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Potsdam-Mittelmark Vernünftiges Wetter: Was sich Bauern 2019 wünschen
Lokales Potsdam-Mittelmark Vernünftiges Wetter: Was sich Bauern 2019 wünschen
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16:11 27.12.2018
Landwirt Werner Niendorf (l.) zeigt dem KBV-Vorsitzenden Jens Schreinicke seinen Wolfszaun mit fünf stromführenden Litzen. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Mittelmark

Der Regen war das schönste Geschenk für Jens Schreinicke zum Weihnachtsfest. „Das Niederschlagsdefizit ist längst nicht aufgeholt. Aber ich bin dankbar für die Durchfeuchtung des Bodens und eine langsame Entspannung in den Grundwasserspeichern“, sagte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark (KBV) am Donnerstag bei einem Besuch der an der Plane gelegenen Wühlmühle unweit von Neschholz.

Extreme verdichten sich

Dort liefern zwei Wasserturbinen Strom für die Herstellung von gequetschtem Hafer für die eigene Pferdepension. Vorausgesetzt es fließt genug Wasser in Richtung Belziger Landschaftswiesen hinab. „Die Plane hat nicht die Hälfte des für diese Jahreszeit üblichen Wasserstandes erreicht“, beschreibt Mühlenbesitzer und Landwirt Werner Niendorf das immer noch unterdurchschnittliche Wasserangebot. „Ich denke, dass auch wieder nasse Jahre kommen werden“, meint KBV-Vorsitzender Schreinicke. Zwar habe es Wetterextreme schon immer gegeben, doch scheint sich die zeitliche Abfolge solcher Unbilden zu verdichten, befürchtet der ehrenamtliche Bauernfunktionär.

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Digitalisierung schreitet fort

Melkroboter, autonom fahrende Traktoren, über Felder fliegende Drohnen, Daten vom Boden aufs Handy: Die Digitalisierung schreitet auch 2019 in der mittelmärkischen Landwirtschaft fort. „Wir sind mitten drin im smarten Farming“, sagt KBV-Chef Jens Schreinicke.

Vom 17.Januar bis zum 27. Februar 2019 führt der Kreisbauernverband seine Winterschulungen in Kooperation mit der Heimvolkshochschule Seddiner durch. Unter anderem geht es um Pflanzenschutz, Stoffstrombilanz und Agrarrecht.

Der Bauernverband stellt in Potsdam-Mittelmark zahlreiche Mandatsträger in den Gemeindeparlamenten und Stadtverordnetenversammlungen. Im Kreistag bilden die Bauern mit freien Wählergruppen die Wählergemeinschaft „Freie Bürger und Bauern“.

 

Sein größter Wunsch für 2019 sei deshalb ein „halbwegs vernünftiges Wetter“, damit sich die wirtschaftliche Lage des Berufsstandes nach dem Dürrejahr wieder erhole. Je nach Lage wurden 2018 in Potsdam-Mittelmark 30 bis 50 Prozent weniger Getreide, Raps oder Mais geerntet. Schreinicke wiederholte gegenüber der MAZ die Forderung an den Bund nach einer steuerfreien Rücklage, die Betriebe in guten Jahren ansparen können, um sie in Krisenzeiten einzusetzen.

Viele Fragen offen

Schreinicke warnte zum Jahresende vor einer Vernachlässigung der Gewässerregulierung. Eine Gefahr, wie sie der KBV-Vorsitzende für Teile der Belziger Landschaftswiesen kommen sieht. Dort sollen im Rahmen eines Flurneuordnungsverfahrens 600 Hektar als Kernzone dauerhaft vernässt werden. Unter anderem durch das Schlitzen von Planedämmen. Auf den überfluteten Flächen sollen Schilfrohr, Rohrglanzgras, Schwarzerlen und andere Arten im Rahmen der sogenannten Paludikultur als nachwachsende Rohstoffe angebaut und geerntet werden. Nach Ansicht des Neschholzer Landwirtes Niendorf sind dabei noch viele Fragen von der Technik bis hin zur Vermarktung offen. Würden die Gewässer sich selbst überlassen, könnte dies zu Problemen für Siedlungsgebiete und Trappen führen, die bekanntlich Steppenvögel sind. KBV-Vorsitzender Schreinicke geht davon aus, dass die Belziger Landschaftswiesen auch 2019 zu den Spannungsfeldern zwischen Landwirtschaft und Naturschutz gehören werden.

Ein verdorrtes Maisfeld bei Grabow im Dürrejahr 2018. Quelle: Frank Bürstenbinder

Unberechenbar wie das Wetter werden sich im neuen Jahr auch die Preise für landwirtschaftliche Produkte entwickeln. „Einer schlechten Ernte müssen keine steigenden Getreidepreise folgen. Umgekehrt sorgen gute Ernten nicht automatisch für mehr Einnahmen. Der globale Handel stellt die heimische Landwirtschaft vor große Herausforderungen“, ist Schreinicke überzeugt. Erschwerend kämen die Sanktionen gegen Russland hinzu, die der deutschen Agrarbranche nur schaden würden. „Die Sanktionen gehören grundlegend überdacht“, fordert der KBV-Vorsitzende.

Kommunalwahl und Wölfe

Zu einem Schwerpunkt der Verbandsarbeit gehört im neuen Jahr die Vorbereitung der Kommunalwahl. Der Kreisbauernverband hat seine Mitglieder aufgerufen sich als Gemeindevertreter, Bürgermeister oder Kreistagsabgeordnete zu bewerben. Genau beobachten will der Kreisbauernverband, wie sich ein aktualisierter Wolfsmanagementplan in der Praxis bewährt. Die Absenkung des hohen Schutzstatus für Wölfe und die Möglichkeit von Schutzjagden zur Bestandsregulierung gehören auch 2019 zu den Kernforderungen des KBV. Mühlenbesitzer und Landwirt Niendorf aus Neschholz hilft sich nach Wolfsübergriffen auf sein Gatterwild selbst. Ein Teil des Damwildes und seiner Pensionspferde schützt er mit einem 1,50 hohen Wolfszaun, dessen fünf Litzen mit 7000 Volt aufgeladen werden.

Von Frank Bürstenbinder