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Werder (Havel) Berufsfeuerwehr ist noch fern
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Berufsfeuerwehr ist noch fern
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07:12 08.01.2019
Die Werderaner Feuerwehr löscht Brände, rettet Mensch und Tier, öffnet zugefallene Türen, bindet Öl auf Wasser oder hilft nach Unfällen. Quelle: Julian Stähle
Werder

Die gute Nachricht: Alle sieben Ortsfeuerwehren konnten personell mit dem stetigen Wachstum der Stadt Werder Schritt halten. In den zurückliegenden 15 Jahren sind überall neue Ehrenamtler dazu gekommen. Plessow und Phöben konnten die Mitgliederzahl sogar verdoppeln. Die schlechte Nachricht: Besonders tagsüber brauchen die Feuerwehrleute trotzdem Verstärkung, um die durchschnittlich 1,1 Einsätze pro Tag sicher abdecken zu können. Laut Gefahrenabwehrbedarfsplan, den die Stadtverordneten jüngst verabschiedet haben, werden in den nächsten fünf Jahren insgesamt mindestens 40 zusätzliche Männer und Frauen in den Ortswehren benötigt.

Die Firma Forplan hat sich intensiv mit dem Ist-Zustand der Feuerwehren in Werder (Havel) beschäftigt, sowohl deren Personal als auch ihre Ausstattung untersucht und analysiert, wie schnell sie zur Hilfe eilen. Heraus kam der Gefahrenabwehrbedarfsplan, der eine Art Fahrplan für Kommune und Feuerwehr darstellt. Überraschungen kamen dabei nicht zum Vorschein, wie die Stadtwehrführung auf MAZ-Nachfrage erklärte. Dass die Feuerwehrleute in Werder zum Beispiel vergleichsweise sehr viele Einsätze meistern müssen, war für die Retter und die Verwaltung als Träger des Brandschutzes beispielsweise klar. „Es schwarz auf weiß zu sehen, war dennoch erstaunlich“, gab Philipp Konopka, Mitarbeiter im Bereich Brandschutz der Stadtverwaltung, zu. „Erschreckt haben uns die Zahlen nicht, sie waren eher eine Bestätigung, auch für die jährlichen Investitionen über 350 000 Euro, die schon eine gute Richtung sind“, sagte Fachbereichsleiterin Ulrike Paniccia. Dem Gefahrenabwehrbedarfsplan zufolge sollten in den Jahren 2020 bis 2022 insgesamt mehr als 2,2 Millionen Euro in Fahrzeuge, Ausstattung wie Wärmebildkameras gesteckt werden.

Auf Hilfe der Nachbarn angewiesen

Auf den ersten Blick erschreckend sind für den Laien die Ergebnisse zu Hilfsfrist und Schutzziel im Bedarfsplan. Darin heißt es, dass die Werderaner Feuerwehren in nur 17,4 Prozent der zeitkritischen Einsätze rechtzeitig und mit genügend Personal ankommen. „So schlecht sind wir aber nicht“, sagte Vize-Stadtwehrführer Stephan Kranig. Grundlage für diese Berechnung waren nur 65 relevante Einsätze der zurückliegenden drei Jahre, was einen Bruchteil der mehr als 800 Einsätze darstellt, die die Feuerwehren zu meistern hatten. Das Schutzziel gibt vor, dass in mindestens 80 Prozent der Einsätze mindestens neun Feuerwehrleute innerhalb von acht Minuten nach Alarmierung eintreffen. Allein das zu schaffen, sei kaum möglich, wenn es nach Petzow oder Bliesendorf geht. Die Dörfer liegen teils mehr als zehn Kilometer von der Hauptwache entfernt und haben keine eigenen Ortswehren mehr.

