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Potsdam-Mittelmark Von der Sonne verwöhnt
Lokales Potsdam-Mittelmark Von der Sonne verwöhnt
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18:27 09.05.2013
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WERDER

. „Die Lage ist einfach genial“, fasst Helmut Lindner vom Weinverein Werder die Bedingungen zusammen, unter denen an Brandenburgs ältester Reblage nun wieder Wein angebaut wird. 2172 Reben der Sorte Pinotin haben ihr erstes Jahr schon gut überstanden. Sieht man von den 70 Unglückseligen ab, über die sich die Schermaus hergemacht hat. Doch das lässt sich verschmerzen, sagt der Werderaner Winzer Manfred Lindicke.

„Pinotin, Anfang der 90er in der Schweiz durch eine Kreuzung mit Blauem Spätburgunder und Resistenzpartnern entstanden, ist eine interessante Sorte“, erklärt der Winzer. „Er passt gut ins Profil und ist widerstandsfähig gegen Pilzbefall und Fröste. Unter Lindickes Regie pflanzen junge Männer derzeit weitere 4000 Reben: Muscaris, Cabernet Blanc und die neue Sorte Calinda verschwinden blitzschnell im sandigen Boden. 2000 Reben sind schon vermietet. Denn am Galgenberg wird auf 1,4 Hektar Wein nicht einfach nur angebaut. Wer will, kann Reben mieten und später ihren Ertrag genießen. „Die Mieter begleiten den Werdegang des Weines“, sagt Helmut Lindner. Eine durch und durch sinnliche Angelegenheit.

Das spürte man schon beim Tag des Galgenberges. Obwohl die neue Lage noch recht kahl wirkt. Am Mittwoch tummelten sich dort stolze Rebenbesitzer und Gäste. Sogar Ihre Hoheit, die neue Werderaner Blütenkönigin Claudia Bremer, hatte im edlen Gewand den Galgenberg erklommen.

Und das lohnt sich. Die Aussicht ist betörend. Das meinen auch Gabriele Küchler und Karin Möbius-Otto. Die Freundinnen kommen häufig aus Berlin nach Werder. „Es ist diese schöne südliche Atmosphäre“, sagt Gabriele Küchler. Schon lange trägt sie sich mit dem Gedanken, Rebstöcke zu mieten. Der sonnige Mai-Nachmittag und ein Gläschen Pinotin scheinen die beiden nun überzeugt zu haben.

Wer Rebstöcke mietet, kann sich auch am Rebschnitt beteiligen, eigene Etiketten für seine Flaschen kreieren und „vielleicht auch mal bei der Lese helfen“, stellt Lindner in Aussicht. Viola und Dirk Wassermann sind bereits stolze Rebenmieter. „Wir sind seit ’99 in Werder und das sehr gerne. Wir wollen die Stadt unterstützen, für uns ist die Rebmiete eher etwas Ideeles“, sagt Viola und malt sich gleich aus, dass noch die Urenkel vom Wein vom Galgenberg schwärmen werden. Jenem guten Tropfen, zu dem die Uroma einst durch den Mietzins ihren Obolus beigetragen hat. Auch Gastronom Ronny Pietzner von der Bismarckhöhe engagiert sich für die neue Lage. Natürlich kann man in seinem Biergarten hoch oben auch Werderaner Wein genießen.

2009 war die Idee geboren worden, den damals zum großen Teil mit Bäumen und Sträuchern zugewachsenen Galgenberg zum Weinanbau wiederzubeleben. Der Weinverein beantragte und bekam Rebrecht. „Heute sind wir froh, dass die Stadt sich so stark engagiert hat. Teile des Hanges mussten gerodet werden“, berichtet Lindner. Und der Werderaner Achim Prütz verkaufte sein Wiesengrundstück zugunsten des Projekts. Dort stehen jetzt schon die Pinotin-Reben.

Am Galgenberg geht es auch um Tradition. Am Fuße, gleich hinter dem Lindowschen Anwesen, entstehen derzeit sogenannte Schuffelgärten; Schuffel, wie das gleichnamige Gartengerät zum Unkraut hacken. Hier soll später der für Werder typische historische Etagenobstbau gezeigt werden: Bäume, Sträucher, Nutz- und Zierpflanzen treffen dort in einer idealen Anbauweise aufeinander.

Auch in das idyllische Lindowsche Anwesen selbst wird bald neues Leben einziehen. Jens-Uwe Poel, Betreiber des Phöbener Wachtelberges, will sich des historischen Obstbauernhauses annehmen und dort unter anderem eine Vinothek einrichten, so Lindicke. (Von Konstanze Wild)

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