140 Jahre Baumblütenfest auf 48 Seiten
Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Werder (Havel) 140 Jahre Baumblütenfest auf 48 Seiten
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) 140 Jahre Baumblütenfest auf 48 Seiten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
17:13 07.02.2020
In der DDR wurde aus dem Baumblütenfest das „Volksfest der werktätigen Gärtner in der DDR“. Es sah recht gesittet aus. Quelle: Stadt Werder
Anzeige
Werder

Für das Baumblütenfest in Werder stand in seiner 140-jährigen Geschichte stets der wirtschaftliche Erfolg im Mittelpunkt. Das ist das Resümee einer kleinen 48-seitigen Broschüre, die am Freitag in Werder von Bürgermeisterin Manuela Saß und dem Autor Baldur Martin vorgestellt wurde.

Martin – ein Streiter für die Erhaltung des Festes – hat für die „Chronologie des Baumblütenfestes“ intensiv in Archiven wie dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz und in Tageszeitungen recherchiert. Sein Ziel ist es, die Debatten um das Fest zu versachlichen und das Fest zu erhalten. Bürgermeisterin Saß bringt das Anliegen auf den Punkt: „Wenn man von Traditionen spricht, sollte man sie genau kennen.“

Auf und ab seit 1879

Die Chronologie zeigt das Auf und Ab des Festes seit 1879, als 50 000 Gäste lediglich Bier und Saft tranken, bis zum Scheitern der Neuausschreibung im Herbst 2019.

Martin hat in seinen Recherchen festgestellt, dass das Fest von jeher von den Werderaner Obstzüchtern organisiert wurde, dass es aber immer wieder im Verlauf der 140 Jahre zu staatlichen Eingriffen gekommen ist, wie zum Beispiel während des Ersten und Zweiten Weltkrieges, in der Weltwirtschaftskrise und in der Zeit der DDR.

Zeitgenössische Karikatur auf einer Postkarte. Quelle: Stadt Werder

So wurden 1916 Äpfel, Zwetschgen und Pflaumen beschlagnahmet, um Marmelade für das Heer zu produzieren. Erst im Sommer 1919 hebt die zuständige Reichsstelle das Verarbeitungsverbot von Obst zu Obstwein wieder auf. 1934 ruft Bürgermeister Bredtfeldt ein Kirschfest aus und will mit Trachten für die Verkäuferinnen das „deutsche Brauchtum“ wiederbeleben. In diese Zeit fällt auch eine Veröffentlichung des „Völkischen Beobachters“, in der kritisiert wird, „der sogenannte Werdersche Obstwein…wuchs gar nicht mehr auf Werders Boden, wurde vielmehr dorthin eingeführt“. Es solle ab sofort nur noch „echter, gediegener Werderscher Obstwein“ verkauft werden. Die Polizei machte Stichproben. Nur örtliche Keltereien durften bis zu drei Stände offenhalten.

Baldur Martin, Autor der Chronik über das Baumblütenfest Quelle: Stadt Werder

Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Feste zeitweilig ohne Wein gefeiert. Dennoch kamen am 1. Mai 1942 25 000 Gäste nach Werder. Die erste hohe Zeit erlebte das Baumblütenfest bis zum Ersten Weltkrieg. Und auch damals schon gab es Begleiterscheinungen, die für die Bürger unerträglich wurden. „Ich habe nie so zahlreiche und schwer Betrunkene gesehen“ berichtet 1907 der Arzt Magnus Hirschfeltdt. Und 1924 empfiehlt der Stadtverordnete Nikolaus Osterloh den Werderanern, den guten Wein für den Hausgebrauch aufzuheben und den für die Berliner Gäste zu „taufen“. Er will damit das „schamlose Treiben betrunkener Männer und Frauen“ verhüten. Zu viel Trubel wurde bereits 1930 beklagt. „Die Blütenschlacht von Werder“ schreibt ein Chronist. „120 000 Gäste und alle zwei Meter ein Obstweinstand“, klagt er.

Heft räumt mit zahlreichen Argumenten auf

Das Heft räumt auf mit zahlreichen Argumenten aus dem vergangenen Herbst, die mit „das war immer so“ begannen. So erfährt man von einer „verkehrspolizeilichen Anordnung zu Straßensperrungen“ im Jahr 1936 und das Verlegen der Festmeile von der Friedrichshöhe über Hagenstraße, Schönemannstraße bis zum Kesselgrund. Bereits 1978 fand das Fest hauptsächlich auf der Insel statt.

Von Elvira Minack

Paul Bülow (20) war 2018 der erste Lehrling der Anlagen-Montagen Werder GmbH. Er macht einen so guten Job, dass er nun als Azubi des Monats von der Handwerkskammer Potsdam ausgezeichnet wurde. Um seine Zukunft muss er sich keine Sorgen machen.

07.02.2020

Sie wurden für die Hochzeit der Seele mit Jesus Christus gefertigt: Denkmäler des Totenkronen-Brauches. Starben unverheiratete Kinder und Jugendliche, waren Schlummerkissen und Konsolenbretter Widmungen für die Bestattung, die gleichzeitung Ersatzhochzeit war. In der Derwitzer Kirche wurden sie nun wiederentdeckt. Und überraschten.

06.02.2020

Nach 16 Jahren gibt Renate Vehlow den Vorsitz im Vorstand ab. Sie möchte sich auf ihre anderen kommunalpolitischen Aufgaben konzentrieren. Ihre Nachfolgerin Christiane Fritzsche möchte fortführen, was Vehlow angestoßen hat und noch so einiges mehr.

05.02.2020