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Potsdam-Mittelmark Unterschriften gegen Feuerwehr-Standort
Lokales Potsdam-Mittelmark Unterschriften gegen Feuerwehr-Standort
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01:00 21.04.2018
Petra Nippolt (links) und Ines Uebe übergeben Listen mit den Protestunterschriften an Bürgermeister Roland Leisegang.     Quelle: Christiane Sommer
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Bad Belzig

Der Protest gegen den von der Stadt Bad Belzig erwogenen Standort für das neue Feuerwehrhaus verschärft sich. „Wir hätten nie gedacht, dass wir jemals eine Unterschriftensammlung starten würden“, sagen Ines und Andreas Uebe sowie Petra Nippolt aus Bad Belzig. In einem dicken Briefumschlag haben sie jetzt das Ergebnis ihrer Protestaktion ins Rathaus getragen. 2,7 Zentimeter misst der Stapel Papier, der stellvertretend für 1092 gesetzte Unterschriften gegen das Vorhaben steht. Er liegt nun auf dem Schreibtisch von Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos). Gut vier Wochen lang lagen die Unterschriftenlisten an verschiedenen Orten im Stadtgebiet aus. Die Einwohner waren aufgerufen, sich gegen eine Bebauung des historischen Turnplatzes auszusprechen.

Dass zu den Unterzeichnern der Petition nicht nur Anwohner des Turnplatzes an der Brandenburger Straße gehören, freut die Initiatoren besonders. Nach ihrer Aussage haben sich Bürger aus dem gesamten Stadtgebiet und aus Ortsteilen eingetragen. „Die Aktion war für mich eine vollkommen neue Erfahrung“, sagt Ines Uebe. „Wir wollen, dass der Platz so erhalten bleibt, wie er ist“, ergänzt Petra Nippolt.

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Das Gerätehaus der FFW Bad Belzig an der Niemöllerstraße ist zu klein geworden.           Quelle: Thomas Wachs

Der Verwaltungschef nahm den Papierstapel mit lächelndem Gesicht entgegen. „Wir reden viel über Bürgerbeteiligung und wollen sie haben“, sagt Roland Leisegang. „Unterschriftensammlungen sind eine Form davon und zugleich ein Zeichen an die Stadtverordneten“, sagt er. Die 1092 Unterschriften sollen den Abgeordneten vor der endgültigen Entscheidung über den Feuerwehrstandort zur Hand gegeben werden. Ob sie den von den Initiatoren erhofften Einfluss haben, bleibt abzuwarten. Denn nach wie vor habe der Standort am Turnplatz erste Priorität. Das zumindest ist das Ergebnis der Beratung der Arbeitsgruppe „Feuerwehr“, die vor Jahresfrist letztmals tagte.

Weitere Grundstücke im Blick

Für ein geeignetes Grundstück am Papendorfer Weg signalisierte der Landkreis Potsdam-Mittelmark Verkaufsbereitschaft. Eine Baugrund- und Altlastenuntersuchung wäre erforderlich.

Das Bauhof-Grundstück an der Karl-Liebknecht-Straße und ein sich anschließendes Grundstück wären ebenfalls geeignet. Es könnte durch die Stadt erworben werden. Eine Untersuchung ist auch dort nötig.

Eine Bebauung des Grundstücks in der Brandenburger Straße neben dem Edeka-Markt wäre ebenso möglich. Problematisch ist dort das Höhenniveau. Das Gerätehaus müsste in die Höhe gebaut werden. Gespräche mit dem Eigentümer wurden noch nicht geführt.

Weitere Grundstücke, die erwogen wurden, können aus den verschiedensten Gründen nicht genutzt werden.

Die Gruppe war durch die Stadtverordnetenversammlung beauftragt, zehn Standorte mit einer Fläche von mindestens 5000 Quadratmeter Größe zu diskutieren. Im Ergebnis der Gesprächsrunde, an der Vertreter der Stadtverwaltung mit Bürgermeister Leisegang an der Spitze, der örtlichen Feuerwehr und Stadtverordnete teilnahmen, favorisierte das Gremium zudem das unbebaute Areal an der Brandenburger Straße neben dem Mischfutterwerk als bestmögliche Alternative für den Turnplatz.

Alternativen werden geprüft

Dieses Grundstück, das nicht der Stadt gehört, könnte erworben werden. Beide Eigentümer würden Leisegang zufolge verkaufen, so dass die Verwaltung bereits ein Baugrundgutachten in Auftrag gegeben hat. 15 000 Euro werden in die Erarbeitung des Papiers investiert. Es soll klären, mit welchem finanziellen Aufwand eine Bebauung des sumpfigen Geländes möglich ist. Die Kosten der Untersuchung betreffend, sagte Leisegang: „Das ist es uns wert“. Das Ergebnis der Bodenproben – die letzten wurden am Mittwoch genommen – steht indes noch aus. Liegen die Unterlagen vor, beginnen die Rechenspiele. „Theoretisch kann man überall bauen. Es ist allein eine Frage des finanziellen Aufwandes“, sagt der Bürgermeister mit Blick auf die schwierige Haushaltslage der Stadt. Gleichzeitig erinnert er an die zusätzlichen Kosten durch den Erwerb privater Flächen. Aktuell sind 4,2 Millionen Euro für den Neubau veranschlagt, wenn diese auf städtischem Grund gebaut wird.

Noch im Januar soll die Arbeitsgruppe „Feuerwehr“ abermals tagen. Auf dem Tisch liegen werden dann neben der Unterschriftensammlung auch die Ergebnisse der Untersuchungen. Danach ist eine weitere Informationsrunde für die Anwohner des Turnplatzes geplant. Das letzte Wort über die Standortfrage soll am 26. Februar in der Stadtverordnetenversammlung fallen. Dass bis dahin weitere in Frage kommende Grundstücke (siehe Infokasten) untersucht werden, erscheint den Akteuren mit Blick auf das Zeitfenster derzeit aussichtslos.

Von Christiane Sommer

26.01.2018