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Werder (Havel) 60 Jahre Liebe: So haben sich Erna und Hans-Georg Talke kennengelernt
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) 60 Jahre Liebe: So haben sich Erna und Hans-Georg Talke kennengelernt
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01:16 30.12.2018
Das Ehepaar Talke am Fenster seines Hauses in Glindow. Quelle: Edith Mende
Glindow

Ende 2017 feierten Erna und Hans-Georg Talke Diamantene Hochzeit. Ein Bild davon gehört zur Fotowand im Flur ihres Hauses in Glindow: die Jubilare inmitten ihrer Kinder und Enkel. Darüber hängt ein Teller mit dem Schwarz-Weiß-Foto eines blutjungen Paares. „Damals fing unser gemeinsames Leben an“, sagt Erna Talke lächelnd. „Da waren wir noch gar nicht verheiratet.“

Mit fast den gleichen Worten macht Hans Talke wenig später auf den Teller aufmerksam. Angesichts so liebevoller Erinnerungen kann das Paar nicht allzu viel falsch gemacht haben in den gut sechzig Jahren, die sie miteinander teilen. Dabei war die Kindheit beider vom Krieg und dessen Folgen überschattet.

Erna war mit Mutter und Bruder aus dem ostpreußischen Dorf Süßenberg 1946 in den Fläming gelangt. In Mörz unweit von Niemegk bekamen sie eine Bleibe. Der Vater, der Soldat gewesen war, galt als vermisst. Hans Talke mag gar nicht über seine ersten Lebensjahre reden. Er sei als Waisenkind viel herumgeschubst worden, winkt er ab. Schließlich landete er bei einer Pflegefamilie in Glindow.

Mädchen für alles bei Obstbauernfamilie Vaupel

Dass man bei so einer Vorgeschichte möglichst schnell eigenes Geld verdienen und sein Leben selbst bestimmen möchte, ist nicht verwunderlich. In der Glindower Ziegelei fand er nach dem Schulabschluss Arbeit. Ziemlich schwer für einen 14-Jährigen, wie er sich erinnert. Deshalb wechselte er bald zum VEB Vulkanfiber in Werder.

Erna, damals noch Langwald, arbeitete auf einem Bauernhof in Mörz. Als der Kutscher des Hofs in Richtung Westen verschwand, fielen der damals 18-Jährigen körperlich schwere Aufgaben zu. Per Zeitungsanzeige suchte sie eine neue Stelle. Noch am Erscheinungstag stand eine Frau aus Glindow vor der Tür, die sie sofort mitnehmen wollte.

Hans Talke (l.) in den 1950er Jahren in der Glindower Ziegelei, gemeinsam mit Günter Pfannenhauer und Josef Adamschewski. Quelle: privat

In Haus und Hof sowie auf dem Acker der Obstbauernfamilie Vaupel in Glindow war Erna Langwald nun Mädchen für alles. Am Wochenende zog es sie in die Tanzgaststätte Bergemann an der Chausseestraße. Beim Tanz traf sie den jungen Mann, der die Liebe ihres Lebens werden sollte.

Jung in die Ehe gestartet

Dass die junge Frau bald immer häufiger in dem Zimmerchen zu Gast war, das Hans noch bei seinen Pflegeeltern bewohnte, weckte moralische Bedenken beim Pflegevater. „Dann müsst ihr schon heiraten“, forderte er. Sie waren gerade 18 und 22 Jahre alt, als sie am 20. Dezember 1957 in die Ehe starteten. Mit der ersten eigenen Wohnung – ein Zimmer, Küche und Kammer – war das Glück perfekt. Da hatte sich bereits Klaus angemeldet, ihr erster Sohn. Gabi, Heidrun und André sollten folgen.

Nach Gabis Geburt hatte die junge Mutter wieder zu arbeiten begonnen, nun ebenfalls bei Vulkanfiber. Zur Arbeit fuhren sie mit dem Bus. „Die Verbindung war gut, besser als heute. Und die Wochenkarte kostete 1,80 Mark”, erinnert sich Erna Talke.

Vulkanfiber-Betrieb wurde abgewickelt

Im Juli 1990 hatte Erna Talke um eine Woche Urlaub gebeten. Ihr Mann saß mit gebrochenem Bein zu Hause, aber auf dem Obstland der Familie waren Kirschen und Beeren reif. Als sie wieder zur Arbeit erschien, wurde der Betrieb bereits abgewickelt. Für Hans Talke fand sich nach einem Intermezzo mit Arbeitbeschaffungsmaßnahmen wieder ein Arbeitsplatz in der privatisierten Glindower Ziegelei.

Die hatte nun ihren Schwerpunkt auf Formsteine verlegt, Spezialanfertigungen in besonderen Größen und Formen, insbesondere für die Sanierung historischer Gebäude. Die Paletten mit den gebrannten Steinen aus dem noch warmen Ofen zu holen, war trotz eines modernen Hubwagens noch ein anstrengender Job. Aber Hans Talke erinnert sich mit ein wenig Stolz an verschiedene Baustellen, auf denen die Glindower Steine verwendet wurden.

Erna und Hans-Georg Talke vor mehr als 60 Jahren als Liebespaar. Quelle: privat

Als Erna Talke an einem Sommertag 1999 vom Mühlenberg mit dem Rad hinunter ins Dorf fuhr, entdeckte sie auf dem Rückweg am Hoftor eines Hauses in der Ziemensstraße ein neues Schild: Zu verkaufen. Das Haus war klein, aber äußerlich in gutem Zustand. Sie war sich sofort sicher, das wäre ideal fürs Alter.

Die Kinder waren aus dem Haus, die Wohnung in der Mühlenstraße nun zu groß. Und sie hatten ja auch ein bisschen gespart. Welch ein Glück, dass sie ihren Hans gleich dorthin schleppte, als der von der Arbeit kam. So waren sie die ersten Bewerber und bekamen den Zuschlag. Das Haus erwies sich als Glücksgriff.

Enkelin war vor zwei Jahren Kirschkönigin

„Wenn man sieht, wie die Mieten ständig steigen”, sagt Hans Talke, “ dann haben wir das damals richtig entschieden.” Sie seien in ihrem Häuschen richtig aufgeblüht, stellte Klaus, ihr Ältester, fest, als er sie nach dem Umzug besuchte. Er ist das einzige Kind, das weiter weg wohnt, in Rostock. Die Talkes sind stolz auf ihre vier Sprösslinge. „Alle haben einen Beruf gelernt, haben Arbeit und Familie“, resümiert Mutter Erna. Sieben Enkel und zwei Urenkel gibt es schon.

Ein Auto hatten die Talkes nie. Nun, da insbesondere Vater Hans mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, können sie auch in diesem Punkt auf Kinder und Enkel bauen. Tochter Heidrun, die mit ihrer Familie gleich um die Ecke wohnt, übernimmt oft die Fahrten zum Arzt. Oder deren Tochter Anika springt ein. Die ist übrigens die Glindower Kirschkönigin des Jahres 2016, wie die Oma gern erwähnt.

Fortsetzung der Glindower Gesichter

Als Glindow 2017 sein Ortsjubiläum feierte – der Ort war 700 Jahre zuvor erstmals urkundlich erwähnt worden – entstand im Heimatverein die Idee, Lebensgeschichten von Einwohnern aufzuschreiben und zu sammeln.

Die Reihe unter dem Titel „Glindower Gesichter“ wird fortgesetzt. Erna und Hans Talke gehören mit ihren Biografien dazu.

Von Edith Mende

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