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Treuenbrietzen Streit um Funkturm stört den Dorffrieden in Bardenitz
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Streit um Funkturm stört den Dorffrieden in Bardenitz
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16:28 20.11.2019
In Ortsnähe von Bardenitz soll ein Mobilfunkturm gebaut werden. Streit gibt es um den Standort. Quelle: Hannes Ewert
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Bardenitz

Der Protest gegen die Pläne zum Bau eines Mobilfunkturmes in unmittelbarer Nähe zum Ortsteil Bardenitz hat die Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung (SVV) Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) gesprengt. Das Bauprojekt der Deutschen Telekom AG stört inzwischen zudem den Dorffrieden.

Denn einige direkt betroffene Anwohner und Grundeigentümer, deren Immobilien nur gut 150 Meter entfernt liegen vom geplanten Standort an der Landesstraße Richtung Klausdorf, fürchten langfristige Beeinträchtigungen der Gesundheit, die von einer dauerhaften Strahlenbelastung ausgehen könnten.

Klares Votum in Bürgerversammlung

Indes hatten sich 90 Prozent der gut 130 Anwesenden einer Einwohnerversammlung auf Einladung des Ortsbeirates mit Marco Novello und Torsten Halling kürzlich für den Bau des Turmes am geplanten Ort ausgesprochen. Alle erhoffen sich davon eine deutliche Verbesserung für die Handy-Kommunikation sowie für schnelle DSL-Internetverbindungen.

Gelöst werden sollen so auch Kommunikationsprobleme von Rettungskräften, die beim großen Waldbrand 2018 besonders offensichtlich geworden waren.

Die gute Stimmung in Bardenitz ist getrübt – anders als beim Zempern im Januar. Verena Briese und die Familie ihres Partners Lars Hagen (M.) wohnen 150 Meter dicht am strittigen Bauplatz für einen Funkturm. Quelle: Thomas Wachs

Der Bardenitzer Abgeordnete Andreas Bruns (Bündnis 90/Die Grünen) hatte in der SVV nun per Tischvorlage gefordert, das Thema neu zu diskutieren. Der Turm werde auch von den Kritikern begrüßt. „Doch sollte es möglich sein, einen anderen Standort weiter entfernt vom Dorf zu finden“, so Bruns.

Verstoß gegen Sitzungsordnung

Michael Mrochen (FDP), der Vorsitzende der SVV, lehnte es aus formalen Gründen jedoch ab, das Thema spontan zusätzlich in die Tagesordnung aufzunehmen. Unter anderem seien Fristen laut Sitzungsordnung nicht eingehalten worden, „die das ja möglich gemacht hätten“, so Mrochen. Zudem habe es eine Debatte zu dem Sachverhalt bereits gegeben.

So hatte der Ausschuss für Stadt- und Ortsteilentwicklung im August den vorgeschlagenen Standort für den Turm abgelehnt. Die Stadtverwaltung formulierte entsprechend eine ablehnende Stellungnahme für diesen Standort. Der Turm störe dort Belange des Naturschutzes sowie des Tourismus. Auch sei eine „erhebliche Gefährdung der Volksgesundheit“ nicht ausgeschlossen worden. Auch seien alternative Standorte nicht geprüft worden, heißt es in der Erklärung der Stadt im Rahmen des Bauantragsverfahrens.

Landkreis überstimmt Kommune

Das wird aktuell wie üblich beim Landkreis Potsdam-Mittelmark geführt. Dort sind die Bedenken der Bürger und die Ablehnung der Stadt jedoch übergangen worden. Der Kreis ersetzte inzwischen im Rahmen des verkürzten Verfahrens das Einvernehmen der Kommune.

Darauf zielen die Kritik der Bürger und der aktuelle Vorstoß von Andreas Bruns ab. Er wünschte von den Stadtverordneten ein Bekenntnis zur Suche nach einem neuen Standort.

Hochfrequente elektromagnetische Felder

Diskutiert wurde das Streitthema schließlich dennoch indirekt in der SVV. Auch in der Einwohnerfragestunde. Dort hatte unter anderem Verena Briese, die am dichtesten zum Bauplatz wohnt, die Gesundheitsrisiken angesprochen. Sabine Illesch fürchtet eine Wertminderung ihrer Grundstücke, die womöglich mal als Bauland gefragt sein könnten.

Constanze Bruns verwies auf Studien, „die noch keine klaren Ergebnisse haben, was die Langzeitwirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder angeht“. Das Bundesamt für Strahlenschutz habe Untersuchungen in Auftrag gegeben. „Die Risiken sollen erst 2020 bis 2024 neu bewertet werden“, so Bruns.

Andreas Bruns betreibt im ehemaligen Jagdhaus an der Hermanns-Mühle bei Bardenitz Ferienwohnungen. Quelle: Victoria Barnack

„Das Bundesamt geht davon aus, dass erst ein Abstand solcher Sende- und Empfangsanlagen zu Wohnhäusern von mindestens 500 Meter unbedenklich ist“, sagt Andreas Bruns.

Als Unternehmer und Betreiber von Ferienwohnungen an der nahen Hermanns-Mühle, die seine Familie bewohnt, „wünsche ich mir für uns und unsere Gäste endlich auch eine Versorgung mit Handynetz am Ort. Aber nicht um den Preis eines Funkturmes vor der Tür“, sagte Bruns der MAZ.

Pfarrer sieht Spaltung der Gemeinde

„Es ist etwas anderes, ob ich ein Handy ausschalten kann oder ständig einer Strahlenbelastung eines Funkturmes ausgeliefert bin“, argumentierte Bernhard Hoppe, der Pfarrer im Ort. Er beobachte auch in der Kirchengemeinde „eine Spaltung zu dem Thema“.

Mit einer Petition an den Landkreis, die auch auf Vorschlag von SVV-Chef Michael Mrochen im Nachgang ihrer Sitzung von fast allen Stadtverordneten unterzeichnet worden ist, wird nun darum gebeten, „das laufende Genehmigungsverfahren zum Bau des Telekommunikationsturmes auszusetzen“. Eine Genehmigung sollte nur erteilt werden, wenn der Mindestabstand von 500 Metern zu Wohnhäusern gewährleistet sei.

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Die Deutsche Telekom als Investor verwies kürzlich auf Anfrage der MAZ darauf, dass vor dem Bauantrag mehrere Standorte für den 50 Meter hohen Betonmast mit Antennenanlagen geprüft worden seien.

„Er soll den Bereich um Bardenitz die Mobilfunkversorgung verbessern mit den Technologien GSM und LTE sowie Downloadraten von bis zu 50 MBit pro Sekunde“, sagte Georg von Wagner, ein Sprecher der Telekom.

Was die Strahlenbelastungen angehe, halte die Telekom die gesetzlichen Vorgaben ein, die zum Betreiben eines Mobilfunkstandortes vorgeschrieben sind. „Die Bundesnetzagentur prüft, ob die Grenzwerte eingehalten werden“, sagte Georg von Wagner im August.

>>Lesen Sie auch: Regierungskampagne soll Vorbehalte gegen Mobilfunkmaste abbauen

Von Thomas Wachs

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