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Werder (Havel) Braten zu Weihnachten: Enten werden immer beliebter
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Braten zu Weihnachten: Enten werden immer beliebter
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00:28 24.11.2018
Enten werden immer gefragter: Rund 300 leben auf dem Hof von Stephan Hübner in Derwitz.
Enten werden immer gefragter: Rund 300 leben auf dem Hof von Stephan Hübner in Derwitz. Quelle: Fotos: Anne Knappe
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Werder

 Der Ruf hört sich fast an wie der Name Nele. Stephan Hübner wiederholt die Laute wie ein stetes Mantra. Die erste Silbe zieht er lang, die zweite spricht er fast mehrmals schnell nacheinander. Der 49-Jährige steht vor der Weide in Derwitz. Der Lockruf wirkt. Neugierig recken die Gänse ihre Hälse und nähern sich dem Zaun. Stephan Hübner muss schmunzeln – so dressiert wie sie in just diesem Moment wirken, sind sie natürlich sonst nicht.

Rund 300 Gänse und 300 Enten, sogenannte Flugerpel und Mularden, schnattern hier gegenüber vom Hofladen in der Derwitzer Chaussee 1 friedlich auf den Weiden. Schon seit zehn Jahren bezieht der Landwirt seine Tiere von einem Geflügelhof in Nordrhein-Westfalen. Drei Wochen waren sie gerade mal alt, als sie Mitte Juni herkamen. Sie haben ein gutes Leben, bis es ihnen bald an den Kragen geht. Ein paar Felder weiter grasen die Enten und schlürfen Wasser. Tagsüber watscheln sie auf der Wiese herum, nachts kommen sie in den Stall. Das dient dem Schutz vor Füchsen, aber auch vor diebischen Zweibeinern, die gerade in der Vorweihnachtszeit Gänse stehlen.

„Die Nachfrage ist groß“, sagt der Landwirt. Wer zu Weihnachten noch einen Braten essen möchte, muss sich ranhalten. So sind 95 Prozent der Tiere bereits reserviert. Die meisten Bestellungen wurden direkt beim Kauf der letzten Gans oder Ente 2017 gemacht. „Die ersten fragen dann ab September an“, weiß Hübner. Den Andrang führt er auch darauf zurück, dass viele Hobbyhalter, also jene mit einem kleinen Bestand zwischen zehn bis zwanzig Tieren, in diesem Jahr keine Gänse gehalten haben.

Stephan Hübner bietet seinen Gänsen in Derwitz viel Auslauf und ein glückliches Leben, bevor es ihnen an den Kragen geht. Quelle: Anne Knappe

Trockenheit wirkt sich kaum aus

Hübner hatte zwar keine massiven Probleme mit der Dürre, musste sich aber auch umstellen. Die Wiesen waren zwischendurch schneller leer gefressen und er musste die Tiere dadurch häufiger umsiedeln. Kaum eine Woche konnten sie auf einer Weide stehen, ehe sie wechseln mussten. Auch zufüttern musste er öfter als sonst – je nach Bedarf gab es Gerste, Weizen oder Hafer. Zukaufen musste er nichts, die eigene Ernte reichte aus.

Der Landwirt führt den Derwitzer Betrieb schon in der fünften Generation fort. 1993 hat er die Geschäfte übernommen. Auf rund 200 Hektar Land baut er neben Kirschen, Himbeeren, Erdbeeren auch Weizen, Raps und Roggen an. Neben der Pension Gemeinsam mit seiner Frau Ina (47) betreibt er neben der Pension auch seit sechs Jahren in Derwitz direkt an der B1 einen kleinen Hofladen. „Die Leute wollen wissen, wo ihr Essen herkommt“, sagt er. Sechs Verkäuferinnen und bis zu zehn Saisonkräfte beschäftigt er.

Enten sind gefragt

Früher hatte er mal mehr Gänse. Heute hat er den Entenbestand erweitert. Denn immer häufiger kommen nun auch Singles oder Paare, um einen Weihnachtsbraten zu bestellen. „Die nehmen lieber Enten, weil sie kleiner sind“, sagt der Landwirt.

Zum Martinstag am 11. November gingen die ersten Braten weg. „Viele haben den Sonntag genutzt, um eine Ente oder eine Gans in den Ofen zu schieben“, so Hübner. Zwischen 50 und 80 hat er verkauft. „Mehr als in den Jahren zuvor.“ Mit dem Martinstag hat er auch mit dem Schlachten begonnen, die ersten Waren wurden bereits abgeholt. Seine Frau Ina und auch Sohn Marius (24), der gerade seinen Master in Agrarwissenschaften abgeschlossen hat, helfen beim nachpulen und ausnehmen.

Hier gibt es regionale Ware

Der Hofladen befindet sich an der B1 in der Derwitzer Chaussee in Werder. Er hat an jedem Tag, das ganze Jahr geöffnet.

Angeboten werden dort Obst, Gemüse, Säfte, Wein, hausgemachte Marmeladen, Gelee, Pflaumenmus, Honig, Backwaren, Eier, Eierlikör, Wurstwaren, Wildprodukte, Molkereiprodukte oder Senfspezialitäten.

Bestellungen können vor Ort entgegen genommen werden, per Mail an derwitzer-hof@ t-online.de oder telefonisch 033207/51 404.

Qualität statt Billigware

Der Kilopreis liegt sowohl bei der Ente, als auch bei Gänsen bei 13,90 Euro. Von billiger Importware aus dem Ausland hält er nicht viel. „Wir produzieren hier gesunde Lebensmittel, die qualitativ besser sind. Es ist langsam gewachsenes Fleisch – die Leute sind auch bereit dafür mehr zu zahlen“, so Hübner. Zudem sind auch die Kontrollen in Deutschland strenger, versichert er.

Im Schnitt bringen die Ganter und Erpel mehr Kilos auf die Waage. Die Enten wiegen je nach Art und Geschlecht zwischen zwei und vier Kilos, Gänse zwischen dreieinhalb und sechs Kilo. Schwerer sollten sie auch nicht werden, sonst verfetten sie und passen kaum noch in den Ofen, weiß der Landwirt. Stephan Hübner wird zu Hause mit seiner Frau und seinen zwei Kindern auch in diesem Winter Gans essen – sofern noch eine übrig bleibt, denn reserviert hat er sich keine.

Von Anne Knappe