Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Vogel des Jahres: Der Waldkauz ist wehrhaft
Lokales Potsdam-Mittelmark Vogel des Jahres: Der Waldkauz ist wehrhaft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:55 28.03.2017
Der Waldkauz ist durch sein grau-braunes Federkleid perfekt getarnt, wenn er auf Bäumen nach Beute Ausschau hält. Quelle: Nabu Peter Kuehn
Lehnin/Krahne

An den 29. Mai vor 19 Jahren kann sich Gerke Pachali noch genau erinnern, wenn auch mit leichtem Unbehagen. Es war der Abend, an dem der damalige Krahner Pfarrer einen Angriff vom derzeitigen Vogel des Jahres, einem Waldkauz, erlebte. Der Pfarrer war vor seinem Haus in Krahne spazieren gegangen, als er offenbar dem Nest eines brütenden Waldkauz-Weibchen zu nahe kam. „Es war ein schöner Frühlingsabend. Plötzlich flog mich der Waldkauz von hinten an und fügte mir blutige Striemen an Hals und auf den Schultern zu.“

Für Bodo Rudolph, Vorsitzender des Nabu-Regionalverbandes Brandenburg an der Havel, ist attackierende Waldkauz nicht übergeschnappt, verhaltensauffällig oder Hitchcocks Thriller „Die Vögel“ entfolgen. „Der Waldkauz ist ein durchaus wehrhafter Vogel“, sagt Rudolph, der an diesem regnerischen Abend am Lehniner Waldfriedhof einen Baum zeigt, der über Jahre der Brutplatz eines Waldkauzes war. Heute liegt der Stamm gefällt am Boden. Am Friedhof mit seiner offenen Fläche und der guten Sichtbarkeit der Beutetiere fühle sich der Waldkauz wohl, begründet Rudolph die Auswahl dieses Ortes.

Nabu-Regionalleiter Bodo Rudolph ist ein ausgewiesener Vogelexperte und hält zum Waldkauz, dem Vogel des Jahres, auch Vorträge. Quelle: Marion von Imhoff

Auf fünf bis zehn Paare schätzt der Vogelkenner den Bestand an der Eulenart rund um Lehnin. In der Region rund um Brandenburg dürften 20 bis 30 Brutpaare leben. „Der Waldkauz steht als Beispiel für alle Eulenarten“, begründet Rudolph die Ernennung des Tieres zur Vogelart des Jahres. Es gebe durchaus andere Vögel, denen es nicht so gut gehe wie dieser Eulenart. Das wäre die Schleiereule oder die Waldeule, deren Nahrung Mäuse knapp geworden ist. So spezialisiert ist der Waldkauz nicht. Er schlägt neben Mäusen auch Kaninchen, Frösche, Kröten und Eichhörnchen, selbst Vögel erbeutet er und ist auch Würmern und Käfern nicht abgeneigt.

„Der Waldkauz aber ist den meisten Menschen bekannt, weil er gut zu sehen ist, wenn er auf Friedhöfen oder in Parkanlagen auf Bäumen sitzt“, begründet Rudolph die Kür des Waldkauzes zum Vogel des Jahres. Das Huhuhu des Tieres, vor allem wenn er auf Freiersfüßen wandelt, geht nachts über Stunden. Für nicht wenige Menschen klingt dieses Eulengeheule nahezu gruselig.

Waldkauz ist Vogel des Jahres 2017

Die Verbreitung von Waldkäuzen im Ruhrgebiet ist größer als im relativ beschaulichen Brandenburg. Dieses Ergebnis überrascht, ist aber aus allen Statistiken abzulesen.

Weltweit leben nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu eine Million Brutpaare. Der Bestand gilt als nicht gefährdet. Den Vogel des Jahres küren der Nabu und der Landesbund für Vogelschutz seit 1971.

Der Waldkauz fühlt sich in lichten Mischwäldern und Parks wohl. „Suche Revier mit 30 Hektar Größe für Familiengründung mit alten Höhlenbäumen, Ansitzwarten, Verstecken und ganzjährig leicht zu erreichender Nahrung, so könnte laut Nabu eine Wohnungsanzeige des Waldkauzes lauten.

Hohe Bäume sind beliebte Sitzwarten für das nachtaktive Tier, das erst bei Dämmerung mit der Jagd beginnt. Der Waldkauz hat einiges mit dem Menschen gemein, die Augenstellung etwa. „Er hat parallelsehende Augen wie wir.“ Dafür kann er mit seinem Hals fast einen Rundumblick wagen. Der Wendehals hat eine Drehwinkel von 270 Grad. Andere Vögel haben ihre Augen seitlich.

An Sehkraft freilich ist der Waldkauz dem Menschen überlegen und fast so gut wie ein Adler. Bekannt ist der lautlose Flug des wendigen Fliegers. Warum kein Flügelschlag zu vernehmen ist und deswegen auch Gerke Pachali damals, 1998, von dem sich nähernden Waldkauz völlig überrumpelt wurde, erklärt Rudolph auf zwei Weisen. Zum einen solle das Beutetier vom Flügelschlag des Angreifers nicht gewarnt werden. Zudem würde sich der Raubvogel durch seinen Flügelschlag in der Konzentration selbst beeinträchtigen. „Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte.“

Vor dem Waldfriedhof, nahe dem Willibald-Alexis-Denkmal, ragt ein wuchtiger Baumstamm ohne Krone in den Regenhimmel. Er bietet mit Bruthöhlen und Nistplätzen Waldkäuzen ideale Bedingungen. „Solche Bäume stehen zu lassen, ist wichtig für die Natur, aber natürlich eine Gratwanderung bezüglich der Verkehrssicherungspflicht, wenn sie an Wegen stehen“, sagt Rudolph. Mit dem Vogel des Jahres soll für den Erhalt alter Bäume geworben werden. Der Nabu-Regionalchef betont auch die Bedeutung von Friedhöfen für Vögel. Rotkehlchen und Wiesenvögel würden das Gelände bevorzugen. Beginnen Singvögel dort ein Zetern, kann das eine Warnung vor einem Waldkauz sein.

Von Marion von Imhoff

Es ist eine Gesangsgemeinschaft auf Zeit: 2012 rief Kantor Thorsten Fabrizi erstmalig Laiensänger zur Mitarbeit in einem Projektchor auf. Inzwischen sind die jährlichen Aufführungen aus dem Kulturleben im Kirchenkreis Elbe-Fläming nicht mehr wegzudenken. An diesem Sonnabend gibt es mit dem Passions-Oratorium von Carl Loewe in Ziesar eine neue Premiere.

31.03.2017

25 Leser laufen für die MAZ um die Wette. Sie sind mit Schrittzählern ausgestattet und fordern einen Profisportler heraus. Wir stellen einige Teilnehmer vor. Heute: Nike Kluge, sie ist mit 13 Jahren die jüngste Teilnehmerin. Dass sie bereits mehr Schritte als der Profi zurückgelegt hat, verwundert nicht, denn die 13-Jährige hat bereits sportliche Erfolge gefeiert.

28.03.2017

Die Sanierung der Kirche in Lühnsdorf (Potsdam-Mittelmark) ist abgeschlossen. Wahrscheinlich war es sogar ihre Rettung, denn der Turm war in großer Einsturzgefahr. Das hat nicht nur die Christen vor Ort in Bewegung gebracht.

28.03.2017