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Werder (Havel) Darum müssen Falschparker in Glindow 131,40 Euro zahlen
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Darum müssen Falschparker in Glindow 131,40 Euro zahlen
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20:16 10.12.2019
Das Parkverbotsschild am Strandbad Glindow. Quelle: Annika Jensen
Glindow

Henry Rühlemann freute sich auf die Feier zum 60. Geburtstag seiner Schwägerin. „Wir hatten nachgefeiert“, erzählt der 63-jährige Stahnsdorfer. Die Runde kam im „Restaurant am Jahnufer“ am Strandbad Glindow zusammen. Es war ein sonniger Sonntag, der 6. Oktober, viele Mittagsgäste aßen in der kleinen Gaststätte direkt am Glindower See. Doch einen Monat nach dem geselligen Vergnügen sollte für Rühlemann eine böse Überraschung folgen. „Es hätte doch jemand ins Restaurant kommen und etwas sagen können“, sagt er.

Er hatte falsch geparkt. Und das kostete ihn satte 131,40 Euro. An jenem Tag waren so viele Gäste an den See gekommen, dass er seinen Wagen an der Hecke des Strandbades abstellte, an der Straße Jahnufer entlang. „Ich hatte kein Verbotsschild gesehen“, erinnert er sich. Gegen 12.30 Uhr sei er angekommen. Um 18 Uhr fuhr er wieder ab. „Für mich war schlicht nicht erkenntlich, dass es sich um Privatgelände handelt.“

Beschilderung uneindeutig – Absicht?

Anfang November lag die Rechnung über 131,40 Euro in seinem Briefkasten. „Das ist voll beabsichtigt“, sagt Rühlemann. „Wenn jemand solche Parkplätze hat, muss er die auch ordentlich ausschildern.“ Er ist der Meinung, dass das Schild zu niedrig angebracht ist und von anderen parkenden Autos abgedeckt wird. „Außerdem ist kein Pfeil nach links und nach rechts auf dem Schild, sodass auch nur der eine Parkplatz gemeint sein kann.“ Tatsächlich reicht der Geltungsbereich eines Halteverbotsschildes ohne Pfeile auf jener Straßenseite, an der es angebracht ist, bis zur nächsten Einmündung. Danach beurteilt, ist die Situation an der Hecke des Strandbades eindeutig. Das Schild ist an einem großen Holzmast angebracht, dort wo die Parkplätze beginnen.

Parkcollect: „Erhalten Sie bis zu 40 Euro pro Wildparker“

Die Mieterin und Betreiberin des Strandbades und damit auch Besitzerin des betreffenden Parkplatzes ist Katrin Kratzenberg. Sie ist als Mandantin in dem Schreiben des Parkraumüberwachungsdienstes Parkcollect erwähnt, das Rühlemann erhalten hatte. Das Unternehmen überwacht auch für Supermärkte deren Parkplätze. Auf seiner Internetseite wirbt es mit dem Satz „Erhalten Sie bis zu 40 Euro pro Wildparker auf Ihrem Parkplatz“. Für eine Stellungnahme war Katrin Kratzenberg bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Die Meinung, dass die Beschilderung ihres Parkplatzes nicht eindeutig ist, teilt auch Volker Hamm. Der 58-jährige Werderaner war Ende Juli mit seiner Frau Susann zu Gast im „Restaurant am Jahnufer“. Es war früher Nachmittag. Rund eineinhalb Stunden saßen sie in der Gaststätte. Den Wagen stellte Volker Hamm an der Hecke des Strandbades ab. Auch er kann sich nicht erinnern, das Schild zum Zeitpunkt seiner Entscheidung für jenen Stellplatz gesehen zu haben.

„Es ist eine Frechheit, so viel Geld einzufordern.“

„Nachdem wir die Rechnung von Parkcollect bekommen haben, war ich mit einem Bekannten nochmal hingefahren und habe nach dem Schild gesucht“, erzählt Hamm. Und noch etwas tat er, als er die Rechnung bekam: Er recherchierte im Internet und sprach mit seinem Anwalt. Der gab ihm den Tipp, zu bezahlen. „Er sagte mir: ’Mach es nicht teurer als es schon ist’“, erzählt Hamm. „Es ist eine Frechheit, so viel Geld einzufordern. Ich bezahle den Gegenanwalt ja gleich mit, ohne Vorwarnung.“

Einen Rechtsanwalt zu kontaktieren ist auch der Rat von Rechtsanwalt Michael R. Wich. Er ist Fachanwalt für Verkehrsrecht in Werder und sagt: „Ohne eine anwaltliche Prüfung sollte man solche Rechnungen nicht bezahlen oder Erklärungen dazu abgeben.“ Dann könne individuell geprüft werden, ob die Zahlungsaufforderung gerechtfertigt ist. Er weiß: Grundsätzlich sind Eigentümer und Besitzer berechtigt, Dritte von der Nutzung ihres Grundstücks fernzuhalten.

Anwalt: Fälle häufen sich

Für ihn sind Schreiben wie von Parkcollect nichts Neues. „Zunehmend ist festzustellen, dass Fahrzeughalter Post von einem Rechtsdienstleister, Inkassounternehmen oder einer Rechtsanwaltskanzlei im Briefkasten haben, mit der Forderungen wegen eines widerrechtlichen Verstoßes geltend gemacht werden.“ So ein Verstoß könne zum Beispiel eine sogenannte Besitzstörung sein, wie sie Kratzenberg in Glindow angezeigt hat. Und diese Besitzstörung wiederum sei das „Falschparken des Fahrzeuges“, so Rechtsanwalt Wich. „In diesem Zuge werden dann weitere Kosten für die Halterermittlung und außergerichtliche Rechtsverfolgungskosten geltend gemacht, die oftmals einen Betrag weit über 100 Euro umfassen.“

Für Volker Hamm hat die ganze Geschichte dennoch eine gute Seite: „Ich habe mich endlich mal wieder mit meiner Rechtsschutzversicherung beschäftigt.“ Nach der Geschichte habe er gewechselt. Seine neue übernimmt den Rechtsschutz bei falschem Parken auf privaten Flächen.

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Von Annika Jensen

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