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Werder (Havel) Mehr Bewegung im Stadtwald
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Mehr Bewegung im Stadtwald
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06:56 09.09.2019
Moritz Linow (l.) und Wolf Ahner stellen ihr Konzept vor – sie schlagen mehr Sportgeräte im Wald vor, um ihn für die Nutzer attraktiver zu machen. Quelle: Stephan Laude
Werder

Ungewöhnliche Zeit, ungewöhnlicher Ort: Die Ausschüsse für Soziales und für Stadtentwicklung der Werderaner Stadtverordnetenversammlung tagten am Sonnabendvormittag an der frischen Luft, nämlich im Stadtwald. Denn es ging um dessen künftige Nutzung. Außer den Stadtverordneten waren auch andere interessierte Bürger gekommen.

Neuer Schwung in der Diskussion

Überlegungen zu einer teilweisen Umgestaltung des Stadtwaldes waren immer mal wieder laut geworden. Ein neuer Anlauf zu einer öffentlichen Debatte wurde Ende vorigen Jahres genommen. Nun soll neuer Schwung in die Sache kommen. Wolf Ahner und Moritz Linow vom Büro Ahner Landschaftsarchitektur aus Königs Wusterhausen präsentierten ihre Konzeptstudie für den Wald. Sie geht von zwei Erkenntnissen aus. Erstens: Sitzen ist das neue Rauchen; die Folgen des Bewegungsmangels kostet das deutsche Gesundheitswesen jährlich mehr als zehn Milliarden Euro. Zweitens: Menschen, die Sport treiben, tun dies mehrheitlich nicht in Vereinen, sondern individuell.

Disc-Golf-Parcours im Grünen

Nach den Vorstellungen der beiden Architekten könnte der Stadtwald deshalb eine noch stärker ausgeprägte Funktion als Ort der Bewegung, aber auch der Begegnung erhalten. Er soll – wenn die Kommune das möchte – um mehrere dezentrale Angebote bereichert werden. Dazu sollen keine Großbäume weichen, lediglich Büsche müssten hier und da beseitigt werden: an einer Lichtung zum Beispiel, die beim Rundgang am Sonnabend in Augenschein genommen wurde. Dort könnten Sportgeräte aufgebaut werden, erläuterte Ahner. Gedacht ist auch an einen Disc-Golf-Parcours, wie er erfolgreich und ohne Beeinträchtigungen in den Potsdamer Volkspark integriert wurde. Bei diesem Sportspiel wird mit Frisbee-Scheiben auf Körbe gezielt. Auch andere Trendsportarten seien möglich. Auslaufmöglichkeiten für Hunde soll es weiterhin geben. Die Wege sollen bleiben wo sie sind, aber „ertüchtigt“ werden, um auch Regengüssen standzuhalten. Beschilderungen sollen auf die Tier- und Pflanzenwelt des Waldes aufmerksam machen.

Im Stadtwald von Werder befinden sich einige Sportgeräte, die lange nicht mehr genutzt wurden. Sie müssten saniert beziehungsweise ausgetauscht werden. Quelle: Stephan Laude

Die ersten Reaktionen der Stadtverordneten und der Besucher waren allerdings zurückhaltend. Eine Mutter von drei Kindern sagte, der Wald sei für die Erholung schon so wie er ist durchaus attraktiv, die Stadt solle lieber mehr Geld in die Verbesserung der vorhandenen Spielplätze stecken. Auch wurde bezweifelt, dass Sportgeräte ausgerechnet im Wald Sinn ergäben.

Voraussichtlich im Januar soll das aktive Beteiligungsverfahren für de Bürger beginnen – und zwar in zwei Workshops, einem offenen und einem geschlossenen, wie Linus Strothmann, Referent für Einwohnerbeteiligung bei der Stadtverwaltung, erläuterte. Beim offenen Workshop kann jeder kommen, der Interesse hat. Strothmann erwartet zum Beispiel Vertreter von Sport- und Naturschutzvereinen.

Erst Tonstich, dann Stadtwald

Zwischen dem Großen Plessower See und dem Stadtzentrum liegt der Stadtwald. Im 19. Jahrhundert ist im Bereich des hügligen Waldes Ton abgebaut worden. Der Hauptweg zeichnet noch heute den Schienenverlauf für die Loren nach.

Später wurde das Gelände mit Bäumen bepflanzt und zu einem „Bürgerpark“ umgewandelt. Nach der Definition des Brandenburger Waldgesetzes handelt es sich aber eindeutig nicht um einen Park, sondern um einen Wald. Seit den 1990-er Jahren wird er landschaftspflegerisch betreut.

Die Teilnehmer des geschlossenen Workshops sollen durch Anschreiben gewonnen werden. Die Adressen werden nach dem Zufallsprinzip dem Melderegister entnommen. Erforderlichenfalls spricht Strothmann die Leute auch persönlich an, um sie für die Mitarbeit zu gewinnen. Er hat damit schon gute Erfahrungen an seinem früheren Arbeitsort Falkensee (Havelland) gemacht. Die Teilnehmer geschlossener Workshops hätten zuweilen etwas Scheu, im größeren Kreis ihre Meinungen vorzutragen, aber diese Meinungen seien häufig sehr interessant, sagte Strothmann. Zudem würde mit dem Zufallsprinzip ein Querschnitt der Bevölkerung erreicht werden.

Die vorhandenen Wege im Stadtwald Werder sollen so bleiben, wie sie ursprünglich angelegt wurden. Quelle: Stephan Laude

Erst nach den Workshops wird sich auch die Stadtverordnetenversammlung mit dem Wald befassen. Da bisher offen ist, ob das Konzept komplett oder teilweise umgesetzt wird oder ob sich die Auffassung durchsetzt, den Wald so zu belassen wie er ist, lässt sich über die Kosten noch nichts sagen. Eine grundsätzliche Hürde scheinen sie nicht zu sein. Der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, Peter Kreilinger (CDU), hatte zu Beginn der Sitzung im Grünen gesagt, die Stadt Werder sei „steuerseitig nicht schlecht aufgestellt“.

Von Stephan Laude

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