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Potsdam-Mittelmark Über viele Brücken zum Traumjob
Lokales Potsdam-Mittelmark Über viele Brücken zum Traumjob
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15:42 26.02.2018
Tom (18) ist in Werder zur Schule gegangen und bereitet sich nun auf seine Ausbildung vor.   Quelle: Luise Fröhlich
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Werder/Potsdam

 Tom kommt seinem Traumjob langsam näher. Der 18-Jährige hat viele Berufe und Branchen probiert, fand Holzarbeiten interessant, aber auch das Kochen hat ihm Spaß gemacht. Mittlerweile steht fest: Der Potsdamer, der die „Schule am Plessower See“ in Werder besucht hat, will Lagerist werden. „Der Kochberuf ist zwar schön, wäre aber nichts, was ich mir fürs Leben vorstellen könnte“, sagt er. Derzeit durchläuft Tom eine Vorbereitung für seine Ausbildung im Oberlin-Berufsbildungswerk in der Steinstraße in Potsdam. Dort hat er, wie viele andere Werderaner Förderschüler, bereits einige Stationen in der Schulzeit hinter sich gebracht. Das Berufsbildungswerk und die Schule arbeiten schon seit Jahren zusammen. Gerade absolvieren zehn Achtklässler ein berufsvorbereitendes Praktikum in den Werkstätten, finanziert über das Förderprogramm „Initiative Sekundarstufe I (INISEK I)“.

Förderschüler aus Werder absolvieren ein Praktikum im Oberlin-Berufsbildungswerk Potsdam. Quelle: Luise Fröhlich

Sie lernen drei verschiedene Berufsfelder an jeweils drei Tagen kennen. Am zehnten Tag folgt eine Auswertung mit individuellen Gesprächen, wie Ausbilderin und Projektleiterin Sabine Schubert berichtet. Am Donnerstag waren die Schüler im Bereich Druck und Medien bei Werkstattleiterin Kirstin Sieling zu Gast und haben an einem Memory-Spiel gebastelt. „Das ist eine Übungsaufgabe aus dem ersten Lehrjahr eines Mediengestalters. Zuerst müssen sie 14 Bilder ordentlich ausmalen, das strengt sie schon an“, erzählt die Buchbindemeisterin. Am Ende der drei Tage kann sie erkennen, ob Potenzial vorhanden ist und ob es eher in Richtung Drucker oder Mediengestalter gehen kann. „Durch die praktische Arbeit lernen die Schüler, dass Fehler Konsequenzen haben. Wenn sie was falsch ausmalen, müssen sie es neu machen“, so Kirstin Sieling weiter. Gideon und Bennett fühlen sich beim Ausmalen der Kästchen nicht ganz in ihrem Element. „Ich will Eisenbahner werden. Mein Onkel hat das auch gemacht“, sagt Gideon, der in seiner Freizeit gerne Züge fotografiert.

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Die meisten Schülerfirmen gibt es in Brandenburg

Die erste Station der Förderschüler im Oberlin-Berufsbildungswerk war Wirtschaft und Verwaltung, die Sabine Schubert leitet. Sie stellt zuerst die verschiedenen möglichen Berufe vor, gibt dann Recherche-Aufgaben und lässt die Jugendlichen mit den gängigen Computerprogrammen wie Excel oder Word arbeiten. Weitere Bereiche, in die die Schüler reinschnuppern sind Ernährung und Hauswirtschaft, Holz und Metall. In der 9. Klasse werden einige über das ganze Jahr verteilt einmal wöchentlich nach Potsdam kommen und in einen fest zugeteilten Berufsbereich gehen.

Vermittler zwischen dem Berufsbildungswerk und der Schule ist der Regionalpartner „kobra.net“. Projektleiter Markus Wicke zufolge wird das Programm gut angenommen. Fast alle staatlichen Schulen Brandenburgs sind dabei. „Für die Kinder fühlt es sich nicht wie Unterricht an, aber sie merken, dass das, was sie in der Schule machen, wirklich Sinn hat“, erklärt er. Sie erkennen, dass Berufe und Chancen hinter einem Schulabschluss stecken. Gerade für Schüler mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ sei das eine gute Motivation. Im Bereich Hauswirtschaft und Ernährung, in dem die Schüler kochen, backen, Eis herstellen, nähen und an die Wäschemangel dürfen, sieht Markus Wicke gute Perspektiven für Schüler mit Förderschwerpunkten, einen Job zu finden. Fachkräftemangel treibe die Gastrobranche immer mehr um.

An der Schule am Plessower See nimmer Berufsvorbereitung auch abgesehen von den Praktika viel Raum ein. Nennenswert sind dabei die Schülerfirmen, in denen Acht- bis Zehntklässler spielerisch lernen, wie ein Unternehmen funktioniert. Ebenfalls von „INISEK“ finanziert wird die Firma „Küche und Profi“ von Koch Marco Verleih und „Handwerkskunst“ von Textildesignerin Kathrin Thiele – mit Erfolg. „Brandenburg hat tatsächlich die meisten Schülerfirmen in ganz Deutschland“, so Markus Wicke.

Von Luise Fröhlich

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