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Potsdam-Mittelmark Viele Veränderungen auf dem Bau
Lokales Potsdam-Mittelmark Viele Veränderungen auf dem Bau
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00:20 27.08.2017
Uwe Ahrens (63) verbringt am liebsten Zeit auf dem Bau. Als Geschäftsführer gehört aber auch das Büro fest zu seiner Arbeit.
Uwe Ahrens (63) verbringt am liebsten Zeit auf dem Bau. Als Geschäftsführer gehört aber auch das Büro fest zu seiner Arbeit.  Quelle: Victoria Barnack
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Kleinmachnow

 Uwe Ahrens jammert nicht über die Zeit nach der Wende. Für viele Handwerker war sie schwierig. Uwe Ahrens hat sie genossen. Nicht nur weil seine Auftragsbücher voll waren. „Die eigene Firma nach und nach aufzubauen und sie wachsen zu sehen, das ist das Schönste“, sagt der Bauingenieur. Vor 30 Jahren machte er sich selbstständig, obwohl das in der DDR nicht einfach war. Zehn Jahre hatte er nach dem Studienabschluss gewartet. Weil es in der DDR keine Betriebe gab, die Kleinstreparaturen durchführten, wurden schließlich neue Firmen zugelassen. 1987 nutzte der gebürtige Hohen Neuendorfer die Chance. „Ich habe die Situation beim Schopfe gepackt und als Ein-Mann-Betrieb angefangen“, sagt er. Langsam wuchs sein Betrieb auf vier Mitarbeiter heran. „Der Anfang war die beste Zeit“, erinnert sich Uwe Ahrens. Auf dem Bau selbst mit anzupacken, gefällt ihm noch heute.

Zum Bauingenieur wurde Uwe Ahrens durch seinen Vater, der in derselben Branche tätig war. „Eigentlich wollte ich Elektromechaniker werden“, sagt er, „direkt nebenan, das schien mit 16 am einfachsten.“ Sein Vater fuhr dennoch mit ihm nach Potsdam und brachte ihn bei einer großen Baufirma unter. Dort lernte Ahrens den Beruf des Baufacharbeiters, der heute in mehrere Ausbildungsberufe unterteilt ist. „Maurer, Eisenflechter, Holzarbeiter: Wir haben alles gemacht und das war auch gut so“, sagt er.

„Ein guter Handwerker muss auch ein guter Geschäftsmann sein.“

Nach der Lehre kam die Wehrpflicht, danach das Studium und ein paar Jahre als Angestellter, später dann die Selbstständigkeit und irgendwann die Wende. Die „goldene Zeit“ nennt sie seine Frau, die Uwe Ahrens im Studium kennenlernte. 1995 kaufte er das Grundstück in Kleinmachnow, auf dem sich heute das Büro der Baufirma befindet. Außerdem wohnen mehrere Familien dort zur Miete. In Stahnsdorf haben sie zusätzlich ein Lager, das mit Bürocontainern aufgestockt werden musste, als Uwe Ahrens in den 1990ern bis zu 20 Angestellte hatte. „Ein guter Handwerker muss eben auch ein guter Geschäftsmann sein“, sagt er. Gewinne, die die Firma erwirtschaftete, hat er nie in teure Autos gesteckt sondern angelegt und in rentable Immobilien verwandelt. „Als Selbstständiger muss ich mich absichern“, erklärt er. Uwe Ahrens denkt dabei auch seine Angestellten. In den 30 Jahren seiner Selbstständigkeit habe er nie verspätet Löhne ausgezahlt.

Wie die eigene Baufirma hingegen nicht funktioniert, hat Uwe Ahrens bei zahlreichen Kollegen aus der Branche gelernt. Seine wichtigste Lektion: „Kapital ansammeln und bloß keine Schulden machen“, sagt er. Mit den anderen Bauunternehmern der Potsdamer Innung spricht er regelmäßig über Problemthemen. Die meisten Geschäftsführer sind in seinem Alter. „Unser größtes Problem ist, dass keine neuen Betriebe in die Baugewerks-Innung eintreten“, sagt Ahrens. Zwei Jahre ist es her, dass sie Zuwachs verzeichnen konnten. Die Tendenz ist negativ.

Das innungsweite Problem setzt sich in den einzelnen Betrieben fort und hört in der Ebene der Geschäftsführung nicht auf. 2000 wurde Ahrens zum Lehrlingswart und verfolgt die Entwicklung in der Baubranche seitdem ganz genau. Er selbst bildet seit mehreren Jahren nicht mehr aus. Schlechter seien die Azubis heute nicht, sagt er, „aber früher konnten wir 80 Maurer ausbilden, heute nur noch fünf.“ Für die deutsche Baubranche sieht er deshalb keine guten Zeiten kommen. Der Mindestlohn mache vielen Betrieben zu schaffen. „Irgendwann werden wohl nur noch günstigere, ausländische Arbeiter auf dem Bau tätig sein“, sagt er.

Ahrens selbst verlässt sich bis zur Rente in zwei Jahren auf fünf feste Mitarbeiter. Fast alle sind seit 20 Jahren bei ihm angestellt. Einen Nachfolger für den Betrieb zu finden, liegt ihm deshalb am Herzen. Auch das ist eines der Probleme, mit dem zahlreiche Handwerker zu kämpfen haben. „Es ist schwer, jemanden zu finden, dem man sein Unternehmen anvertraut“, erklärt er, „aber irgendwann muss für mich Schluss sein.“ Wenn es soweit ist, will sich der Bauingenieur seinen Hobbys widmen: Fußball, Reisen und die Enkelkinder.

Die Potsdamer Baugewerks-Innung

Im Jahr 1734 wurde die Potsdamer Baugewerks-Innung gegründet. Mit mehr als 280 Jahren Tradition gehört sie zu den ältesten Innungen der Stadt und des Umlands. Sie ist Mitglied im Landesinnungsverbandes des Brandeburgischen Bauhandwerks. Heute sind 30 Bauunternehmen Mitglied.

Die Innung vertritt gemeinsame Interessen aller Mitgliedsbetriebe, beispielsweise gegenüber dem Gesetzgeber und verschiedenen Behörden. Sie koordiniert außerdem das Gesellenprüfungs- und Meisterprüfungswesens.

Bei Streitigkeiten vermittel die Innung zwischen Ausbildern und Lehrlingen oder Berufsschulen ebenso wie zwischen ihren Mitgliedern und deren Auftraggebern.

Von Victoria Barnack

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