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Potsdam-Mittelmark Vom Alltag im Transitland Serbien
Lokales Potsdam-Mittelmark Vom Alltag im Transitland Serbien
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16:31 17.11.2017
Mit der Hilfsorganisation hat Magdalena Hartung (rechts) täglich Essen für mehrere Hundert Flüchtlinge gekocht und verteilt. Quelle: Robert Altmoser
Bad Belzig

„Es ist schwierig, wieder im Alltag anzukommen, wenn man weiß, wie scheiße es anderen Leuten geht“, sagt Magdalena Hartung. Sie ist Langzeitfreiwillige. Mit ihren 19 Jahren hat die Bad Belzigerin schon mehr gesehen und geleistet als viele andere Menschen in ihrem ganzen Leben. In der serbischen Hauptstadt Belgrad hat sie Geflüchteten geholfen, den Alltag zu bewältigen, Essen gekocht, Kleidung verteilt.

Serbien ist ein Transitland und gehört nicht zur EU“, sagt sie, „viele Flüchtlinge wollen sich dort nicht anmelden, sondern in andere Länder weiterziehen.“ Mehrere Monate verbringen die meisten Geflüchteten dort, seitdem Ungarn eine Mauer an seiner Grenze gebaut hat. Morgens ziehen sie los aus den legalen und illegalen Camps, abends kommen sie wieder, weil Grenzsoldaten sie zurück schicken. „Das geht täglich so“, sagt Magdalena Hartung. Fünf Monate lang war sie in Belgrad.

Fast 1000 Portionen Essen kocht und liefert „BelgrAid“ auch heute noch in Serbiens Flüchtlingslager. Quelle: Almut Renger

„Die Lage dort ist kritisch“, erzählt sie, „Serbien ist ein sehr, sehr armes Land und Essen wird nur an diejenigen verteilt, die Asyl beantragen.“ Im Frühjahr versorgte die 19-Jährige mit 40 anderen Helfern die „Baracken“, das größte illegale Geflüchtetencamp des Balkans. 1500 Männer lebten dort, die meisten unter 30 Jahre alt, viele minderjährig, aus Afghanistan und Pakistan.

Die Helfer brauchen Unterstützung

BelgrAid bedeutet Belgrad-Hilfe und ist eine nichtstaatliche Hilfsorganisation in Serbien.

Um den Menschen in einem der ärmsten Länder Europas helfen zu können, benötigt BelgrAid die Unterstützung von Spendern und Freiwilligen.

Mehr Informationen erhalten Interessierte unter www.youcaring.com/belgraid-797342

Ein paar Eindrücke über die Arbeit dieser Organisation bekommt man auch auf deren Facebook-Seite unter www.facebook.com/belgraid. Auf dieser Seite findet man auch Fotos und kürze Filme.

Im Mai mussten die „Baracken“ evakuiert werden. Sie sollten weichen für ein Projekt der Regierung: 6000 moderne Wohnungen, eine zwei Kilometer lange Shoppingmeile direkt am Wasser, 12 000 Arbeitsplätze, ein Kunst- und Kulturzentrum auf dem neuesten Stand, alles finanziert von einem arabischen Scheich.

1500 Männer lebten in den „Baracken“ in Belgrad, das als größtes illegales Flüchtlingscamp in der Transitregion Balkan im Mai 2017 geräumt wurde. Quelle: Abdoul Saboor

„In den Camps passiert viel Illegales“, berichtet Magdalena Hartung, „aber wir versuchen immer, uns an die Regeln zu halten.“ Treffen mit dem serbischen Kommissariat für Geflüchtete, vergleichbar mit dem deutschen BAMF, waren an der Tagesordnung. Drogen und Gewalt ebenfalls. „Für die Evakuierung haben sie uns 20 Tage Zeit gegeben“, sagt die Bad Belzigerin. Am Ende mussten alle nach drei Tag verschwunden sein.

„Es gingen Listen um, auf denen sich alle mit Namen eintragen sollten“, berichtet Magdalena Hartung. Nur ein Bruchteil der Männer ging in die offiziellen Camps. Wahrscheinlich hätten Schleuser die Listen gekauft, erklärt Hartung.

Die Unterkunft der Freiwilligen abseits der Flüchtlingslager in Belgrad. Quelle: Julia Gaisbacher

Angst hatte die 19-Jährige in den fünf Monaten in Belgrad nie. „Ich war immer sicher“, sagt sie. Die Organisation „BelgrAid“, deren Direktorin Hartung bis August war, hat ein Freiwilligenhaus in der Stadt, in dem alle gemeinsam leben. „Niemand muss ins Camp, der nicht möchte“, erklärt sie. Mahlzeiten zu kochen, ist die Hauptaufgabe der regierungsunabhängigen Gruppe. „Wir verteilen auch Kleidung und Hygienepakete und organisieren Aktivitäten“, erklärt die Bad Belzigerin.

„Aber die Arbeit in den Camps ist die dankbarste“, sagt sie. Viele Bewohner seien offen, erzählten ihre Geschichten. In den „Baracken“ verbrachten die 40 Freiwilligen noch mehr Zeit mit den Flüchtlingen als in den legalen Camps. Abends am Lagerfeuer sei viel Zeit für Gespräche gewesen.

Nicht nur die Versorgung mit täglich frischem Essen übernahm das Team von „BelgrAid“. Für die Flüchtlinge organisierten sie auch Freizeitaktivitäten und bastelten Spiele. Quelle: Almut Renger

„Die Kommunikation ist der Schlüssel, um sich dort sicher zu fühlen“, sagt Magdalena Hartung. Gerade als junge Frau bekäme man auch mal Sprüche zu hören. Darüber zu reden, helfe. „Egal ob jung oder alt, alle haben ein gemeinsames Ziel“, sagt sie.

Auch zurück in ihrer Heimat Deutschland hat Magdalena Hartung dieses Ziel nicht aus den Augen verloren. Im Oktober hat sie ihr Studium zur Sozialen Arbeit in Berlin begonnen und unterstützt währenddessen eine Kleiderkammer in Berlin-Hellersdorf.

Schon während der Schulzeit hatte sie mit Geflüchteten gearbeitet, war sogar einmal in Griechenland in einem Auffanglager und hat dort schnell einen „Einblick erhalten“, wie sie sagt. Drogen, Gewalt, Erpressung: Das alles gibt es nicht nur serbischen Flüchtlingslagern.

Ablenkung: Gemeinsamer Sport hilft Flüchtlingen und Helfern vom Alltag im Transitland zu entspannen. Quelle: Almut Renger

Ihr Entschluss, nach Serbien zu gehen, überraschte unter ihren Freunden und der Familie dennoch niemanden. „Alle unterstützen mich. Einige haben mich sogar in Belgrad besucht“, erzählt sie. Ihre Freiwilligenarbeit in Serbien konnte sie sich als Vorpraktikum für das Studium anrechnen lassen. Abgeschlossen ist das Kapitel Belgrad für Magdalena Hartung aber noch lange nicht. In ein paar Tagen fährt sie wieder mit dem Bus in das EU-Ausland. Denn die Geflüchteten erwartet in Serbien ein harter Winter. „Wir brauchen verdammt dringend Schuhe“, sagt sie. Mit einer Crowdfunding-Aktion wollen sie und ihre Mitstreiter 10 000 Euro sammeln, um 1000 Paar Schuhe zu kaufen. Sachspenden aus Deutschland sind nicht möglich, da Serbien nicht zur EU gehört und die Kosten für den Zoll für den kleinen Verein zu hoch wären.

Von Victoria Barnack

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