Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Werder (Havel) Die Geschichte der Maler-Familie Protz
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Die Geschichte der Maler-Familie Protz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 24.10.2018
Klaus-Peter Protz als 14-jähriger Malerlehrling im Jahr 1957.
Klaus-Peter Protz als 14-jähriger Malerlehrling im Jahr 1957. Quelle: Privat
Anzeige
Glindow

Schon wegen der Eintracht habe er nie aus Glindow fortgewollt, sagt Klaus-Peter Protz. Die Eintracht ist der Fußballverein, in dem der heute 75-Jährige über viele, viele Jahre mit der 3 auf dem Trikot den Raum vor dem Tor verteidigte. Von den Lokalderbys gegen Werder schwärmt er noch immer. „Da kamen bis zu 1500 Zuschauer. Und solange ich spielte, haben wir nie gegen Werder verloren“, so seine stolze Bilanz. Bis kurz vor seinem 40. Geburtstag stand Protz für die Eintracht auf dem Platz. Die Torwart-Legende Ottomar Raue kannte er noch zu dessen aktiver Zeit, als der auch in der Bezirksauswahl gefragt war. Später trainierte Raue die Glindower Kicker. „Ihm hat der Glindower Fußball viel zu verdanken. Auch wenn es regnete, mit Raue schien immer die Sonne“, sagt Klaus-Peter Protz, und die Erinnerung lässt sein Gesicht für einen Moment strahlen. Natürlich interessiert er sich noch immer für die Ergebnisse der Eintracht-Fußballer, aber er selbst betreibt inzwischen den deutlich ruhigeren Angelsport.

Klaus-Peter und Maja Protz in ihrem Garten. Quelle: Edith Mende

Das gepflegte Haus mit der Aufschrift „Villa Schuth“ ist nicht zu übersehen, wenn man die Glindower Dorfstraße passiert. Klaus-Peter Protz’ Großvater hat es gebaut. Der Militärdienst hatte den Rheinländer Josef Schuth Ende des 19. Jahrhunderts nach Potsdam gebracht. Die Liebe ließ ihn dann hier Wurzeln schlagen und seinen Malerbetrieb gründen. Als seine Tochter später einen Klempner als Heiratskandidaten präsentierte, kannte er kein Pardon. Schwiegersohn durfte nur werden, wer einmal den Malerbetrieb weiterführen konnte. So blieb dem jungen Klempner Josef Protz keine andere Wahl, als mit Pinsel und Farbe ein zweites Handwerk zu erlernen. Ob die Geschichte seiner Eltern eher romantischer oder praktischer Natur war, weiß Klaus-Peter Protz nicht zu sagen. Die Fakten sind in jedem Fall verbürgt. Er selbst hat nie mit einem anderen Beruf geliebäugelt. Schließlich war er im Malerbetrieb des Vaters aufgewachsen und begann ganz selbstverständlich dort auch seine Ausbildung.

Roland Haeßler übernahm den Betrieb

In der Glindower Villa war kein Platz mehr, als Klaus-Peter Protz eine eigene Familie gründete. Notgedrungen wurde er Werderaner. Auch für die Malerfirma, die der Vater ihm 1976 übergab, fanden sich in der Eisenbahnstraße 165 von Werder passende Räume. Anfang 1986 verlor Klaus-Peter Protz seine Frau nach schwerer Krankheit. Sohn Clemens war mit seinen knapp 22 Jahren gerade erwachsen geworden. Ebenso selbstverständlich wie einst sein Vater hatte auch er das Malerhandwerk erlernt, sollte den Familienbetrieb einmal fortführen. Sein Meisterbrief war noch ganz frisch, als er 26-jährig mit dem Auto tödlich verunglückte. In knappen Worten nur spricht Klaus-Peter Protz über diese schmerzlichen privaten Einschnitte. Es fällt ihm sichtlich schwer, die Erinnerungen daran wach zu rufen.

In seinem ehemaligen Angestellten Roland Haeßler fand Protz einen vertrauenswürdigen Nachfolger, dem er Ende 2003 die Firma übergeben konnte. Dann zog er sich allmählich aus dem Berufsleben zurück. Bis heute firmiert der Handwerksbetrieb, der in die Eisenbahnstraße 32/33 umzog, unter dem Namen Protz. „Unser Name steht für Qualität”, erklärt der Glindower Malermeister selbstbewusst. „Ich wusste, dass Roland Haeßler den Betrieb ordentlich weiterführen wird.“

Josef Protz wurde fast 103 Jahre alt

Anfang der 1990er Jahre lebte in der Glindower Familienvilla nur noch Vater Josef Protz, der inzwischen auf das 80. Lebensjahr zuging. Teile des Hauses waren vermietet. Der betagte Senior brauchte nach dem Tod seiner Frau dringend jemanden, der sich um ihn kümmerte, und den Sohn zog es schon lange wieder heim nach Glindow. So fassten er und seine zweite Frau Maja den Entschluss, die Villa zu renovieren und durch einem Anbau zu erweitern. Für ihr Einfamilienhaus, das im Hof entstand, musste ein Stall weichen. Als Verbindung zum Vorderhaus entstand ein Flachbau mit einer kleinen Wohnung. Fortan wohnten Klaus-Peter Protz und seine Frau Maja Tür an Tür mit dem Vater. Josef Protz feierte 2013 seinen 100. Geburtstag und starb 2015 mit fast 103 Jahren. „Bis ins hohe Alter interessierte Opa sich für technische Dinge und Motoren”, erinnert sich Maja Protz. „Wahrscheinlich wäre er auch ein toller Klempner gewesen.”

Ein Lieblingsplatz des Ehepaars Protz ist der kleine Wintergarten, der sich an ihre Küche anschließt. Hier genießen sie ihren Kaffee mit Blick ins Grüne, hierher rollt Maja Protz gerne den Hobbytisch mit der Nähmaschine, weil es hell genug ist für ihre kunstvollen Patchworkarbeiten. Seit 32 Jahren sind die beiden nun schon verheiratet. Viele Jahre lang kümmerte sich die Finanzökonomin um die Buchhaltung der Familienfirma. Jetzt im Ruhestand nehmen sie sich Zeit für Hobbys und auch für längere oder kürzere Auszeiten in ihrem Ferienhaus an der Ostsee. Zingst auf dem Darß sei nicht so überlaufen wie etwa Warnemünde, sagt Klaus-Peter Protz. Er liebt lange Spaziergänge am Meer.

Mehr Glindower Gesichter finden Sie hier:

Ehepaar Dröse ist fest verwurzelt in der Mark

Glindowerin trifft die Queen

Ein Urgestein aus Glindow erzählt

Glindower Gesichter

Als Glindow im vergangenen Jahr Ortsjubiläum feierte – der Ort war 700 Jahre zuvor erstmals in einem Dokument erwähnt worden – wurde im Heimatverein des größten Ortsteils von Werder die Idee geboren, Lebensgeschichten von langjährigen Einwohnern aufzuschreiben und zu bewahren.

Auch über das Jubiläumsjahr hinaus wird die Reihe der „Glindower Gesichter“ fortgesetzt. Das Porträt von Malermeister Klaus-Peter Protz gehört dazu.

Von Edith Mende