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Werder (Havel) Havel-Therme statt Blütentherme: Das ist der Stand beim Großbauprojekt
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Havel-Therme statt Blütentherme: Das ist der Stand beim Großbauprojekt
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00:16 03.01.2019
Größer soll die Havel-Therme werden und einige Extras wie eine Seesauna bieten, um auch Gäste von außerhalb anzulocken. Quelle: Visualisierung/Schauer&Co
Werder

Der Name „Blütentherme“ ist verbrannt. So verbrannt, dass ihn der neue Partner der Stadt Werder in Sachen Fertigbau und Betrieb des Bades sofort änderte. „Havel-Therme“ soll sie nun heißen und fast zehn Jahre nach der Grundsteinlegung im Oktober 2011 endlich fertig werden. Vor allem aber soll sie sich erfolgreich gegen ihre Konkurrenz durchsetzen. Das überzeugendste Konzept dafür legte 2018 das Bäder-Unternehmen Schauer und Co. aus Überlingen in Baden-Württemberg vor. Ausgerichtet ist das Bad auf Gesundheit und Familie. Dafür sind teure Anbauten und Veränderungen nötig. Insgesamt soll die Fertigstellung 28,3 Millionen Euro kosten, rund 21 Millionen Euro hat die Stadt in der Vergangenheit bereits investiert. Bisher waren Gutachter von zehn Millionen Euro für den Fertigbau in seiner ursprünglichen Form ausgegangen. Die neue Summe schockte viele.

Vorgeschichte

Im Dezember 2010 gaben die Stadtverordneten der Kristall Bäder AG den Zuschlag für die Blütentherme. Die Gesellschaft sollte im Auftrag von Werder das Bad für 18 Millionen Euro bauen, künftig betreiben und später zum Restwert von der Kommune kaufen können. Ursprünglicher Eröffnungstermin: Dezember 2012. Anstelle dessen kam eine kalte Dusche. Der damalige Kristall-Chef Heinz Steinhart forderte Geld von der Stadt wegen angeblich gestiegener Baukosten und mehr Luxus als geplant. Seit Ende 2014 ruhten die Bauarbeiten, die Therme war etwa halb fertig gestellt. Streitigkeiten über Kosten und die Einhaltung der Baupläne hielten an. Im April 2016 trennten sich die beiden Partner und die Stadt übernahm die Verantwortung für die Baustelle. Inwiefern die Verträge mit der Kristall Bäder AG umgesetzt wurden, soll nun extern und intern aufgearbeitet werden.

Vor vier Jahren sah es auf der Thermen-Baustelle so aus. Ende 2014 markierte das Ende der Bauarbeiten. Quelle: Julian Stähle

Was jetzt anders ist

Nach diesem Fiasko wollte Werder so viel Sicherheit wie möglich. Die Vertragsentwürfe blieben für die breite Öffentlichkeit zwar wieder ein Geheimnis, allerdings nicht mehr für die Stadtverordneten. „In einer mehr als fünfstündigen Sitzung haben die Badausschussmitglieder und zahlreiche Stadtverordnete die Vertragsinhalte mit dem uns beratenden Anwalt diskutiert“, sagte Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) bei der entscheidenden Sitzung des Stadtrates im Juli.

Die Risiken sollen unter anderem dadurch minimiert werden, dass sich die Therme überwiegend aus eigener Kraft trägt. Der hohen Anfangsinvestition stehen keine Betriebskostenzuschüsse und jährliche Pachteinnahmen in sechsstelliger Höhe für die Kommune gegenüber. Externe Berater bescheinigten einen wirtschaftlichen Badbetrieb. „Gemessen an der reinen Laufzeit des Pachtvertrages von 30 Jahren spart die Stadt mehr als zehn Millionen Euro gegenüber der Variante einer reinen Fertigstellung des Bestandsbaus“, erklärte Bürgermeisterin Manuela Saß.

Cabriodach und Seesauna

Sowohl Angebote für sportlich orientierte Schwimmer, Familien mit Kindern als auch für Erholungssuchende oder Saunaliebhaber soll es in der neuen Havel-Therme geben. Ein Sport- und Familienbad mit Cabriodach, ein Thermenbereich mit Solebecken und Textilsauna, ein Saunabereich mit fünf thematischen Innensaunen, ein Spa-Bereich und eine großzügige Außenanlage mit vier weiteren Saunen sind unter anderem geplant. Alleinstellungsmerkmal soll die Seesauna auf dem Zernsee sein.

