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Potsdam-Mittelmark Wenn der Postmann in Werder klingelt
Lokales Potsdam-Mittelmark Wenn der Postmann in Werder klingelt
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00:26 08.06.2019
1907 vor dem Werderaner Posthaus mit Postmeister Schneider. Quelle: Stadtarchiv Werder
Werder/Havel

Sparsamkeit war schon immer eine preußische Tugend, in der Vergangenheit vielleicht mehr noch als heute. Stichwort: Stopp der Papier-Verschwendung. Hoch im Kurs stand da der so genannte „Wendebrief“. Dabei handelte es sich um ein A4-Doppelblatt als Aktenstück, das zwischen Absender und Empfänger hin- und hergeschickt wurde – und jeder schrieb seinen Textteil darauf. Zeugnis von dieser ungewöhnlichen Praxis legt ein Schreiben ab, das zwischen dem Rittergutsbesitzer, dem Herrn von Britzke, und dem Werderaner Bürgermeister Franz Dümichen um die vorletzte Jahrhundertwende herum ausgetauscht wurde. Inhaltlich ging es um eine Gemarkungsgrenze.

Am 25. Mai 1900 hatte sich zunächst das Stadtoberhaupt an von Britzke gewandt. Dieser schickte seine Antwort mit dem gewendeten und neu adressierten Brief am 28. Mai an den Magistrat von Werder zurück. Der Bogen wurde so gefaltet, dass außen der jeweils richtige Adressat stand. Auch der „Amtsschimmel“ hat seine Spuren auf dem Schreiben hinterlassen. Auf dem Brief verewigten sich auch die Sachbearbeiter des Magistrates, die den Vorgang anschließend zu bearbeiten hatten, mit ihren Vermerken.

Vor 175 Jahren eröffnete die erste Post

Fast 120 Jahre später ist der Brief, der für heutige Augen sehr opulent wirkt, wieder an die Einrichtung zurückgekehrt, in der er einst entstand. Den Magistrat von Werder gibt es in seiner damaligen Form natürlich längst nicht mehr. Aber das Stadtarchiv birgt zahllose Dokumente aus der vielfältigen Geschichte der Havelstadt – seit kurzem zählt auch die komplette postgeschichtliche Sammlung des Heimatforschers Wolfgang Heitsch dazu. Bereits im Januar hat der Werderaner sein neues Buch zur Postgeschichte seiner Heimatstadt vorgestellt. Titel: „Von den Postreitern und den Briefen in der Waschküche“. Darin erfährt man unter anderem, dass sich erstmals vor 175 Jahren das Schalterfenster einer Postexpedition auf der Insel Werder geöffnet hat.

Die nunmehr übergebene Sammlung enthält Dokumente, die in dem Buch enthalten sind und dort erläutert werden, sowie weiteres Material, das Wolfgang Heitsch in den vergangenen Jahren zu dem Thema zusammengetragen und ersteigert hat.

Die Palette ist breit: Briefe, Postkarten, Briefmarken mit Sonderstempeln, Feldpost aus beiden Weltkriegen und Urlaubskarten, Lieferscheine sowie weitere historische Dokumente und postgeschichtliche Aufzeichnungen. „Alle Dokumente haben einen Bezug zu Werder (Havel) und stehen Interessierten nun für Recherchen zur Verfügung“, erklärte Stadtsprecher Henry Klix dazu am Mittwoch.

Der „Wendebrief“ aus dem Jahr 1900. Die Darstellung stammt aus Wolfgang Heitschs Buch. Quelle: Stadtarchiv Werder

Zu den „Schmankerln“ der Sammlung zählt unter anderem ein besonders alter Briefwechsel der Schützengilde zu Werder, die sich Mitte des 18. Jahrhunderts bei anderen deutschen Schützenvereinen zum Thema Schützenfeste austauschte. Auch zum Thema Obstbau findet sich einiges: Bemerkenswert sind zum Beispiel die Frachtbriefe aus dem 18. Jahrhundert für die Anlieferung von Pferdedung.

Bei der Übergabe der Sammlung stellte Post-Experte Heitsch Werders 1. Beigeordnetem Christian Große natürlich auch den „Wendebrief“ vor – die Korrespondenz zwischen dem damaligen Bürgermeister Franz Dümichen und dem Gutsherrn von Britzke. Trotz des hohen Alters des Exponats fand Große durchaus – launige – Parallelen zur Gegenwart. Denn: „Ähnlich wie bei einem E-Mail-Austausch hatte man damit schon um 1900 den kompletten Vorgang auf einem Blatt.“

Von Ildiko Röd

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