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Potsdam-Mittelmark „Vor de Mölle und hinter de Mölle“
Lokales Potsdam-Mittelmark „Vor de Mölle und hinter de Mölle“
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20:20 27.07.2017
Sieben Spurensucher vor der Geschichtstafel am Fliederhof: Stephan Hoffstadt, Gaby und Frank Maschke, Michaela und Dietmar Haupt, Julia Eltzschig und Matthias Braun (v.l.). Quelle: Jens Steglich
Stücken

Sie gingen in Zweier-Gruppen auf Spurensuche, sprachen mit Zeitzeugen und förderten erstaunliche Geschichten aus der Ortshistorie zutage. Fünf Familien, die man im Dorf Zugezogene nennen würde, haben ihrem neuen Heimatort Stücken ein herrliches Geschenk zum 700. Geburtstag gemacht. Sie wollten sich einbringen, etwas zum diesjährigen Jubiläum beitragen und haben etwas geschaffen, das bleibt.

In Stücken stehen jetzt an besonderen Orten Schilder, auf denen die Ergebnisse der Spurensuche nachgelesen und angeschaut werden können. Die Geschichtstafeln findet man etwa an der Alten Schule (heutiges Gemeindehaus), an der Dorfkirche, am Landhaus zu Stücken, am Fliederhof, am Standort des früheren Schlosses oder am ehemaligen Kolonialwarenladen.

Insgesamt sind es zehn „Stückener Orte“, auf die nun auf besondere Weise aufmerksam gemacht wird. „Die Geschichten sind selbst recherchiert, die findet man nicht bei Wikipedia“, sagt Stephan Hoffstadt, einer der Spurensucher. Eine Herausforderung war, historische Bilder für die Tafeln zu finden, so Hoffstadt. Die fünf Familien recherchierten nicht nur die Geschichten selbst, sie finanzierten und gestalteten die zehn Tafeln auch, die zumeist an zwei halbierten Eichenstämmen angebracht sind und vor den Orten platziert wurden, über die sie informieren. Die Suche nach Spuren aus der Stückener Ortsgeschichte hatte einen schönen Nebeneffekt. Michaela Haupt nennt es den integrativen Aspekt der Geburtstagsaktion. Die Zugezogenen lernten auf ihren Entdeckungstouren die neue Heimat und Alteingesessene kennen, plauderten mit ihnen und interviewten zum Beispiel Gerhard Schuchard (91), den ältesten Stückener. Der 91-Jährige kroch für sie auf den Dachboden, um alte Dokumente herunterzuholen. Der Urgroßvater von Gerhard Schuchard kam einst als Schlossverwalter her und arbeitete in Diensten des Barons von Brucken zuerst im Baltikum und dann in Stücken. Der Urgroßvater soll auch gegen Napoleons Truppen gekämpft haben, erzählen die Spurensucher. Die Familie von Brucken, auch Fock genannt, stammte aus dem Baltikum und besaß ab 1798 das Gut Stücken.

Warum das Schloss verschwunden ist, kann man jetzt auf der Geschichtstafel nachlesen, die am früheren Schlossstandort aufgestellt wurde. Fest steht: Es brannte am 9. Mai 1945 nieder, kurz nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee. Die genaue Brandursache konnte indes nie richtig geklärt werden. Eine oft erzählte Version ist auf der Tafel verewigt.Sie besagt, dass sich die sowjetischen Soldaten über die Flaschen im Weinkeller hergemacht haben und im Rausch wohl den Ofen nicht mehr im Griff hatten. In den Kellergewölben des Stückener Schlosses sollen etwa 90 000 Liter Wein der Berliner Weinhandlung Hörnicke eingelagert gewesen sein, weil das Betriebsgelände in Berlin zuvor durch Bomben zerstört wurde. Auf der Geschichtstafel erfährt der Interessierte auch, dass der letzte Gutsherr Baron Günther von Brucken direkt nach dem Krieg 1945 enteignet wurde. „Die kinderlose Musikliebhaber lebte nach der Zerstörung des Schlosses noch eine ganze Weile im Dorf, wo ihm in der Gaststätte ’Keller’ ein Zimmer zugewiesen worden war“, heißt es auf der Tafel. Später soll er sich in West-Berlin als Klavierlehrer verdingt haben, wo er im Jahr 1959 starb. Die ältesten Bewohner erinnerten sich in Gesprächen noch an dessen Vater Louis von Brucken, der völlig verarmt in der Nachkriegszeit bei Bauern von Tür zu Tür ging und um Essen bat.

Die Spurensucher sprachen auch mit ehemaligen Schülern, die das Abc noch in der Alten Schule in Stücken lernten, in der bis 1967 unterrichtet wurde. Der Sportunterricht fand bei schlechten Wetter im Klassenraum statt – sogar das Bockspringen, erinnert sich Dagmar Seehaus, die zum letzten Jahrgang gehörte, der in Stücken zur Schule ging. Die Schulbänke wurden kurzerhand zur Seite geschoben und los ging es.

Beim Einkauf im ehemaligen Kolonialwarenladen, der heute ein Wohnhaus ist, brachten die Leute meist ihre eigenen Schüsseln von Zuhause mit, um sie sich zum Beispiel mit Marmelade füllen zu lassen. Eine Stückenerin erzählte, wie sie als Kind aus einer Schüssel naschte, um dann festzustellen, dass es sich nicht um die geliebte Erdbeermarmelade, sondern um rote Schmierseife handelte.

Auf der Suche nach Resten und der Geschichte der früheren Mühle erfuhren die Zugezogenen von Alfred Schreinicke, dass die Lage der Mühle im Volksmund noch heute Stücken in die Bereiche „hinter de Mölle“ und „vor de Mölle“ teilt. Die Dorfstraße, in der die fünf zugezogenen Familien leben, liegt „hinter de Mölle“, hat Spurensucher Frank Maschke schon gelernt. „Wir haben versucht, die Gebiete ’vor de Mölle’ und ’hinter de Mölle’ paritätisch zu beschildern“, sagt er. Im Dorf sind die neuen Wegmarken Stückener Geschichte gut angekommen. „Wir haben uns riesig gefreut“, so Ortsvorsteher Udo Reich. „Es hat uns auch Spaß gemacht und näher zusammengebracht“, sagt Michaela Haupt und fügt hinzu: „Es gab viele Treffen und viel Wein.“

Zehn „Stückener Orte“

Die Spurensucher haben ihr Geburtstagsgeschenk zum 700-jährigen Bestehen des Dorfes „Stückener Orte“ genannt.

Zu den zehn ausgewählten Orten zählen der ehemalige Kolonialwarenladen (heute Wohnhaus), die frühere Mühle (heute Hof Schreinicke), das Landhaus zu Stücken, die Schmiede, das einstige Schloss, das Pfarramt, die Dorfkirche, die Alte Schule, Hof Wiesecke (heute Fliederhof) und ein Wohnhaus in der Dorfstraße, an dessen Standort Archäologen Siedlungsreste fanden.

Von Jens Steglich

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