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Treuenbrietzen Wie Schüler von Zeugen der friedlichen Revolution lernen
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11:00 07.12.2019
Beim Erzählcafé haben sich Zeitzeugen und Nachwendekinder über die Zeit des Mauerfalls ausgetauscht. Quelle: Hannah Rüdiger
Treuenbrietzen

Als die Mauerfall-Zeitzeugen die Aula der Gesamtschule Treuenbrietzen betreten, werden sie von den Jugendlichen wie alte Bekannte begrüßt. Bei stundenlangen Gesprächen im Sommer sind aus völlig Fremden fast schon Vertraute geworden. Zeitzeugen und Schüler sind Teil des Projektes „Radio Courage“, in dem junge Menschen Persönlichkeiten vorstellen, die in ihrem Leben Zivilcourage bewiesen haben.

Das „Radio Courage Erzählcafé“ steht diesmal unter dem Motto „Mauerfall und Umbruch – Woran wir uns erinnern wollen“. Im Publikum sitzen Menschen, die die Umbruchzeit des Mauerfalls bewusst erlebt haben, neben Jugendlichen, die damals noch nicht einmal geboren waren. An den Wänden sind 20 Plakate mit Geschichten und Fakten rund um den Mauerfall ausgestellt.

Kurzfilme mit eingesprochenen Audiobeiträgen

Gezeigt werden Foto-Filme mit Audiobeiträgen, die Schüler der Treuenbrietzener Gesamtschule im Sommer im „Radio Courage Camp“ produziert haben. Darin stellen sie Menschen aus der Region vor, die die friedliche Revolution selbst erlebt und mitgestaltet haben. Menschen wie Wilfried Westram, Marina Kanisch, Ilse Wandel, Jürgen Lüdersdorf und Ute Gutt.

„Wir wollen schauen, wer die Menschen waren, die diese Zeit gestaltet haben“, erklärt Sven Gatter. Der Schulsozialarbeiter hat das Projekt 2016 mit seinem Kollegen Benjamin Mache ins Leben gerufen und schon viele Schülergruppen betreut. Mittlerweile gibt es fast 30 Episoden „Radio Courage“ auf Youtube. Drei davon werden bei dem Treuenbrietzener Erzählcafé gezeigt.

Begleitend zum Erzählcafé waren 20 Plakate rund um den Mauerfall zu besichtigen. Quelle: Hannah Rüdiger

Projekt hat Jugendliche bestärkt

Gespannt verfolgt das Publikum die Kurzfilme auf der provisorischen Leinwand. Die Gesamtschüler aus den Videos sitzen in der ersten Reihe. Für die Jugendlichen, die die friedliche Revolution nur noch aus dem Geschichtsunterricht kennen, war dieser Austausch eine eindrückliche Erfahrung, wie sie später auf dem Podium erzählen.

„Wir können immer unsere Meinung sagen“, erzählt Laura Lahne. Für die Schülerin sei es schwer vorstellbar, in einer Welt zu leben, in der man das nicht darf. „Das Projekt hat uns darin bestärkt, für unsere Meinungen und unsere Ziele auf die Straße zu gehen – auch, wenn das nicht allen gefällt.“ Zum Beispiel für Fridays for Future, wo sich einige Teilnehmer von Radio Courage beteiligt hätten.

Der Bad Belziger Kevin Bade begleitete den Abend musikalisch am Saxophon. Quelle: Hannah Rüdiger

Zeitzeugen freuen sich über Interesse

Auch für die Zeitzeugen war der Austausch mit den Jugendlichen eine spannende Erfahrung. „Ich hätte nicht gedacht, dass nach 30 Jahren noch ein Hahn danach kräht“, sagt Wilfried Westram. Der ehemalige Lehrer verfasste vor dem Mauerfall Aufrufe zu Massenaktionen und gehörte zu den Gründern des Stadtforums in Treuenbrietzen. „Es war überraschend und erfrischend, dass die Jugendlichen so offen waren“, fügt Westram hinzu.

„Das war wirklich eine sehr intensive Zusammenarbeit“, findet auch Marina Kanisch. Auch, wenn sie sich bei dem Begriff „Zeitzeugin“ erstmal fürchterlich alt vorgekommen sei. „Ich bin sehr froh, diese Jugendlichen kennengelernt zu haben“, ergänzt Ilse Wandel.

Einander zuhören und verstehen

Nach der kurzen Filmvorführung und ein paar Worten der Beteiligten ist das Publikum dran: Paarweise sollen sich Zeitzeugen und nach 1989 Geborene austauschen. „Es geht vor allem darum, einander zuzuhören und zu verstehen, was die Menschen damals umgetrieben hat“, erklärt Sven Gatter die Aufgabe. Jeweils fünf Minuten lang sollen die Zeitzeugen über die Themen „Über Leben im Umbruch“ und „Woran ich mich erinnern will“ sprechen. Ihr junges Gegenüber soll nur zuhören.

Was nach Schulpädagogik klingt, kommt sehr gut an: Schnell finden sich Gesprächspaare zusammen. Wie auf Knopfdruck sprudeln die Anekdoten aus den Zeitzeugen heraus. Am Ende reichen zehn Minuten bei weitem nicht aus.

„Es gibt so viel zu erzählen aus dieser Zeit, viel Negatives, aber auch viel Positives“, sagt ein Teilnehmer. Der offizielle Teil des Abends endet mit Live-Musik von Kevin Bade am Saxophon und einem Treuenbrietzener Schüler am Klavier. Danach setzen viele Gesprächspartner dort an, wo sie zuvor aufgehört hatten.

Von Hannah Rüdiger

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