Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Urlaubssperre für fleißige Handwerker
Lokales Potsdam-Mittelmark Urlaubssperre für fleißige Handwerker
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:36 29.12.2016
Bernd Liebe (re.) und Gerrit Nähring gehören zum Malerteam des Treuenbrietzener Krankenhauses. Sie verlegen einen neuen Fußbodenbelag  im Speiseraum der Rheuma-Station.
Bernd Liebe (re.) und Gerrit Nähring gehören zum Malerteam des Treuenbrietzener Krankenhauses. Sie verlegen einen neuen Fußbodenbelag im Speiseraum der Rheuma-Station. Quelle: Thomas Wachs
Anzeige
Treuenbrietzen

Weihnachten und Silvester im Krankenhaus? So Patienten es sich aussuchen können, meiden sie solche Termine für planbare Behandlungen allgemein natürlich. Entsprechend bleibt das eine oder andere Klinikbett in der Zeit „zwischen den Jahren“ unbelegt. Dann schlägt die Stunde der Handwerker.

So auch im Johanniter-Krankenhaus in Treuenbrietzen. Hochbetrieb und Urlaubssperre statt Besinnlichkeit prägt für die Techniker und Handwerker des Hauses stets die Zeit zwischen den Feiertagen. „Das kennen die Kollegen schon“, sagt Andreas Ruhle, der technische Leiter des Krankenhauses. Schon am Freitag vor Weihnachten greift diesmal sein Plan. Eine gesamte Station sowie eine Tagesklinik werden ausgeräumt. Möbelrücken ist auch im Speiseraum der Station 1 in der Klinik für Rheumatologie angesagt. Weil auch deren Patienten die Weihnachtspause genießen, verlegen Bernd Liebe und Gerrit Nähring vom Malerteam der Kliniken in den Tagen flink einen neuen Fußbodenbelag im Speiseraum.

Pflegeteam für tausende Quadratmeter

Die Gebäude des Krankenhauses Treuenbrietzen verfügen insgesamt über eine Brutto-Geschossfläche von rund 40 000 Quadratmetern.

Zum Team der Technik- und Bauabteilung der Johanniter-Kliniken gehören insgesamt 14 Mitarbeiter.

Davon sind vier Kollegen für den laufenden Betrieb und die Pflege von Grünanlagen zuständig. Sechs Handwerker sind als Maler, Tischler und Maurer beschäftigt.

Zur Leitung der Bau- und Technikabteilung zählen vier Experten.

Alles muss Hand in Hand und strikt nach Plan gehen. Denn schon am 2. Januar herrscht wieder der übliche Hochbetrieb auf allen Stationen des Hauses. „Da muss alles wieder an der richtigen Stelle sein und wie gewohnt funktionieren“, sagt Ruhle.

Damit dieses Ziel aufgeht, bringen er und seine Kollegen in der Zwischenzeit einiges in Bewegung. Dann werden Fußböden renoviert, Malerarbeiten erledigt, Technik überprüft und allgemein viele kleine Dinge erledigt, die im Dauerbetrieb eines Krankenhauses sonst kaum möglich sind. Zuvor werden Stationen vorübergehend zusammengelegt und ganze Bereiche aus- und kurz darauf wieder eingeräumt. Diesmal gab es diese ideale Arbeitsfreiheit für die Handwerker auf der Station 10/11.

Technik-Chef Andreas Ruhle koordiniert die Renovierungsarbeiten zwischen den Feiertagen. Manches Dienstzimmer wird dabei kurz auch mal zum Abstellraum. Quelle: Thomas Wachs

Dort werden 45 Betten hin und her bewegt sowie Behandlungsräume und Büros der Ärzte ebenso ausgeräumt wie die Dienstzimmer des Pflegepersonals. „Denn mindestes einmal im Jahr sollte jeder Fußbodenbelag eigentlich eine frische Schutzschicht bekommen“, erklärt Andreas Ruhle. Alle zwei bis drei Jahre ist eine komplette Grundreinigung fällig. Dann rücken zusätzlich zu den Haushandwerkern auch externe Firmen an. „Doch längst nicht immer haben wir dafür einen ganzen Bereich frei, der für Fußbodenarbeiten zeitweise ja nicht betreten werden kann“, erzählt Andreas Ruhle. Besonders knifflig wird das Renovierungskonzept auf Fluren, die ja auch Fluchtwege sind.

Lebenswichtige Geräte am Netz

Über die ungestörte Arbeitsfreiheit freut sich auch Hardy Pätzhold. Der Elektriker des Hauses prüft in der Zeit sämtliche 210 Stromkreise der kurzzeitig stillgelegten Station. „Im normalen Betrieb ist das gar nicht denkbar, immerhin hängen hier sonst überall auch lebenswichtige Geräte dran. Abschalten kann ich da sonst nichts“, erzählt Hardy Pätzhold.

Krankenhaus-Elektriker Hardy Pätzhold prüft sämtliche Stromkreise einer vorübergehend stillgelegten Station. Quelle: Thomas Wachs

„Diesmal hatten wir durch die Lage der Feiertage für alle diese Arbeiten ja wenigstens mal vier Tage Zeit“, sagt Andreas Ruhle. Das war in Vorjahren auch schon anders. „Da mussten wir auch das Wochenende nutzen und manche Malerfirma auch schon mal bis in die Nacht arbeiten“, erzählt der Cheftechniker. Ohnehin steht immer erst wenige Tage vor Weihnachten und Neujahr fest, welche Zimmer und Bereiche überhaupt für kurze Zeit entbehrlich sind.

Wirbel zwischen den Feiertagen

„Die Versorgung der Patienten steht immer im Mittelpunkt“, sagt Siegrun Böttcher, die kaufmännische Leiterin und Prokuristin der Treuenbrietzener Kliniken. Da es sich dort jedoch nicht um ein Krankenhaus der Akutversorgung, sondern um Spezialabteilungen für Lungenerkrankungen, Rheumatologie, Orthopädie und Psychiatrie sowie dazugehörige Tageskliniken handelt, lassen sich bestimmte Behandlungen auch mal planen. „Zu Weihnachten geht es dann ein paar Tage etwas ruhiger zu“, erklärt die Vertreterin der Geschäftsführung. „Doch erst wenn alle Voranmeldungen für Behandlungen ausgewertet sind, können wir immer erst ganz kurz vor Weihnachten entscheiden, welche Bereiche die Handwerker für Renovierungen in Angriff nehmen können“, sagt Siegrun Böttcher.

Platz muss her für die Renovierungsarbeiten: Tina Unger und Daniel Müller bugsieren Schränke und Betten umher. Quelle: Thomas Wachs

Unterdessen läuft der Plan von Andreas Ruhle schon wieder rückwärts. Die ersten Räume sind fertig. Tina Unger und Daniel Müller, die ansonsten hauptsächlich für die Pflege der Grünanlagen, des Klinik-Parkes sowie der Waldbereiche zuständig sind, bugsieren Betten und Schränke zurück an ihren angestammten Platz. Wenn am Montag dann wieder Patienten und das Personal die Räume zurück erobern, wird nur der frisch versiegelte und hell glänzende Fußboden davon künden, welcher Wirbel zwischen den Feiertagen auf dieser Station des Krankenhauses herrschte.

Von Thomas Wachs