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Potsdam-Mittelmark Vor 200 Jahren tobte die Schlacht auf dem Hagelberg
Lokales Potsdam-Mittelmark Vor 200 Jahren tobte die Schlacht auf dem Hagelberg
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16:42 26.08.2013
Die Borussiia auf dem Hagelberg: Zeichen des Sieges über die Franzosen 1813. Für Schulklassen lange ein beliebtes Ausflugsziel.
Quelle: Privat
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Bad Belzig

Ausgefochten am 27.August 1813 auf einem Gebiet zwischen Belzig und Wiesenburg sowie zwischen Glien und Lübnitz. Als "Kolbenschlacht", weil regnerisches Wetter das Pulver feucht werden ließ und deshalb die Vorderladergewehre ihren Dienst versagten, ging die Kampfhandlung in die Geschichtsschreibung ein.

Die Bevölkerung der Region litt jedoch schon seit 1806 unter starken Truppendurchzügen. Die Überlieferung berichtet von zahllosen Plünderungen, bei denen die "Manneszucht" jedoch größtenteils gewahrt blieb. Zu einem tätlichen Übergriff auf eine Frau kam es jedoch in Mörz, wo das Weib des Schmiedemeisters misshandelt wurde. Das Geschehen versetzte die Menschen in Aufruhr. Die Mörzer, unterstützt von Locktowern, schritten bei der nächsten Plünderung zur Selbsthilfe. Die einfallenden Soldaten wurden kurzerhand erschlagen. Im Wald schaufelte man ihnen ein Grab. Ein Steinhaufen trägt noch heute den Namen "Franzosengrab".

Wenige Tage vor der Schlacht, am 20. August, starb in Locktow eine alte Witwe. Im Kirchenbuch vermerkte der Pfarrer, dass die Frau "wegen der kriegerischen Unruhen in der Stille beerdigt" werden musste.

Der Schlachtenlärm des 27. August war weithin zu vernehmen. Die Kämpfe zogen sogar die Windmühle von Kuhlowitz in Mitleidenschaft. Der Mörzer Lehrer Ernst Krüger notierte vor knapp 100 Jahren, dass am Morgen jenen Jahres General Czernitschew mit seinen Kosaken von dem französischen General Girard aus Belzig verjagt worden war. "Die französische Artillerie war auf den Höhen bei Belzig aufgefahren und verfolgte mit ihren Geschossen die fliehenden Kosaken. Die Kugeln schlugen in der Mühle bei Kuhlowitz ein, so dass diese in Brand geriet. Der Müller hatte sich, von den fliehenden Kosaken verwundet, in den Keller seines Hauses geflüchtet, Aber auch dieses wurde von den Franzosen in Brand geschossen und der Müller kam in den Flammen um."

Einen Kriegsrat soll General von Hirschfeld mit dem Rittmeister von Erxleben und dem Major von Kleist der Überlieferung nach am Vormittag des 27. August in der Schulstube von Benken abgehalten haben. Ob wahr oder nicht können nur Schlachtenexperten und Historiker herausfinden.

Nach dem Gefecht hieß es, Tote und Verwundete vom Schlachtfeld zu bergen. Die gefallenen Franzosen wurden an der so genannten "Franzosenhecke" hinter dem Gutshof Glien in Richtung Lübnitz, die Preußen an der "Preußenhecke" unterhalb des Kienberges in Richtung Glien bestattet. Die Verwundeten wurden mit Ochsen- und Pferdefuhrwerken, soweit noch vorhanden, in Lazarette geschafft. Die Fuhrdienste wurden teilweise von hiesigen Bauern geleistet und waren nicht ungefährlich. So soll sich ein Reetzer Bauer dabei am Leichengift infiziert haben und nachfolgend gestorben sein.

Abrückende Truppen gingen ebenfalls nicht sanft mit der Bevölkerung um. In Wiesenburg und Borne mussten die Gastwirte ihr Leben lassen. Sie starben an den Folgen von Gewalteinwirkungen.

Von Bärbel Kraemer

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