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Werder (Havel) Fest verwurzelt in „Fernsehhausen“
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Fest verwurzelt in „Fernsehhausen“
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20:48 26.08.2018
Friedrichshöhe: Die Dröses (links) Anfang der 1960-er Jahre mit Freunden auf der Friedrichshöhe in Werder. Quelle: privat
Glindow

Fast alles, was die Jahrzehnte ihres gemeinsamen Lebens ausmachte, haben Rosemarie und Werner Dröse vom Küchenfenster aus im Auge. Sie wohnen direkt im Zentrum von Glindow. Hier hatten sie ihre Arbeit, hier leben langjährige Freunde. Sie fühle sich als echte Glindowerin, bekennt die 79-Jährige, auch wenn sie in Küstrin geboren wurde, was heute auf der polnischen Seite der Oder liegt. Die Erinnerungen daran sind nur noch blass, denn sie war erst sechs, als ihre Familie vor dem Krieg floh und in Glindow strandete. Um so deutlicher hat sie noch ihre Kinderjahre in der Glindower Dr.-Wolf-Straße im Gedächtnis: „Wir waren so viele Kinder in der Nachbarschaft. Da es kaum Autos gab, konnten wir auf der Fahrbahn spielen, Treibball, die ganze Straße rauf und runter. Wunderbar.“ Heute sehe sie nur selten Kinder draußen spielen, sagt sie. Werner Dröse grummelt im Hintergrund, er fühle sich nicht als Glindower, da Menschen, die alles zu Geld machen, nicht sein Ding seien. Seine Frau winkt ab: „Er meint die Obstmucker. Das ist vorbei.“

Natürlich hätten zu DDR-Zeiten viele mit dem Obst und Gemüse aus ihren Gärten mehr verdient als in ihrem eigentlichen Job. Aber die hatten auch viel Arbeit, vom Frühling bis in den Herbst weder Feierabend noch Wochenende. Inzwischen sind aus manchem großen Garten Parzellen für Einfamilienhäuser geworden, Neu-Glindower leben dort. „Glindow war immer ein wohlhabendes Dorf“, resümiert Rosemarie Dröse. „Das fiel besonders Ende der 1950er Jahre auf, als es hier wahrscheinlich die größte Dichte an Fernsehgeräten weit und breit gab. Lästerzungen sprachen von Fernsehhausen.“

Rosemarie (79) und Werner Dröse (84) auf ihrer Terrasse – kennengelernt haben sich die beiden 1959 in der Sächsischen Schweiz. Quelle: Edith Mende

Seit 58 Jahren lebt Werner Dröse in Glindow. Wie sehr auch er inzwischen im märkischen Sand verwurzelt ist, merkt man spätestens, wenn er von dem Konsum-Lebensmittel-Laden erzählt, den er mehr als 20 Jahre leitete. Auf den 63 Quadratmetern gegenüber seiner heutigen Wohnung wurden damals Waren für eine Million Mark im Jahr umgesetzt. Mit sechseinhalb VBE (Vollbeschäftigteneinheiten), so das Amtsdeutsch seinerzeit. Die Zahlen hat er noch im Kopf. Die Kindheit und Jugend von Werner Dröse waren von Krieg und Nachkriegszeit schmerzhaft durchgerüttelt worden. Im hinterpommerschen Groß Schwarzsee wuchs er auf einem Bauernhof auf. Vor der nahenden Front flohen die Dröses mit einem überdachten Leiterwagen gen Westen. Unterwegs gebar die Tante aus Wien, die bei ihnen Schutz vor den Bomben gesucht hatte, einen Sohn. Nach Kriegsende kehrten sie auf ihren Hof zurück. Doch aus Groß Schwarzsee war das polnische Czarne Wielkie geworden, Deutsch hörte man hier nach den Kriegsschrecken nicht gerne. Aber man erinnerte sich, dass Vater Dröse ein Hitler-Anhänger gewesen war. Eines Tages wurde er verhaftet, die Familie in einem Güterzug über die Oder verfrachtet. In Mecklenburg, wo sie notdürftig Quartier fanden, starben kurz nacheinander Großmutter und Mutter. Der damals elfjährige Werner und die beiden kleineren Geschwister kamen ins Heim. Vom Vater hörten sie nie wieder.

Als der Fachverkäufer Werner Dröse aus Ückermünde 1959 Urlaub in der Sächsischen Schweiz machte, begegnete er dort einer jungen Frau aus der Nähe von Potsdam. Auch sie war Verkäuferin. Sie blieben in Verbindung, besuchten einander. In Ückermünde am Stettiner Haff sei der Hund begraben, habe Rosi damals festgestellt, erinnert sich Dröse. Damit war klar, sollte es mit den beiden etwas Ernstes werden, musste er sich mit Glindow anfreunden. 1961 heirateten sie.

Rosemarie und Werner Dröse heirateten am 20. Mai 1961 in Glindow. Quelle: privat

Jeden Nachmittag findet man Werner Dröse im Wald bei Kammerode, wo er Futter für das Wild verteilt. Bereits 1957 hatte er die Jagdeignungsprüfung gemacht. Ihn interessieren mehr die Hege und Pflege, gesteht er. „Und im Herbst schieße ich dann auch mal einen Bock.“ Dass er sein Schießsoll nie erfüllt, nimmt der Jagdpächter dem 84-Jährigen nicht übel.

Die Nachwendejahre änderten das Leben des Ehepaars gründlich. Beide waren sie bei der Konsumgenossenschaft angestellt. Rosemarie Dröse betreute als Bereichsleiterin die Verkaufsstellen in 26 Dörfern. Doch die Genossenschaft kapitulierte bald angesichts der neuen Bedingungen. Der Dorfkonsum starb. Arbeitslosigkeit – wie geht man damit um, wenn man vierzig Jahre und mehr im Beruf ist? Schwer, erinnert sie sich. Die Situation zehrte an der Gesundheit. Mit 60 konnte sie in Rente gehen. Vorruhestand hieß es für ihrem Mann. Er war sich nicht zu schade, noch stundenweise im ehemaligen Konsum-Kaufhaus von Werder, das einen neuen Betreiber hatte, Kartons auszupacken und Regale einzuräumen.

Der Ort Glindow auf einen Blick

Glindow ist mit knapp 3500 Einwohnern der bevölkerungsstärkste Ortsteil der Stadt Werder. Das kleine Elisabethhöhe, das zu Glindow gehört, zählt noch einmal insgesamt 492 Einwohner.

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2014 lag in Glindow bei 44,2 Prozent. Stärkste Kraft sind die Freien Bürger mit 41,6 Prozent, gefolgt von CDU (32,1 Prozent), Linke (13,7 Prozent) und SPD (12,7 Prozent.

Ortsvorsteher ist Sigmar Wilhelm, sein Vize Fred Witschel.

Als jetzt Hitze und Trockenheit die Mark fest im Griff hatten, schleppte Werner Dröse Abend für Abend vier Eimer Wasser über die Straße, um den beiden Kastanien vor der Apotheke Gutes zu tun. Er hat sie vor 40 Jahren selbst gepflanzt. Grün und gesund wirken sie. Selbst die Miniermotte konnte ihnen nichts anhaben. „Das ist nicht mein Verdienst. Die Stadt räumt im Herbst das Laub ordentlich weg. Dann können die Schädlinge nicht im Boden überwintern“, sagt Dröse. „Die Kastanien, die ich im Wald gesetzt hab, wo die Blätter liegen bleiben, sind schon ziemlich braun.“

Von Edith Mende

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