Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Werder (Havel) Bau der Havel-Therme geht weiter
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Bau der Havel-Therme geht weiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:16 12.05.2019
Entwurf der Havel-Therme des ausführenden Bauunternehmers Andreas Schauer aus. Quelle: quelle: Schauer&Co
Werder

 In den Havelauen geht es endlich weiter. An der Havel-Therme wird wieder gebaut. Seit knapp zehn Tagen laufen die ersten Arbeiten der Bäder-Firma Schauer und Co. Am Sonnabend steht der offizielle erste Spatenstich für den nächsten Bauabschnitt auf dem Plan.

Seit 2014 standen die Bauarbeiten still

Es ist ein erstes sichtbares Vorankommen nach zähem Hin und Her. Doch wie kam es dazu? Warum wurde dieses Projekt ein solcher Stresstest für die Kommune an der Havel?

Beinahe zehn Jahre währt die Geschichte nun. 2010 bekam die Kristall Bäder AG aus Bayern den Zuschlag von den Stadtverordneten für den Bau und den Betrieb des Bades. 18 Millionen Euro sollte es kosten. Im Dezember 2012 sollte es fertig sein. Doch die Bauarbeiten zogen sich. 2014 dann der Paukenschlag: Die Stadt Werder kündigte den Projektvertrag mit der Kristall Bäder AG, auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung. Das Bäderunternehmen hatte wegen angeblich gestiegener Baukosten und mehr Luxus als geplant mehr Geld von der Stadt gefordert. Seit 2014 standen die Baumaschinen still.

Sport- und Spa-Bereich plus Familienbereich

Im vergangenen Jahr wurde das Bäder-Unternehmen Schauer aus Überlingen in Baden-Württemberg als neuer Partner für das Millionen-Projekt ausgewählt. Die Kosten stiegen im Zuge dessen von ursprünglich 18 auf 28,3 Millionen Euro.

„Wir ergänzen den Rohbau unseres Vorgängers um einen großen Familienbereich“, sagt Firmenchef Andreas Schauer, „es wird ein Bereich sein, in dem die Kinder sich so richtig austoben und Quatsch machen können.“ Der Familienbereich wird einer von drei großen Arealen sein. Daneben gibt es noch den Sport-Bereich und den Thermenbereich.

Vielfältiges Angebot

Drei Bereiche sind in der Havel-Therme geplant: Sport, Familie und Therme/Spa. Es wird das klassische 25-Meter-Becken geben, Sprungbretter, drei verschiedene Kleinkinderbecken, einen Wildwasserkanal, zwei große Röhrenrutschen, zwölf Saunen und Dampfbäder, Poolbars und Restaurant mit Blick auf die Havel. Der Familienbereich soll besonders günstig werden, mit Preisen ab 2,50 Euro.

Im Spa-Bereich wird es sechs Behandlungsräume geben für Massagen und andere Annehmlichkeiten. Außerdem können die Badgäste einen privaten Spa-Bereich buchen: Mit eigenem Dampfbad, eigenem Whirlpool und eigenem Masseur.

„Abreißen wäre für mich keine Option gewesen“

Im Frühjahr 2021 soll die Therme ihre Türen öffnen, neun Jahre nach dem ursprünglich geplanten Eröffnungstermin. „Ich finde es gut, dass es jetzt zu Ende gebracht wird“, sagt die Werderanerin Heike Woite (56). „Abreißen wäre für mich keine Option gewesen, weil die Leute hier darauf warten, dass es eine Schwimmhalle gibt. Die fehlt ja auch.“

Eigentlich mache sie die ganze Geschichte aber sprachlos, „weil das Ding nun ein paar Jahre dasteht, und es ist schon wieder so viel kaputt.“ Sie zweifelt daran, dass sich das Bad irgendwann wirtschaftlich allein wird tragen können. Dafür sei es schlicht zu groß. „Ich bin der Meinung, dass man klein hätte anfangen sollen und dann hätte man nach und nach dazubauen können. Das funktionierte so in Senftenberg zu DDR-Zeiten mit der Schwimmhalle dort super.“

Wegen der Therme nach Werder gezogen

Mimmo Kalele (50) freut sich ebenso riesig, dass die Bauarbeiten an der Havel-Therme endlich weitergehen. Seit 2015 betreibt er in den Havelauen ein italienisches Restaurant. „Ich bin damals wegen der Therme hergekommen“, sagt er. „Jetzt hoffe ich, dass sie so schnell wie möglich fertig wird.“ Er hoffe auf viel neues Publikum.

Doch auch wenn seit einiger Zeit feststeht, dass die Bauarbeiten nach Jahren des Stillstandes fortgesetzt werden: Die Havel-Therme kommt nicht raus aus den negativen Schlagzeilen. Erst in dieser Woche wurde in Medienberichten bekannt, dass die Potsdamer Staatsanwaltschaft gegen Meiko Rachimow ermittelt. Er soll im November in die Havel-Therme eingebrochen sein und gemeinsam mit einem bislang noch unbekannten Komplizen Unterlagen und Werkzeuge gestohlen haben. Der Schaden belief sich bei dem Vorfall auf 12 000 Euro. Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) will Rachimow auf Video-Aufnahmen erkannt haben und hat eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt.

Bürger sind zum Spatenstich eingeladen

Nun ist die Stadtverwaltung erst einmal bemüht, positive Nachrichten um das Millionen-Projekt zu fördern. Sie hat gemeinsam mit der Firma Schauer die gesamte Stadtbevölkerung zum Spatenstich eingeladen. Die Bürger sollen sich detailliert darüber informieren können, was sie in dem künftigen Bad erwarten wird. Für einen Blick in den Bau müssen sich die Werderaner aber noch gedulden. Erst im Herbst ist eine Baustellenbesichtigung geplant.

Lesen Sie dazu auch:

Von Annika Jensen

In einigen Ortsteilen von Werder sieht man zurzeit kaum noch Briefträger – zum Ärger der Einwohner. Die Post bestätigt: Derzeit sind zu viele Zusteller krank. Und auch das Baumblütenfest sei schuld.

09.05.2019

Mit dem ersten Spatenstich haben am Dienstagvormittag offiziell die Bauarbeiten für eine neue Kita in Glindow begonnen. Die kommunale Haus- und Grundstücksgesellschaft (HGW) wird im Auftrag der Stadt einen Neubau für etwa 100 Kitaplätze errichten.

07.05.2019

Ein Volksfest und seine Folgen: betrunkene Jugendliche, mehr Patienten in den Notaufnahmen, verwüstete Züge. Das sagen die Verantwortlichen zum Fest in Werder.

06.05.2019