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Potsdam-Mittelmark Wanderwege gesperrt: Kommunen drängen auf eine Lösung
Lokales Potsdam-Mittelmark Wanderwege gesperrt: Kommunen drängen auf eine Lösung
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14:32 25.08.2017
Wanderwege an der Nuthe sind in gefährdeten Bereichen wegen Astbruchgefahr gesperrt. Quelle: Jens Steglich
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Nuthetal

Im Streit um die morschen Pappeln an der Nuthe und die dort gesperrten Wanderwege machen die Anrainerkommunen des Flusses mobil und drängen auf eine Lösung. „Die Nuthe ist ein Landesgewässer 1. Ordnung. Wir sehen hier das Land in einer unmittelbaren Verantwortung, den ärgerlichen Zustand zu beseitigen“, sagte Nuthetals Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke).

Laut Hustig wird gerade ein gemeinsamer Brief der betroffenen Kommunen abgestimmt, der in den nächsten Tagen an Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) gesendet werden soll. Mit dabei sind Nuthetal, Luckenwalde, Trebbin, Treuenbrietzen und Nuthe-Urstromtal. „Wir fordern das Land auf, entlang der Nuthe die schadhaften Pappeln zu fällen und gegebenenfalls notwendige Ersatzpflanzungen vorzunehmen“, sagte Nuthetals Gemeindechefin.

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Wie berichtet, hatte nach einem Unwetter im Juni das Landesamt für Arbeitsschutz dem Wasser- und Bodenverband Nuthe-Nieplitz Pflegearbeiten entlang der Nuthe untersagt, bis die Gefahr, die von den Pappeln ausgeht, beseitigt ist. Das löste eine Kettenreaktion aus. Der Wasser- und Bodenverband, der sich um die Pflege der Uferstreifen zu kümmern hat, sprach für seine Mitarbeiter ein Betretungsverbot aus. Daraufhin handelte auch der Landkreis und sperrte Wanderwege entlang der Nuthe – darunter auch gerade mit Fördermitteln instandgesetzte und ausgeschilderte Pfade.

Dass viele Pappeln entlang der Nuthe altersschwach sind, ist indes seit Jahren bekannt. Bereits 2013 war in einem Gutachten auf den dringenden Handlungsbedarf hingewiesen worden. Ungeklärt blieb in den Jahren, wer den Zustand zu beheben hat. „Die Sperrung der Wanderwege kann ich verstehen. Dass danach nichts passiert, kann ich nicht verstehen“, sagte Raimund Döcke, Vorsitzender des Vereins der Wanderfreunde Potsdam. „Das ist ein wichtiges Wanderareal, das uns verloren geht. Wir mussten einige Wanderungen absagen, die dort eingeplant waren“, so Döcke, der fragt: „Wer unternimmt jetzt etwas, damit man dort wieder laufen kann?“ Von dem Dilemma sind nicht nur Wanderer betroffen, sondern auch Landwirte, die ihre angrenzenden Weiden nicht oder nur mit Einschränkungen nutzen können.

Vom Landesumweltministerium war am Donnerstag keine Stellungnahme zu erhalten. Das Ministerium vertrat bisher die Ansicht, die jeweiligen Eigentümer der Flächen, auf denen die Pappeln stehen, haben die Verkehrssicherungspflicht zu erfüllen. „Das Ministerium meint, es sei allein fürs Wasser zuständig, nicht für den Fluss, zu dem auch die Deiche gehören“, sagte Nuthetals Wanderwegewart Rudi Hommel, der im regen Kontakt mit dem Ministerium steht. „Man ist aber nicht nur für den Inhalt der Wurst, sondern für die ganze Wurst mit Pelle zuständig“, so Hommel, der zudem kritisiert, das Land scheue sich auch, die eigene Auffassung durchzusetzen. „Denn dann müsste es den Privateigentümern reinen Wein einschenken und dafür sorgen, dass diese die Pappeln fällen und Nachpflanzungen vornehmen.“ Pappeln, die sie selbst nicht gepflanzt haben (siehe Info-Kasten). Ufer, Deiche und Pappeln sollen ein Werk des Staates sein. Das Ufer in seiner jetzigen Form entstand laut Hommel 1933/34 bei der Kanalisierung der Nuthe durch den Reichsarbeitsdienst.

Agro Saarmund wendet sich ans Ministerium

Im Zuständigkeitsgerangel um die morschen Pappeln an der Nuthe hat sich der Landwirtschaftsbetrieb agro Saarmund ans Landesumweltministerium gewandt und Einspruch gegen den Plan erhoben, die jeweiligen Flächeneigentümer in die Pflicht zu nehmen.

In einem Brief ans Ministerium heißt es, „wir gehen davon aus, dass nicht die Eigentümer zur Verantwortung gezogen werden dürfen“. Sie hätten die Bäume nicht gepflanzt, mussten diesen Umstand hinnehmen und können jetzt nicht für Versäumnisse aus der Vergangenheit herangezogen werden. Die agro Saarmund hatte betroffene Flächen erst 2011 erworben.

Von Jens Steglich

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