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Treuenbrietzen Kein Kahlschlag: Wald bei Treuenbrietzen soll wieder gedeihen
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Kein Kahlschlag: Wald bei Treuenbrietzen soll wieder gedeihen
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10:40 21.02.2019
Im verbrannten Stadtwald Treuenbrietzen beginnt nun die Wiederaufforstung. Stadtförster Dietrich Henke sieht darin auch neue Möglichkeiten.
Im verbrannten Stadtwald Treuenbrietzen beginnt nun die Wiederaufforstung. Stadtförster Dietrich Henke sieht darin auch neue Möglichkeiten. Quelle: Thomas Wachs
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Treuenbrietzen

Nach dem riesigen Waldbrand vom Sommer 2018 beginnt demnächst nun auch die Wiederaufforstung der von der Feuersbrunst betroffenen Teile des Stadtwaldes Treuenbrietzen.

Dabei gehe die Kommune einen anderen Weg, als die ebenfalls stark betroffene Genossenschaft der Waldbesitzer im Umkreis von Klausdorf. Dort ist bereits ein gesamter Kahlschlag erfolgt. Die Aufforstung läuft im März an in Kooperation mit dem Landesbetrieb Forst Brandenburg.

„Wir planen jedoch keine komplette Rodung, sondern wollen zunächst noch sehen, welche der leichter geschädigten Bestände sich womöglich noch selbst erholen“, kündigte Treuenbrietzens Bauamtsleiter Christoph Höhne in dieser Woche während der Sitzung der Stadtverordneten an.

Kooperationsvertrag mit Hochschule

Die Stadt Treuenbrietzen werde für das Aufforstungsprojekt einen Kooperationsvertrag mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) abschließen, kündigte Bürgermeister Michael Knape (parteilos) an.

Die Forstexperten dieser Hochschule begleiteten die Stadt bereits mehrfach im zurückliegenden Jahrzehnt bei ihrer naturnahen Waldwirtschaft.

Nun wollen die Kooperationspartner die Katastrophe auch als Chance nutzen. Sie wollen systematisch erforschen, wie mit derartigen Waldbrandflächen umzugehen ist, damit zukunftsfähige Wälder nachwachsen können.

Fast 400 Hektar Wald verbrannt

Bei der riesigen Brandkatastrophe Ende August des vorigen Jahres sind fast 400 Hektar Wald in Flammen aufgegangen. Davon sind rund 145 Hektar im städtischen Eigentum überwiegend stark geschädigt worden.

Das Feuer bei Treuenbrietzen wurde im August mit aller Macht bekämpft. Quelle: Julian Stähle

Die Wiederbegründung dieser Waldflächen stellt die Stadt nun vor eine große finanzielle und forstfachliche Herausforderung. Insgesamt umfasst ihr Stadtwald knapp 2000 Hektar.

Auch Schulen mit im Boot

Bürgermeister Knape sieht aber auch Impulse für eine nachhaltige Stadtentwicklung: „Die Forschung zum Thema soll von Lehr- und Bildungsangeboten ergänzt werden. Der Treuenbrietzener Wald kann als Freilandlabor und Schaukasten für einen zukunftsweisenden Umgang mit Waldbrandflächen bekannt werden“, erklärt der Rathauschef am Mittwoch.

Dazu werde auch mit dem Naturpark Nuthe-Nieplitz, mit Forschergruppen der Universität Potsdam, der Naturwald-Akademie in Lübeck, internationalen Wissenschaftlern sowie der örtlichen Gesamt- und auch der Grundschule kooperiert, kündigt der Verwaltungschef an.

Professor leitet Projektgruppe

Das Kooperationsvorhaben trägt den Titel „Clever-Forst 1“. „Es geht darum, eine ’schlauere’ Waldbewirtschaftung zu erproben, die auf Grundlage aktueller ökologischer Konzepte, internationaler Erfahrungen sowie von Messdaten innovative und faktenbasierte Strategien umfasst“, erklärt Pierre Ibisch. Der Professor ist der verantwortliche Wissenschaftler der HNE in Eberswalde.

Vorgesehen seien aktive Pflanzungen ebenso wie die Steuerung von natürlichen Verjüngungsprozessen, so der Experte. „Die ökologische Wirksamkeit ist dabei ebenso im Blick wie die ökonomische Dimension“, erklärt Stadtförster Dietrich Henke: „Die Waldbewirtschaftung wird den Klimawandel und andere Risiken berücksichtigen und verfolgt das Ziel, einen möglichst widerstand- und anpassungsfähigen Mischwald aufwachsen zu lassen, der nicht in wenigen Jahren wieder verbrennt oder austrocknet“.

Versuchsfläche bei Frohnsdorf

Für das Projekt stellt die Kommune der HNEE für den Zeitraum von zehn Jahren eine Teilfläche von circa 28 Hektar im Brandgebiet des Stadtwaldes nahe des Ortsteiles Frohnsdorf zur Verfügung.

Dort wird am kommenden Dienstag der offizielle Startschuss für das Kooperationsprojekt erfolgen. Die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung koordiniert sodann die verschiedenen Schritte und Forschungsarbeiten, zu denen auch weitere Institutionen hinzugezogen werden sollen, kündigt Pierre Ibisch an.

Von Thomas Wachs