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Werder (Havel) Wie sich Werder seit der Wende verändert hat
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Wie sich Werder seit der Wende verändert hat
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00:22 28.03.2019
Seit der Wende hat sich viel getan: So sah die Torstraße in Werder um das Jahr 1989 aus.
Seit der Wende hat sich viel getan: So sah die Torstraße in Werder um das Jahr 1989 aus. Quelle: Stadtarchiv Werder
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Werder

Eines weiß Frank Weber noch ganz genau: Der 3. Dezember 1989 war in Werder ein nasskalter, ein nebeliger Tag. Wenige Wochen, nachdem die Grenze geöffnet worden war, – die DDR fiel langsam in sich zusammen – zog ein Demonstrationszug durch Werder – von der Insel bis zum Stadtbahnhof. Weber lief mit und hielt ein Plakat in die Höhe: „Keine Führungsrolle für die SED“ stand darauf. „Damals ging es darum, die erreichten Positionen zu sichern und mit den Veränderungen nicht locker zu lassen“, sagt Weber.

Heute – drei Jahrzehnte später – geht es längst um anderes. Die politische Wende ist vollzogen, der Fall der Mauer ist länger her, als die Mauer Deutschland einst teilte. Und auch Werder hat sich gewandelt – so sehr, dass der Blick in die Vergangenheit lohnt. Die Ausstellung „30 – Eine Generation“, die am Donnerstag in der Stadtgalerie Kunst-Geschoss startet, versucht genau das.

30 Jahre sind statistisch gesehen eine Generation

„30 Jahre sind statistisch gesehen genau eine Generation“, sagt Weber, der die Ausstellung kuratierte, „die Wende ist mittlerweile so lange her, dass man das Thema einmal anders angehen muss“. Man müsse wissen, wo man herkommt, um zu verstehen, wo man heute steht, sagt Weber.

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Dafür montiert Weber in seiner Werder-Schau Altes mit Neuem. Zentral für die Ausstellung sind Fotos alter Straßenzüge, Gebäude und Panoramen aus dem Stadtarchiv. Kombiniert mit den aktuellen Aufnahmen derselben Motive ergibt sich ein gutes Bild des Änderungsprozesses. Dabei braucht es keinen Kennerblick, um zu sehen, wie sehr die Stadt sich gewandelt hat in den vergangenen 30 Jahren.

In Werder hat sich viel verändert

Aus geflicktem Kopfsteinpflaster wurden glatte Straßen, aus heruntergekommenem Mauerwerk wurden sanierte Häuser. „Im Prinzip hatten wir vorher ja weder Geld, um abzureißen, noch, um zu erneuern“, sagt Weber.

Auf einem Bild ist schon im Jahr 1991 eine aufgerissene Straße zu sehen. So schnell begannen manche Arbeiten, um die Infrastruktur zu erneuern. Die Baustelle entstand, weil die Kanalisation deutlich ausgebaut werden musste. Nur 35 Prozent der Haushalte waren im Jahr 1989 an das Abwassernetz der Stadt angeschlossen. „Es ist schon beeindruckend, wenn man das hier und damit auch die Entwicklung Werders heute sieht“, sagt Beigeordneter Christian Große (CDU), selbst ein Kind der Stadt.

Wandzeitungen zeugen von der Wendezeit

Ergänzt wird die Schau mit „Wandzeitungen“ zur Gründung der Bürgerbewegung Neues Forum in Werder und dem ersten Runden Tisch. „Als am 29. Oktober 1989 im Werderaner Evangelischen Gemeindehaus die Unterschriften der Gründungsmitglieder des Neuen Forums geleistet wurden, stand noch die Stasi vor der Tür und schrieb Autonummern auf“, sagt Weber, der als städtischer Künstler selbst zu den 21 Unterzeichnern gehörte. Einige Wende-Bilder von ihm und ein großformatiges Gemälde des Potsdamers Wolfgang Libert zeugen von der Stimmung, die damals unter den DDR-Intellektuellen herrschte.

Das ist die Ausstellung „30 – Eine Generation“

Die Wende-Bilder der Ausstellung „30 – Eine Generation“ in der Stadtgalerie Kunst-Geschoss, Uferstraße 10 sind vom 28. März bis zum Ostermontag, 22. April, zu sehen. Geöffnet ist immer Donnerstag, Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr. Nur Karfreitag bleibt die Ausstellung geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Zu sehen sind zahlreiche alte Fotos und neue Aufnahmen, die Fotograf Jürgen Steinberg eigens für die Ausstellung erstellt hat. Daneben werden auch „Wandzeitungen“ und zwei Diashows mit alten DDR-Bildern aus der Havelstadt gezeigt. Eine stammt von der unlängst verstorbenen Heimatkundelehrerin Ilse Hahn.

In der Ausstellung können Besucher an einem Zehn-Fragen-Quiz zur Wendezeit in Werder teilnehmen. Wer alle Fragen richtig beantwortet, hat die Chance, unter anderem die siebenbändige Chronik der Havelstadt zu gewinnen.

Dabei schafft es die Ausstellung, immer wieder auch zu überraschen. So entdeckte Beigeordneter Große erst beim Begehen der Ausstellung, dass seine Schwester zu den Gründungsmitgliedern des Neuen Forums gehört haben muss – sie hat auf der ersten Liste unterschrieben. „Das wusste ich nicht, aber es ist eindeutig ihre Schrift. Ich muss mich mal erkundigen. Da habe ich schon ein bisschen Gänsehaut bekommen“, sagt Große.

Und auch das Plakat, das Kurator Weber am 3. Dezember 1989 durch Werder trug, ist in der Ausstellung zu sehen. „Ich hätte damals eigentlich alle Transparente aufheben sollen, das wäre heute sehr interessant“, sagt Weber. Bis in das Jahr 2019 hat es aber nur das Anti-SED-Plakat geschafft. In der Ausstellung ist es heute Zeugnis einer bewegten Zeit. „Die Altgeneration erkennt die Situation von damals, die Neugeneration bekommt einen Eindruck, wie sich Werder verändert hat“, sagt Weber. Damit sei die Ausstellung auch eine, die die Identität fördere. Und eine, die den blick von der Vergangenheit bis in die Gegenwart richtet.

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Von Ansgar Nehls