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Potsdam-Mittelmark Weideabtrieb mit viel Musik und ohne Kühe
Lokales Potsdam-Mittelmark Weideabtrieb mit viel Musik und ohne Kühe
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18:06 19.11.2017
Am Anfang lief alles nach Plan: Die Alphornbläser eröffneten am Weinberg den Festtag. Quelle: Jens Steglich
Stücken

„Sie sind ausgebüxt!“ Die Nachricht machte schnell die Runde unter den Schaulustigen, die in der Dorfstraße hinterm Flatterband standen und den ersten Weideabtrieb in der 700-jährigen Geschichte Stückens erleben wollten. Die Menschen hatten sich gut vorbereitet und alles angerichtet für ein großes Fest, nur die Tiere spielten nicht mit. So ging am Samstag der Weideabtrieb im Ort mit viel Musik, Spaß und ohne Kühe über die Bühne.

„Der Tag wird in die Ortsgeschichte eingehen“

Die Rinderherde von Landwirt Jens Schreinicke hatte auf dem langen Weg von der Sommerweide ins Dorf eine offene Weide gesehen und die Möglichkeit, dem Trubel zu entgehen. Eine Lücke unter den Treibern nutzten die Kühe aus, bogen ab, um zurück in Richtung Heimatweide zu flüchten. Auch ein zweiter Versuch, sie nach Stücken zur Dorfstraße zu lotsen, klappte nicht. Irgendwie konnte man die Kühe auch verstehen. Bislang wurden sie mit Viehanhängern von der Sommerweide zur Winterkoppel gefahren, was eindeutig bequemer ist.

Trotzdem: „Der Tag wird in die Ortsgeschichte eingehen“, sagte Dirk Hase, der Ortschronist. Als erster Weideabtrieb ohne Kühe ist der Eintrag ins Geschichtsbuch sicher. Schon allein, wie die Stückener damit umgegangen sind, war ein Ereignis. Als die meisten Besucher, die aus Mittelmark, Potsdam, Berlin, Leipzig oder Aachen kamen, bereits wieder weg waren, lief doch noch eine Kuh über die Dorfstraße – begleitet vom Blasorchester Stücken, das mit Pauken und Trompeten hinter dem wundervollen schwarz-weiß-gefleckten Wesen durchs Dorf marschierte.

„Ich bin sozusagen die Trostkuh“, sagte Swenja Seehaus, die sich spontan ihr Kuh-Kostüm von der Fastnachtsfeier übergestreift hatte. Sie spielte später das Tenorhorn im Blasorchester – beim Konzert im Festzelt.

Zum Trost: Eine wunderschöne Kuh lief dann doch noch über die Dorfstraße. Im Kostüm steckte Swenja Seehaus – begleitet wurde sie vom Blasorchester Stücken. Quelle: Jens Steglich

Das war die Generalprobe

Als die Treiber aufgegeben und die Herde ihren Kopf durchgesetzt hatte und wieder auf ihrer Sommerweide stand, feierten die Stückener im besagten Festzelt. Landwirt Jens Schreinicke wurde bei seiner Ankunft im Zelt wie ein zurückgekehrter Held mit Beifall und Zugabe-Rufen gefeiert. „Kühe sind keine Maschinen. Sie haben ihren eigenen Kopf und haben uns heute gezeigt, wo der Hammer hängt“, sagte Schreinicke, den das Festkomitee überredet hatte, zum 700. Ortsgeburtstag einen Weideabtrieb zu machen.

Er habe die vergangenen vier Nächte nicht geschlafen, bekannte er. „Meine Frau kann das bestätigen. Und es lag dieses Mal nicht an meiner Frau“, so der Landwirt, der hinzufügte: „Schade, dass es nicht geklappt hat. Ich bin aber froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist und trinke jetzt drei Trostbiere.“ Den nächsten Versuch „überlege ich mir noch“. Im Moment sei ihm nicht danach.

Bis zu einem möglichen zweiten Anlauf im nächsten Jahr ist ja noch ein bisschen Zeit für Gespräche, sagte Stückens Ortsvorsteher Udo Reich. Das hörte sich nach einigen Überredungsrunden im „Landhaus zu Stücken“ an. „So schnell werfen wir die Flinte nicht ins Korn. Ich würde sagen: Das war heute die Generalprobe. Richtig machen wir es im nächsten Jahr“, so Reich. Bewiesen haben die Stückener schon mal, dass sie einen guten Rahmen für einen „Almabtrieb“ bieten können, wie man ihn sonst nur aus den Alpenländern kennt.

Als alles noch nach Plan lief, hatten die Alphornbläser der Jagdhorngruppe und Stückens Blasorchester auf der Wiese am Weinberg den Festtag eröffnet. Dort gab es nach der musikalischen Einstimmung Applaus und Bravo-Rufe von den Zuschauern. Im Dorf warteten die Leute noch frohen Mutes auf die Herde. Nachdem „unten im Tal“ durchgesickert war, dass die Herde falsch abgebogen ist, gab es gegenüber den Kindern Erklärungsversuche der Eltern: „Die Kühe wissen noch nicht, wo sie langlaufen sollen. Das muss man den Kühen erst noch erklären.“

Vor dem Abtrieb auf der Sommerweide war die Welt in Ordnung: Landwirt Jens Schreinicke mit Kuh Karla, die helfen sollte, die Herde ins Dorf zu führen. Die Herde wollte nicht und kehrte zurück zur Heimatweide. Die Tiere nun in ein paar Tagen zur Winterkoppel gefahren – so, wie sie es gewohnt sind. Quelle: Jens Steglich

„Sie brauchen Übung und wir müssen aus den Fehlern lernen“

In der Tat: „Die Tiere sind die Freilandhaltung gewöhnt. Diese Strecke war Neuland für sie“, sagte Schreinicke. Kuh Karla, die hinter dem mit Möhren munitionierten Trecker die Herde in den Ort führen sollte, habe sich als Leittier nicht so richtig bewährt. „Karla war nur am Naschen.“ Die Möhren sind alle geworden, die Herde ging andere Wege. „Zwischendurch hatten wir ein bisschen Action“, erzählte Schreinicke. Ein Kuh war in einen Graben geraten und musste herausgezogen werden. Die Herde soll nun auf ihrer Sommerweide erst einmal ein paar Tage Ruhe und Erholung bekommen. Die Tiere werden dann mit Viehwagen zur Winterkoppel gefahren – so, wie sie es gewohnt sind.

„Sie brauchen Übung und wir müssen aus den Fehlern lernen“, sagte der Landwirt etwas später. Das hörte sich schon wieder ein bisschen danach an, als würde es einen neuen Anlauf geben. „Es war herrlich. Nächstes Jahr dann mit Kühen“, sagte ein Gast zum Abschied.

Von Jens Steglich

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