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Werder (Havel) Buch zur Post-Geschichte vorgestellt
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Buch zur Post-Geschichte vorgestellt
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17:13 14.01.2019
Wolfgang Heitsch präsentiert sein Buch mit Bürgermeisterin Manuela Saß und Verleger Rainer Lambrecht. Quelle: Luise Fröhlich
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Werder

Zwei Stuben hatte Bürgermeister August Friedrich Reitz im Jahr 1843 in seinem Wohnhaus an die Post vermietet. Damit war die erste Postanstalt Am Markt 2 in Werder aus der Taufe gehoben, doch der Platz reichte für die vielen Briefe und Pakete bald nicht mehr aus. 1871 bezog die Postexpedition in ihr neues Domizil Am Markt 6, das vormals als Rathaus genutzt wurde. Entgegen bisheriger Annahmen räumt der Briefmarkensammler und Autor Wolfgang Heitsch in seinem neuen Buch damit auf, dass es schon ab dem Jahr 1785 eine Postanstalt in Werder gegeben haben soll. Dafür gebe es keine konkreten Hinweise, schreibt er und erklärt, dass es sich lediglich um eine Briefsammelstelle gehandelt haben muss.

Zweieinhalb Jahre Arbeit stecken in den knapp 400 Seiten zur Geschichte der Post in und um Werder. Wolfgang Heitsch (79), der viele Jahre in der Blütenstadt lebte, konnte sein Buch mithilfe zahlreicher Sponsoren endlich herausgeben und hat es am Montag im Werderaner Rathaus vorgestellt. Es trägt den Titel „Postreiter und die Briefe in der Waschküche“ und handelt all das ab, was in den Werder-Chroniken bislang zu kurz kam, erklärt er. Bewusst hat er die Vergangenheit der lokalen Post in die gesamte deutsche Post-Geschichte und in die allgemeine Historie eingebettet. Erste Verbindungen zu Werder fand Wolfgang Heitsch bereits in Zeit der Hanse (12. bis 17. Jahrhundert), mit der er seine Abhandlung beginnt.

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Aufschwung für die Post in Werder

In der Klosterchronik Lehnin etwa las er nach, dass mit Getreide beladene Plattbodenschiffe vom Lehniner Klosterteich in die Havel und in die Elbe bis nach Hamburg fuhren. „Handel und Wandel brachte die Boten auf die Tagesordnung, die sowohl Briefe mit transportierten als auch mündlich Mitteilungen überbrachten“, sagt Wolfgang Heitsch.

1926: Das Werderaner Postamt hatte zwei Phänomobile, Dreiradwagen des Zittauer Motorradherstellers Phänomen. Quelle: Sammlung Kurt Pape

Mit der Einführung des Saisonpostamtes zur Kirsch- und Beerenernte 1882 und dem Postkarten-Aufwind zur Zeit des Blütenfestes erlebte die Post in Werder einen Aufschwung. „Die Post hat damit auch zum wirtschaftlichen Erfolg der Stadt beigetragen“, erklärt Wolfgang Heitsch. 1895 folgte die Straßenpferdebahn, deren vierter Wagen über ein eigenes Postabteil verfügte. Am 1. November 1896 wurde das Postamt in der Eisenbahnstraße eingeweiht – genau 103 Jahre später gingen die Schalter außer Betrieb. Die Zeit der Weimarer Republik brachte weiteren Aufschwung für die Post inklusive mehr Tätigkeitsbereiche. „Die Post wurde zum Beispiel mit Zeitungsvertrieb und Lotto ein Multifunktionsbetrieb“, so Wolfgang Heitsch.

Brief-Schnüfflerei und Fusion der Postanstalten

Sehr umfangreich befasst sich der Autor mit der Feldpost in den Weltkriegen. Überraschend stellte sich unter anderem heraus, dass das letzte Flugzeuges vom Werderaner Flugfeld erst am 2. Mai 1945 startete – ein Tag, bevor die Rote Armee die Stadt besetzte. Ab Mai 1945 entwickelte sich das Werderaner Leitpostamt beispielhaft in der gesamten Sowjetischen Besatzungszone. Binnen weniger Tage richtete es einen Betrieb nach Berlin, Cottbus, Neuruppin oder Sachsen ein. Die Post in der Amerikanischen Besatzungszone zog erst im August nach.

Wolfgang Heitsch, inzwischen Potsdamer, lässt in der dargestellten Geschichte auch die DDR-Zeit und die damit verbundene Brief-Schnüfflerei und die Vernichtung unliebsamer Post in Ost- und Westdeutschland nicht aus. Ausführlich geht er auch auf die Zweigpostämter in Glindow, Groß Kreutz und Lehnin ein. Das Buch schließt mit der Fusion der beiden deutschen Postanstalten 1995. Die Idee, die Post-Geschichte so ausführlich zu behandeln, kam, als Wolfgang Heitsch für den Band 2 der Werder-Chronik 30 Seiten zur Post schreiben sollte. Das Material reichte für wesentlich mehr.

Zweiter Teil des Vortrages am Dienstagabend

„Es ist für mich auch deshalb ein besonderes Buch, weil der Autor Satz und Layout selbst übernommen hat. Wer konnte das auch besser, als der Sammler selbst?“, sagt Verleger Rainer Lambrecht.

Info: Einblicke in die Post-Geschichte gibt Wolfgang Heitsch am Dienstag beim zweiten Teil seines Vortrages, organisiert vom Heimatverein, in der Comédie Soleil. Beginn: 19 Uhr. Eintritt: 3 Euro, für Mitglieder kostenfrei.

Für 19,90 Euro bei ausgewählten Händlern zu haben

Das Buch „Postreiter und die Briefe in der Waschküche“, äußerlich im Stil der Werder-Chroniken gehalten, ist für 19,90 Euro in der Buchhandlung Hellmich in Werder, bei Thalia in Brandenburg/Havel, beim Internationalen Buch in Potsdam sowie in den Postfilialen in Werder, Glindow, Lehnin und Groß Kreutz zu haben.

Wer ein Exemplar ergattern will, sollte sich beeilen, denn die Auflage (300 Stück) ist begrenzt. Herausgeber ist der Heimatverein Werder, lektoriert und gedruckt wurde es im Knotenpunkt Verlag.

Von Luise Fröhlich