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Werder (Havel) Die Gefahr liegt im nassen Sand
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Die Gefahr liegt im nassen Sand
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00:34 13.05.2018
Diese Luftaufnahme zeigt die Lage der Aue an der Havel – schräg gegenüber liegt der Töplitzer Wolfsbruch und geradezu blickt man Richtung Golm. Quelle: Privat
Werder

Kriegen die Auenländer bald nasse Füße? Mit dieser Frage hat sich der Werderaner Ingenieur Steffen Belikat als Gasthörer an der Uni Potsdam beschäftigt und kommt zu folgendem Fazit: „Ich würde dort nicht bauen.“ Im Hochwasser sehe er für die Havelauen keine direkte Gefahr, dafür aber im hohen Ruhewasserspiegel. Vor zwei Jahren hat Steffen Belikat seinen damaligen Vortrag zum Thema Hochwasserrisiko in Werder in einem Video visualisiert und online gestellt. In der Diskussion um die Zukunft der Blütentherme ist seine Recherche nun wieder aktuell. Denn seine zweite These lautet, dass das Bad am Ufer des Zernsees, in das die Stadt weitere 30 Millionen Euro stecken will, auf unsicherem Untergrund steht.

Porenwasser sickert nach

Die Impulsverdichtung, mit der der Baugrund für die Therme verfestigt wurde, war aus seiner Sicht nicht der richtige Weg zu einer soliden Basis. „Das Porenwasser wurde dadurch zunächst aus dem Sand verdrängt, sickert jetzt aber wieder nach“, erklärt der Hobbyforscher. Anderthalb bis zwei Meter stehe das Ruhewasser in der Aue unter Gelände. Mit dem Ruhewasser ist das Oberflächenwasser gemeint, was durch die Havel in die Aue infiltriert wird. Über diesem liegt feinster Sand, dessen Poren sich leicht mit Wasser füllen. „Steigt der Wasserstand der Havel, steigt mit etwas Verzögerung auch der Ruhewasserspiegel in den Havelauen“, so der Töplitzer. Das Risiko bestehe also im Druck- und Stauwasser, das von der Havel in die Auenlandschaft dringt.

Hinzu komme, dass 30 bis 40 Prozent der Havelauen versiegelt sind. Das Wasser staue sich an den dafür vorgesehenen Stellen und wolle zurück in die Havel. Ist der Fluss nach zwei Wochen Regen auf ein bestimmtes Level angestiegen, nehme er aber kein Wasser mehr auf und drücke die Feuchtigkeit zurück.

„Nasse Füße wird so schnell keiner kriegen, aber die Grundplatten und Fundamente der Häuser, nicht nur der Blütentherme, sind gefährdet“, erklärt Steffen Belikat. Sind die Fundamente einmal feucht, sind erhebliche Schäden an den Bauwerken zu erwarten. Im Flächennutzungsplan (FNP) 2020 der Stadt Werder ist hinterlegt, dass die Havel- auen rechtlich noch als Überschwemmungsgebiet gelten. Gleichwohl steht dort geschrieben, dass dieser Status überprüfungsbedürftig ist.

Zernowsee zeigt den Stand

Denn bevor das Militär die Auenlandschaft als Flugplatz nutzte, ließ es einen Uferdamm anlegen und das Gelände aufschütten. Um später einen geeigneten Baugrund für die Wohn- und Geschäftshäuser herzustellen, ist laut Flächennutzungsplan auf weiten Teilen der Aue Boden aufgespült worden. Zu den Überschwemmungsgebieten in Werder zählen außerdem große Teile der Insel Töplitz sowie der Plessower Niederung, schmale Bereiche entlang des Torfgrabens westlich von Phöben sowie der Bereich des Zernowsees. Dieser befindet sich gegenüber der Havelauen auf der anderen Seite der Bahntrasse. „Am Zernowsee lässt sich gut der Ruhewasserstand in den Havelauen ablesen“, sagt Belikat, der bis 2017 mit Vereinsfreunden den Akkuschrauber-Cup in Töplitz organisiert hat. In seiner Freizeit interessiert er sich für Klimaveränderungen und verfolgt seit vielen Jahren Wettergeschehnisse. Dadurch habe er sich als Gasthörer im Studiengang Geoökologie gut aufgehoben gefühlt.

Der Töplitzer machte die Initiative „StadtMitGestalter“, die die Podiumsdiskussion zur Therme organisiert hatte, auf seine Recherche aufmerksam und wird beim nächsten Treffen der Gruppe am 15. Mai in der Klimawerkstatt (Luisenstraße 16) zum Hochwasserrisiko sprechen. „Ich denke, dass dringend untersucht werden sollte, wie es um den Untergrund der Blütentherme bestellt ist“, so Steffen Belikat.

In seiner Präsentation führt er zwei Beispiele von überfluteten Auen an. Die Elbaue Röderau-Süd in Sachsen ist eins. Dort hatten sich in den 90er Jahren 40 Familien den Traum von einem Haus am Wasser erfüllt. 2002 wurde die Siedlung überflutet und musste für 40 Millionen Euro zurückgebaut werden. „Von Röderau-Süd ist kein Ziegel geblieben“, schrieb die„Lausitzer Rundschau“ zehn Jahre später.

Von der Havel geht kein direktes Risiko aus

Fast im ganzen Verlauf der Havel regulieren Wehre und Schleusen die Wassertiefe und Wasserführung des Flusses. Trotz des Ausbaus zur Wasserstraße hat die Havel dank der zahlreichen natürlichen Seen, durch die sie fließt, ein beachtliches Speichervermögen.

Sie hält ihren Wasserstand auch bei längeren Trockenperioden.

Gefährlich hohe Wasserstände sind selten und werden meist im Havelunterlauf von Elbhochwasser ausgelöst. Das zeigt in südlicher Richtung allerdings kaum Auswirkungen.

Von Luise Fröhlich

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