur fehlten ihm zunächst. Für den Einsatz auf dem Lande hatte der Großstädter anfangs gar keinen Füherschein für das Auto und nur ein Moped zur Verfügung. Mit dem Auto erschloss er sich dann jedoch schnell auch den gesamten Fläming, „den ich landschaftlich als wunderbare Hinterlassenschaft der Eiszeit lieb gewonnen habe“, sagt Seidel.

Den Fläming lieb gewonnen

Nach den 15 Jahren in der beschaulichen Kleinstadt „kann ich es mir nun jedoch gar nicht mehr vorstellen, in einer Großstadt wie Berlin zu wohnen“, erzählt der Vater zweier Kinder.

Der Umzug nach Potsdam sei da ein guter Kompromiss. Allerdings passen in die deutlich kleinere Wohnung dort nun wesentlich weniger Bücher, als sie Gunther Seidel in der Dienstwohnung und dem Büro im Pfarrhaus Treuenbrietzen ansammeln konnte. Das Limit setzt ein neuer Bücherschrank, den sich der Pfarrer noch von einem Tischler in Lobbese fertigen lässt. Daher laufe nun die Qual der Wahl beim Packen der Bücherkartons. „Was will ich noch mal lesen, was darf weg?“

Mehr Zeit für die Hobbys

Das Lesen ist für Gunther Seidel seit jeher ein großes Hobby. Fernsehen lehnt der Pfarrer ab und greift lieber auch mal zur Gitarre. Vor allem Alte Geschichte und Religionshistorie haben es ihm angetan bei seiner Lektüre. Ebenso Biografien bedeutender Persönlichkeiten, erzählt der Verehrer von Karl Marx. Für diese Hobbys bleibt Gunther ab dem 1. Juli nun mehr Zeit im Ruhestand.

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Von Thomas Wachs

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