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Potsdam-Mittelmark Vollsperrung rückt näher
Lokales Potsdam-Mittelmark Vollsperrung rückt näher
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15:14 07.09.2018
In wenigen Tagen beginnt der Ausbau der Lehniner Ortsdurchfahrt aus Richtung Michelsdorf kommend.
In wenigen Tagen beginnt der Ausbau der Lehniner Ortsdurchfahrt aus Richtung Michelsdorf kommend. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Lehnin

In der Nachbargemeinde Golzow hat Bürgermeister Ralf Werner seine Abgeordneten schon mal auf das erwartete Szenario eingestimmt: „Wir müssen mit deutlich mehr Lkw-Verkehr rechnen.“ Dieser dürfte insbesondere vom Getränkehersteller Hansa-Heemann aus Lehnin kommen. Das an der Belziger Chaussee ansässige Unternehmen kann schon bald seine Waren nicht mehr auf dem schnellsten Weg zu einem Lager nach Damsdorf transportieren lassen. Auf der Landesstraße 86 beginnen in den nächsten Tagen die Bauarbeiten. Dann ist der Weg zur Autobahnanschlussstelle Netzen gesperrt. Ein großer Umweg über Golzow zur Anschlussstelle Brandenburg ist fällig.

Vier Teilabschnitte

Eine Einwohnerversammlung zum Thema Ausbau der L 86 findet am Montag, 10. September, um 19 Uhr in der Mensa auf dem Schulcampus statt. Der Landesbetrieb Straßenwesen erläutert Details zum Bauablauf. Bürger können Fragen stellen.

Nach bisherigen Informationen soll am 13. September mit der Einrichtung der Baustelle begonnen werden. Start für den 240 Meter langen 1. Teilabschnitt ist rund 60 Meter vor dem Lehniner Ortseingang aus Richtung Michelsdorf.

Der 2. Teilabschnitt beginnt am Kreisverkehr und endet an der Einmündung Lindenstraße. Dort beginnt der 3. Teilabschnitt, der bis zur Bahnhofstraße reicht. Als 4. Teilabschnitt erfolgt eine Fahrbahnsanierung am Kreisverkehr L 88/Kaltenhausen.

Der für September angekündigte Ausbaustart der Lehniner Ortsdurchfahrt bringt wegen Vollsperrungen nicht nur innerörtliche Umleitungen mit sich. Für die gesamte Bauzeit bis Mitte 2020 muss die Region mit einer großräumigen Verkehrslenkung leben, die an der B 102 in Golzow beginnt, nördlich in Richtung Brandenburg verläuft, und auf der L 88 über Prützke zurück nach Lehnin verläuft. Dafür sollen sich am Ende die Straßenverhältnisse für alle Verkehrsteilnehmer verbessern, verspricht der Landesbetrieb Straßenwesen.

Kommune baut mit

Doch nicht nur die Fahrbahn samt Regenentwässerung steht auf dem Bauprogramm. Zwischen Einmündung Lindenstraße und Einmündung Krausestraße will die Kommune Gehwege und Parkbuchten, die sich in ihrer Baulast befinden, erneuern beziehungsweise herstellen lassen. Die Ausführung erfolgt auf diesem 415 Meter langen Teilabschnitt in Betonsteinpflaster. Dafür muss die Kommune knapp 172 000 Euro aus dem Haushalt bereitstellen. Komplett von den Grundstückseigentümern sind die Kosten für die Herstellung der Zufahrten zu tragen, deren Kosten bei etwa 107 000 Euro liegen sollen.

Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner: „Wir sind froh, dass die Ortsdurchfahrt endlich in Angriff genommen wird.“ Quelle: JACQUELINE STEINER

Im Rahmen der Ausschreibung fand sich nur ein einziger Anbieter. Wie explosionsartig sich die Baupreise entwickeln, zeigen die Gesamtausbaukosten, die sich mit drei Millionen Euro nahezu verdoppelt haben. Die Steigerung bleibt nicht ohne Folgen für die Grundstücksbesitzer, die sich mit Anliegerbeiträgen an den Gehwegen und Parkbuchten beteiligen müssen. Diese wurden bereits Anfang August schriftlich über die Kostensteigerungen informiert.

Mit der Verabschiedung eines Baudurchführungsbeschlusses hat die Kloster Lehniner Gemeindevertretung auf ihrer jüngsten Sitzung offiziell grünes Licht für eine Beteiligung an dem Ausbauprojekt gegeben. Allerdings nicht ganz ohne Diskussion. Der Landesbetrieb drängte nämlich auf ein Votum weit vor dem Sitzungstermin. „Wir sind froh, dass der Landesbetrieb die Ortsdurchfahrt nach zehnjähriger Planung endlich in Angriff nimmt. Deshalb habe ich alle Fraktionschefs zur Beratung gebeten, um vorab eine Zustimmung einzuholen. Möglicherweise wäre sonst der gesamte Ausbau gescheitert“, begründete Bürgermeister Uwe Brückner die nachgeholte Beschlussfassung.

Leitungen für Schmutzwasser

Ralf Kähne (CDU) monierte die „mangelnde Kommunikation“. Dieser zeitliche Ablauf habe zu Unmut geführt, so der Gemeindevertreter. Als einziger Abgeordneter enthielt er sich bei der Abstimmung über den Baudurchführungsbeschluss der Stimme. „Wir standen unter Zeitdruck. Ich hoffe, dass es sich um eine einmalige Sache handelt“, meinte dagegen Udo Wernitz von der Fraktion SPD/Freiwillige Feuerwehr/Bürgernähe. Ein Wunsch für den Bürgermeister Brückner keine Garantie abgeben wollte. Als weiterer Partner für den Landesbetrieb Straßenwesen ist der Wasser- und Abwasserzweckverband Werder-Havelland mit im Boot. So werden abschnittsweise neue Schmutzwasserleitungen verlegt.

Von Frank Bürstenbinder