Philipp Konopka, Stephan Kranig und Sebastian Schenk (v.l.) mit dem Gefahrenabwehrbedarfsplan. Quelle: Luise Fröhlich

In solchen Fällen ist die Stadt auf die Hilfe der Nachbarn angewiesen, erklärt Vize-Stadtwehrführer Sebastian Schenk: „Wir können nur mit dem arbeiten, was da ist. Es heißt, wir sollen das nächstgelegene Einsatzmittel zum Einsatz bringen“ Eine sichere Bank für Einsätze am Tag sind die etwa zehn Mitarbeiter der Stadtverwaltung, speziell des Bauhofes, die in der Feuerwehr aktiv sind. Viele Ortswehren sind auf die Verfügbarkeit von Schichtarbeitern angewiesen.

An hauptamtliche Feuerwache ist noch nicht zu denken

Sebastian Schenk und Stephan Kranig bilden derzeit kommissarisch eine ehrenamtliche Stadtwehrführung. Bis vorigem Jahr hatte Werder einen hauptamtlichen Stadtwehrführer. Das Hauptamt soll perspektivisch wieder neu besetzt werden, sagte Ulrike Paniccia. An eine durchgehend und hauptamtlich besetzte Feuerwache in Werder ist allerdings noch nicht zu denken, obwohl die Ehrenamtler das gleiche Einsatzspektrum bewältigen wie die Berufsfeuerwehr. „An dem Punkt sind wir noch nicht. Der Plan ist eine Arbeitsgrundlage, mit der wir uns in Zukunft fragen können, was möglich ist. Das muss dann auch in den Gremien diskutiert werden“, so die Fachbereichsleiterin. Zugestimmt haben die Stadtverordneten auf CDU-Antrag einer Vollzeitstelle für den Gerätewart. Der Gefahrenabwehrbedarfsplan ist künftig auch eine Voraussetzung, um Fördermittel für Gerätehäuser oder Einsatztechnik zu bekommen.

Sehr positiv bewerten die Experten von Forplan die Jugendarbeit der Feuerwehren. Insgesamt 19 Jugendliche sind in den vergangenen fünf Jahren in den aktiven Dienst gewechselt. Über die Hälfte aller Einsatzkräfte kommt über die Jugendfeuerwehr. „Wir haben in der Jugendarbeit einen qualitativen Sprung gemacht und sie im Budget des Brandschutzes auch extra ausgewiesen“, sagte Ulrike Paniccia.

Für die Zukunft empfiehlt Forplan unter anderem alle aktiven Feuerwehrleute zu Truppführern auszubilden, um sie flexibel einsetzen zu können. In der Werderaner Ortswehr sind unter den 33 Aktiven zum Beispiel elf Truppführer. Um den insgesamt benötigten Zuwachs zu erreichen, soll die Zusammenarbeit mit ortsansässigen Firmen verstärkt, mehr Werbung gemacht und regelmäßig über Facebook oder die Homepages informiert werden.

Knapp 20.000 Liter Löschwasser

Basis des Gefahrenabwehrbedarfsplans ist die Gefahren- und Risikoanalyse. Gemeinden, Ämter und kreisfreie Städte in Brandenburg sind verpflichtet, einen solchen Bedarfsplan aufzustellen.

144 freiwillige Einsatzkräfte waren zum Analysezeitpunkt Anfang 2018 insgesamt in der Werderaner Feuerwehr aktiv. Die meisten sind zwischen 30 und 40 Jahre alt.

Alle Ortsfeuerwehren betreiben eigene Jugendgruppen. Zu den ersten, die eine eingeführt haben, zählen Plessow, Töplitz und Derwitz (1993).

Im ersten Halbjahr 2018 kamen die Werderaner Feuerwehren auf 191 Einsätze. 76 davon waren Brände. Wie viele Einsätze es im vergangenen Jahr insgesamt waren, wird erst nach der Jahreshauptversammlung Anfang Februar bekannt gegeben.

Alle Feuerwehr-Fahrzeuge der Wehren zusammengenommen, stehen insgesamt knapp 20.000 Liter Löschwasser bereit.

Von Luise Fröhlich

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