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Werder (Havel) Comédie Soleil Werder: Lovecraft-Theater voller dunkler Geheimnisse
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19:27 29.09.2019
Frank Dukowski als Student in der Episode „Die Musik des Erich Zann“. Er zeigt das Lovecraft-Werk in der Comédie Soleil in Werder. Quelle: Diether Godbersen
Werder

Es sind wirklich zwei unheimliche Geschichten, die am Samstagabend in der Comédie Soleil ihre Bühnenpremiere erlebten. Nein, es gibt weder Vampire noch fliegen blutige Körperteile durch die Luft. Dafür sind die Begebenheiten, die Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) vor langer Zeit aufschrieb, viel zu geerdet. Der amerikanische Autor entführt nicht in Scheinwelten. Man glaubt immer, dass es so oder ähnlich geschehen sein könnte. Wenn man in einer Extremsituation ist oder eine Portion Wahnsinn im Spiel ist, könnten die Sinne wahrnehmen, was anderen verborgen bleibt.

Fluch und Unglück in einem U-Boot

Im ersten Einakter „Der Tempel“ diktiert ein einsamer deutscher U-Boot-Kommandant auf eine Wachswalze, wie er und sein Boot im Sommer 1917 in eine aussichtslose Lage gerieten. Die Besatzung hatte ein britisches Schiff versenkt. Beim Auftauchen Stunden später finden sie an Deck einen toten jungen Mann. Als man ihn ins Meer gleiten lässt, öffnen sich seine Augen und einige Matrosen schwören, er habe mit kräftigen Schwimmstößen das Weite gesucht.

Fortan wabern schauerliche Gerüchte von einem Fluch durch das Schiff. Dann explodiert unerwartet der Treibstofftank. Das Boot ist manövrierunfähig, die Nerven liegen blank. Sechs Meuterer erschießt der Kommandant eigenhändig, andere wählen den Freitod. Schließlich ist der Kommandant ganz allein und glaubt, im sagenhaften Vineta aufgesetzt zu haben, direkt vor einem Tempel.

Comédie Soleil in Werder (Havel): Frank Dukowski als U-Boot-Kommandant in der Tiefe der See. Quelle: Diether Godbersen

In der zweiten Geschichte „Die Musik des Erich Zann“ hat ein Student irgendwo in Frankreich ein preiswertes Zimmer gefunden in einer Straße mit sehr alten Häusern und Bewohnern. Über sich im Dachgeschoss hört er jede Nacht wundersame Melodien. Dort wohne ein deutscher Gambenspieler, erfährt er vom Vermieter. Als er den alten Musiker bittet, bei seinem Spiel zugegen sein zu dürfen, bemerkt er, dass dieser immer gehetzt und ängstlich zum Fenster blickt. Ein Versuch des Alten, sein Geheimnis niederzuschreiben endet in einem teuflisch wilden Musizieren, das den Studenten fliehen lässt. Haus und Straße findet er nie wieder.

Solo-Stück mit Frank Dukowski als Schauspieler und Regisseur

Schauspieler und Regisseur Frank Dukowski ist alleiniger Macher und Darsteller des Abends. Für ihn ein Mammutprojekt, das er souverän meistert. Er habe Lovecrafts Werk in der Pubertät kennengelernt und später wiederentdeckt, berichtet er. Inzwischen ist er sowohl Mitglied der deutschen als auch der amerikanischen Lovecraft-Gesellschaft und dvon überzeugt, dass der Autor, dem zu Lebzeiten Ruhm versagt blieb, im Kommen ist. Selbst Stephen King spricht von Lovecraft als dem größten Horrorautor des zwanzigsten Jahrhunderts.

Noch zwei Aufführungen Anfang Oktober

Beide Geschichten wurden von Dukowski neu übersetzt und für die Bühne vorbereitet. Bei Julian Tyrasa, einem der beiden künstlerischen Leiter der Werderaner Bühne, fand er Gehör für sein Projekt. „Es ist zwar weder Comédie noch Soleil“, sagt Tyrasa lachend, „aber ich mag Lovecraft auch. Nun bin ich gespannt, wie es beim Werderaner Publikum ankommt.“

„Die unbekannten Dinge der Nacht“ sind am 5. Oktober, 19.30 Uhr, und am 6. Oktober um 17 Uhr zu sehen. Weitere Termine im Januar.

Von Edith Mende

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