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Werder (Havel) Gemeinsamer Gottesdienst zum Volkstrauertag
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Gemeinsamer Gottesdienst zum Volkstrauertag
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21:06 16.11.2018
Militärpfarrer Michael Schröder ist seit einem Jahr in der Henning-von-Tresckow-Kaserne tätig. Quelle: Luise Fröhlich
Werder

Es ist ein Tag des Erinnerns, des Gedenkens. Er rückt die Menschen in den Fokus, die ihr Leben im Krieg verloren haben oder Opfer von Gewaltherrschaften geworden sind. Der Volkstrauertag wird in Werder ein Besonderer. Denn die Heilig-Geist-Kirchengemeinde gestaltet gemeinsam mit dem Evangelischen Militärpfarramt Schwielowsee einen Gottesdienst. Die Predigt gestalten die beiden Pfarrer, ein Oberstleutnant, der Kantor und eine Chorsängerin – sie äußern ihre Gedanken zu dem Bibeltext „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben“. Dieser Satz aus der Offenbarung des Johannes vereint Leid, Trauer und Trost. „Was bedeutet das, wenn man sich vor Augen führt, dass die Soldaten geloben, das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen?“, so Militärpfarrer Michael Schröder. Er freue sich als Wandler zwischen den Welten, wie er sich selbst nennt, auf kritische Fragen und die Chance mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Ein Wandler zwischen den Welten ist Michael Schröder, weil er sich täglich mit Krieg und Frieden befasst, weil er Soldaten in Kasernen oder im Einsatz als Seelsorger betreut und weil er als Zivilist sowohl die Situation der Soldaten als auch die Ansichten der Außenstehenden kennt. Seit einem Jahr ist der 55-Jährige als Militärpfarrer beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr in der Henning-von-Tresckow-Kaserne tätig. Er stammt aus Kassel, entschied sich als Verfechter des Friedens für den Zivildienst und studierte später Theologie in Marburg und Tübingen. Sein Vikariat absolvierte er im Kirchenkreis Tuttlingen (Baden-Württemberg). Im Jahr 2000 strebte Michael Schröder nach einer Veränderung und bewarb sich als Militärseelsorger beim Marinefliegergeschwader bei Flensburg. Bis heute kam er viel rum, in Deutschland und der Welt.

Einsatz militärischer Gewalt als absolute Ausnahme

„Ich habe schon Gottesdienste auf dem Feld, auf dem Schnellboot oder dem Flugzeug-Hangar abgehalten. Wir bieten Soldaten einen geschützten Raum zum Durchatmen, Denken und Reflektieren an oder sind einfach nur bei ihnen“, erzählt Michael Schröder. Sein letzter Auslandseinsatz ging vor zwei Jahren nach Mali. Das Militärpfarramt ist zwar der Bundeswehr zugeordnet, aber ist kein Teil von ihr. Im Unterschied zu anderen Nationen, haben Militärgeistliche keinen Dienstgrad und tragen keine Uniform. „Wir sind ein kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt. Natürlich ist es ein Dienst, der sich von anderen alltäglichen unterscheidet“, sagt Michael Schröder. In der Kaserne gestalten das evangelische und katholische Pfarramt im Wechsel einmal im Monat einen Gottesdienst. Dafür gibt es einen „Raum der Stille“. Angesprochen sind alle Soldaten, unabhängig von ihrer Konfession.

In seiner alltäglichen Arbeit beschäftigt sich Michael Schröder auch mit der Vereinbarkeit von Krieg, Gewalt, Frieden und Gottes Wille. „Der Einsatz militärischer Gewalt kann immer nur die absolute Ausnahme sein, und nur als rechtserhaltende Gewalt hat sie überhaupt eine Berechtigung. Und selbst das kann mit Schuld zu tun haben, denn das Gebot ,Du sollst nicht töten’ gilt ausnahmslos“, erklärt Michael Schröder. Es sei richtig und wichtig, zu trauern und zu gedenken. „Ich habe den Eindruck, dass das Thema hundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen rückt. Die Vergangenheit hat uns gezeigt, wie schnell aus einem lokalen Konflikt ein Weltkrieg werden kann“, so der Militärpfarrer.

Kranzniederlegung am Mahnmal

Zu der Gedenkveranstaltung am Sonntag in Werder sind Soldaten des Einsatzführungskommandos eingeladen worden. Auf dem Altar der Heilig-Geist-Kirche wird ein aus dem Brandenburger Dom ausgeliehenes Nagelkreuz stehen. Das Nagelkreuzgebet ist mit der durch Bombenangriffe der deutschen Luftwaffe zerstörten Stadt Coventry in England verbunden. Dazu gab es gestern ein Gedenken in der Kirche. „Wir pflegen die Erinnerung, weil wir davon überzeugt sind, dass damit der Wiederholung solcher Schrecken entgegengewirkt wird“, sagte der Pfarrer der Werderaner Gemeinde, Georg Thimme.

Der gemeinsame Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr in der Heilig-Geist-Kirche und dauert etwa eine Stunde. Anschließend wird Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) einen Kranz am Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewalt auf dem benachbarten Friedhof niederlegen.

Friedensdenkschrift der Evangelen

Mit dem Einsatz von Gewalt für den Frieden beschäftigt sich auch die Friedensdenkschrift, der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD). Sie wurde 2007 veröffentlicht. Unter der Kurzformel „Gerechter Friede“ werden Frieden, Recht und Gerechtigkeit zusammengefasst.

Die Schriftbehandelt im Kern die Gefährdung des Friedens, den Friedensbeitrag der Christen und der Kirchen, den gerechten Frieden durch Recht und politische Friedensaufgaben.

Geht es nach Pfarrer Michael Schröder sollten diese Punkte wieder lauter kommuniziert werden.

Von Luise Fröhlich

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