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Treuenbrietzen Weite Wege für Ärzte und Patienten
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Weite Wege für Ärzte und Patienten
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16:02 14.01.2020
Burkhard Kroll muss sich künftig auf lange Fahrten während des ärztlichen Bereitschaftsdienstes einstellen. Quelle: René Gaffron
Bad Belzig

Akute Bauchschmerzen am Samstagabend, plötzlich Fieber am Feiertagsmorgen – das sind die Fälle, in denen Betroffene den medizinischen Bereitschaftsdienst in Anspruch nehmen. Dessen Organisation wird nicht länger eine lokale Angelegenheit der Mediziner im Hohen Fläming bleiben.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) will noch in diesem Jahr den Zuständigkeitsbereich erweitern. Das bestätigt deren Sprecher Christian Wehry auf MAZ-Anfrage.

Außerdem soll das Ernst-von-Bergmann-Klinikum Bad Belzig in dem System keine Rolle mehr spielen. Vielmehr will man die Bereitschaftspraxis unter das Dach des Krankenhauses Luckenwalde stellen. Die bisherigen Fallzahlen und die vergleichsweise zentrale Lage im neuen Versorgungsgebiet haben zu dieser Entscheidung geführt, heißt es.

Fusion im Süden

In Zukunft werden die Mediziner nicht nur für Patienten zwischen Bad Belzig, Borkheide/Brück, Görzke, Niemegk und Wiesenburg zuständig sein, sondern – gemeinsam mit Ärzten im Süden des Kreises Teltow-Fläming – auch für den Raum Treuenbrietzen, Jüterbog, Luckenwalde und Dahme/Mark. Dort gäbe es nämlich ein noch größeres personelles Manko auszugleichen.

Ungeachtet der allgemeinen Klage über den Ärztemangel kommen die Doktoren im Hohen Fläming laut KV-Statistik zu 2,7 Einsätzen im Quartal. Die Ärzte in Dahme/Mark sind dagegen achtmal im gleichen Zeitraum eingeteilt. Doch für alle soll es nun besser werden.

Weniger Dienste prognostiziert

„Mit der neuen Struktur werden die Kollegen voraussichtlich nur noch 1,2-mal pro Vierteljahr gefragt sein“, erklärt Christian Wehry. Die Quote zu minimieren, sei ein wesentliches Anliegen der Reform. Das könnte helfen, dem Landarzt-Mangel zu begegnen. Die Häufigkeit der obligatorischen Wochenenddienste sei bislang ein häufig genanntes Argument gegen Praxisübernahmen an der Peripherie des Landes Brandenburg.

Luckenwalde mit dreifachem Zuspruch

Die Kassenärztliche Vereinigung hat den Bedarf der Bereitschaftspraxen erhoben. Die Fälle wurden zwischen drittem Quartal 2018 und erstem Quartal 2019 verzeichnet.

Demnach wurden in Bad Belzig abends an Wochenenden 0,5 Patienten pro Stunde registriert; zwischen 9 und 19 Uhr war es ein Patient pro Stunde.

In Luckenwalde wurden abends an Wochenenden 1,2 Patienten regstriet; zwischen 9 und 19 Uhr waren es drei Patienten.

Mit drei bis vier Patienten pro Stunde wird dann auch im Bereitschaftsdienst 4.0 gerechnet.

„Das ist das praktische Ende des Hausbesuchsdienstes während der Bereitschaft“, prognostiziert Burkhard Kroll. Wie der in Bad Belzig praktizierende Kinderarzt erklärt, wurden bislang durchschnittlich fünf bis zehn Hausbesuche von den 30 Mitstreitern im Hohen Fläming pro Wochenende absolviert. „Diese Intensität ist schon auf Grund der Entfernungen unrealistisch“, sagt der 56-Jährige. So könnten die Einsatzorte bis zu 100 Kilometer voneinander entfernt sein.

Fahrdienst wartet in Treuenbrietzen

Gleichwohl er sich nicht selbst ans Steuer setzen müsste, sondern die Kassenärztliche Versorgung einen wohl in Treuenbrietzen stationierten Fahrdienst stellen will.

Vielmehr erklärt Christian Wehry. dass am Bereitschaftstelefon rund um die Uhr versiertes und erfahrenes Personal sitzt, dass die Lage beim Anrufer einzuschätzen weiß und konsequent handelt. Soll heißen: Bei lebensbedrohlichen Situationen wird der Rettungsdienst geschickt. Ansonsten könnten die Disponenten häufig erkennen, wo mal nur ein guter Rat bzw. ein Hausmittel benötigt wird oder die Vorstellung beim Hausarzt am Montagfrüh genügt.

Regelmäßig Bestandsaufnahme

So lehrt die Erfahrung der Berufsvertretung, dass etwa ein Drittel der Anrufer tatsächlich auf den Arzt angewiesen sind. Lediglich in 16 Prozent der Fälle kommt es laut Erhebung tatsächlich zum Hausbesuch. „Das System ist flexibel und erfährt eine regelmäßige Bestandsaufnahme“, betont Christian Wehry. Soll heißen: Wenn ein Doktor im Süden dringend Unterstützung im größeren Revier braucht, kann er sie gewiss aus einer der Praxen in Brandenburg/Havel, Potsdam oder Ludwigsfelde erhalten.

Das Krankenhaus Bad Belzig ist künftig nicht mehr ins die medizinische Bereitschaft der Kassenärztlichen vereinigung eingeladen. Quelle: René Gaffron

Wer mobil ist, soll die Bereitschaftsarztpraxis aufsuchen. Der Weg nach Luckenwalde wird aber wohl nur von einigen Brücker, Niemegker oder die Treuenbrietzener Betroffenen in Anspruch genommen werden. Alternativ stehen die Praxen im St.-Josef-Krankenhaus Potsdam oder im Städtischen Klinikum Brandenburg/Havel offen.

Kaum Kritik an Entscheidungen

„Das Krankenhaus Bad Belzig hat sich für die Bereitschaftspraxis beworben, ist aber nicht berücksichtigt worden“, sagt Natascha Gieseler auf MAZ-Anfrage, Sprecherin des Ernst-von-Bergmann-Klinikums. Die Geschäftsführung haben die KV-Entscheidung zur Kenntnis nehmen müssen. Der Beschluss soll aber nicht kommentiert oder gar auf Korrektur gedrängt werden.

„Für das Krankenhaus Bad Belzig als Standort der medizinischen Grundversorgung ist das ein weiterer Bedeutungsverlust“, fürchtet Burkhard Kroll. Er bedauert auch, dass es von den stationären und ambulanten Berufskollegen kaum Kritik zu den schon weit gereiften KV-Plänen gibt.

Von René Gaffron

In dieser Serie der MAZ werden Menschen vorgestellt, die Ihnen schon mal über den Weg gelaufen sind, die Sie schon mal beim Einkaufen gesehen haben oder die gerade bei Ihnen nebenan eingezogen sind. Vielleicht erkennen Sie Ihren Nachbarn aus dem Hohen Fläming wieder?

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