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Potsdam-Mittelmark Hochansteckende Krankheit: Hasenpest-Verdacht in Potsdam und Königs Wusterhausen
Lokales Potsdam-Mittelmark Hochansteckende Krankheit: Hasenpest-Verdacht in Potsdam und Königs Wusterhausen
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00:24 20.05.2019
So sollte ein gesunder Biber aussehen. Dem armen Tier in Königs Wusterhausen ging es leider deutlich schlechter. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Potsdam/Königs Wusterhausen

Es ist ein mysteriöser Fall, der die Potsdamer Tierrettung derzeit beschäftigt – und ein sehr gefährlicher. Am Mittwoch wurde den ehrenamtlichen Helfern des Tierschutzvereins ein Überwachungsvideo zugespielt, das in einem Königs Wusterhausener Gewerbegebiet aufgenommen wurde. Zu sehen ist ein Transporter, der anfährt, hält, einen Biber freilässt und dann das Weite sucht. Ein Pförtner beobachtete den seltsamen Vorgang und informierte die Tierrettung aus Potsdam, die sich des Tieres annahm. Das Brisante: Der Biber war möglicherweise an Tularämi (auch Hasenpest genannt) erkrankt – eine Infektion, die auch für Menschen tödlich enden kann.

Die Mitarbeiter der Tierrettung Potsdam brachten den Biber in die Mobile Tierarztpraxis Potsdam und Umgebung nach Geltow, die Untersuchung übernahm Veterinär Gordon Ebeling. „Der Biber wies sehr typische Symptome für Tularämie auf“, berichtet er, „er rang nach Luft, die Nase war mit Eiter verklebt, der Rachenraum entzündet, die Kopflymphknoten geschwollen, teilweise aufgeplatzt.“ Eine Rettung sei hoffnungslos gewesen. Nach Absprache mit dem Veterinäramt Potsdam-Mittelmark betäubte Ebeling den Biber und schläferte ihn am Donnerstag ein.

Ein Mitarbeiter der Tierarztpraxis betäubt den Biber. Zum Selbstschutz trägt der Mann eine Atemmaske und einen Schutzanzug. Quelle: privat

Ob das Tier tatsächlich an der Hasenpest erkrankt war, untersuchen nun die Experten im Landeslabor Berlin-Brandenburg. „Das Ergebnis liegt voraussichtlich am 21. Mai vor“, sagt der Pressesprecher. In Brandenburg seien zuletzt 2015 zwei Krankheitsfälle bei Wildtieren festgestellt worden. Fälle beim Menschen seien dem Verbraucherschutzministerium nicht bekannt.

In den meisten Fällen tritt die Krankheit bei wilden Nagetieren auf, im Verlauf ähnelt sie der echten Pest. Sie wird durch Bakterien ausgelöst, verläuft oft tödlich – und kann vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Dafür genügt mitunter schon das Berühren eines infizierten Tieres. Die Mitarbeiter der Tierrettung Potsdam sind in der Notaufnahme des Ernst von Bergmann-Klinikums behandelt worden. „Grundsätzlich erhalten Patienten bei Verdacht auf Kontakt mit einem infizierten Tier eine prophylaktische, 14-tägige Antibiotikabehandlung“, sagt eine Klinik-Sprecherin. Und Ronja Schäpan von der Tierrettung beruhigt: „Unseren beiden Mitarbeitern geht es gut.“

Nachgewiesene Fälle bei Jägern in Bayern

Ist die Krankheit bei Mensch oder Tier nachgewiesen worden, muss der Fall dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden. In Potsdam sind laut Pressesprecher in den vergangenen Jahren keine Fälle gemeldet worden, bundesweit kommt es aber immer wieder zu Krankheitsfällen, außerdem geht das Robert-Koch-Institut von einer hohen Dunkelziffer aus. Nachweislich haben sich im November 2018 mehrere Menschen nach einer Treibjagd im bayrischen Nabburg mit dem Erreger infiziert.

Die Symptome ähneln einer schweren Grippe, ohne rechtzeitige Behandlung stirbt ein Drittel der menschlichen Patienten. Tiere versterben meist binnen weniger Tage. Das Berliner Robert-Koch-Institut ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung zur Krankheitsüberwachung und -prävention und empfiehlt, potenziell infizierte Menschen zwei Wochen lang engmaschig zu beobachten, sollte Fieber auftreten, muss sofort mit der Antibiotika-Gabe begonnen werden.

Das kranke Tier konnte nicht mehr gerettet werden und wurde mit Einverständnis des Veterinäramtes eingeschläfert. Quelle: Mobile Tierarztprais

Nun wird der Fahrer des Transporters dringend aufgefordert, sich bei der nächsten Polizeidienststelle zu melden und sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Warum er den Biber ausgesetzt hat, bleibt ein Rätsel. „Möglicherweise hat er das kranke Tier gefunden und wollte helfen“, vermutet Tierarzt Gordon Ebeling. „Es gibt Menschen, die Biber als Haustiere halten. Vielleicht wollte sich derjenige des Problems eines kranken Tieres entledigen..“ Immerhin: Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung der Hasenpest ist bislang nicht bekannt.

Von Saskia Kirf und Anna Sprockhoff

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