So soll der Thermenbereich der Havel-Therme einmal aussehen. Quelle: Schauer&Co

Bürger wollen mitreden

Mit ganz eigenen Ideen zur Gestaltung des Thermen-Grundstückes warteten die „Stadtmitgestalter“ auf. Nach eigenen Angaben wollte die Initiative die Therme nicht verhindern, sondern forderte mehr Transparenz im Vergabeverfahren und startete ein Bürgerbegehren, das letztlich für unzulässig erklärt wurde (siehe Zeitstrahl). Der präsentierte Masterplan mit zwei Schulen, Park, Sportplatz, Wohnungen und Grünflächen orientierte sich an Bedürfnissen der Werderaner, die die „Stadtmitgestalter“ durch die millionenschwere Investition in die Therme in Gefahr sahen.

Architekt Elmar Schlenke von der Initiative Stadtmitgestalter präsentiert bei einer Podiumsdiskussion den „Masterplan“ für das Thermengrundstück. Quelle: Luise Fröhlich

So haben sich die Fraktionen zum Bad geäußert

Über kaum ein anderes Thema haben die Werderaner in den letzten Monaten so ausgiebig diskutiert wie über die Therme. Unter den Stadtverordneten ging es mitunter heiß her. Die Entscheidung, dass Schauer und Co. das Bad zu Ende bauen und betreiben sollen, fand am 4. Juli mit 20 Ja-, acht Gegenstimmen und einer Enthaltung die deutliche Mehrheit. Welche Fraktion dafür stimmte, welche dagegen und warum, zeigt eine Übersicht.

CDU: Die meisten Befürworter fand das Konzept bei der CDU, die im Stadtparlament die Mehrheit bildet. Immer wieder verteidigten sie die Wahl des neuen Partners oder den Entschluss, überhaupt wieder einem privaten Investor die Zügel in die Hände zu geben. „Wer sagt, die Stadt soll sich das antun, obwohl sie keine Ahnung vom Thermenbau hat, ist auf dem falschen Weg“, sagte Peter Kreilinger, Vize-Chef des Badausschusses im Juli. „Das Projekt hat eine traurige Vorgeschichte und das, was in den Vertragsverhandlungen erzielt werden konnte, ist sicher kein Lottogewinn. Aber wir sollten die Therme zu den bestmöglichen Konditionen vergeben und das machen wir hiermit“, erklärte er.

SPD:Die Sozialdemokraten hielten die 28,3 Millionen Euro schwere Investition für nicht gerechtfertigt und kritisierten mangelnde Transparenz im Vergabeverfahren. „Ich bin nicht bereit,die Katze im Sack kaufen“, sagte Anja Spiegel. Sie warnte außerdem vor einer hohen finanziellen Belastung und befürchtete, dass andere notwendige Maßnahmen wie Kita- und Schulausbau nicht realisiert werden können. Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) erklärte immer wieder, dass ein Großteil der Investition aus der Rücklage finanziert wird.

Die Thermen-Baustelle im August 2018. Quelle: Luise Fröhlich

Grüne: Der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mangelte es an Transparenz in der Entscheidungsfindung auf Seiten der Stadtverwaltung. „30 Millionen Euro sollten nicht in eine Luxus-Therme fließen, sondern in Schulen und Kitas oder ein Verkehrs- und Radwegekonzept“, sagte Vorsitzender Markus Altmann.

Linke: Uneinig war sich die Fraktion Die Linke in der entscheidenden Abstimmung. Einerseits schlossen sich die Vertreter der Meinung an, dass so viel Geld lieber in Räume für das Familienzentrum, den Jugendclub oder in sozialen Wohnungsbau gesteckt werden sollte. Andererseits sagte Fraktionschef Peter Hinze: „Wir sollten aufhören zu quatschen und handeln.“ Freie Bürger: Claudia Fehrenberg, ebenfalls Mitglied des Badausschusses, resümierte: „Von allen Seiten kam Häme und Kritik, nachdem es an die Wand gefahren wurde. Jetzt ist es Zeit, den Mut zu haben, dem Projekt zuzustimmen.“

18 prall gefüllte Aktenordner hat Andreas Schauer, Geschäftsführer der schauer & Co mitgebracht. Hier auf der Baustelle am Zernsee mit Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) Quelle: Stadt Werder (Havel)

Nachgefragt bei Andreas Schauer

MAZ: Welche Erfahrungen und Erkenntnisse nehmen Sie aus dem zurückliegenden Jahr in Werder mit?

Andreas Schauer: Der Prozess bis zum Beschluss, die Havel Therme fertig zu bauen, war ein Stück gelebte Demokratie. Ich habe großes Verständnis dafür, dass es vielen Bürgern „sauer“ aufstößt, wenn ein Projekt zum Schluss 50 Millionen Euro kostet, das auch für 35 Millionen hätte umgesetzt werden können. Aber die Ursachen hierfür liegen in der Vergangenheit. Auch die Tatsache, dass solche Vergabeverfahren nicht öffentlich ablaufen müssen, gefällt weder dem interessierten Bürger noch uns. Aber so schreibt es das Europäische Vergaberecht nun mal vor. Das können weder die Stadt Werder noch wir noch eine Bürgerinitiative ändern. Leider. Aus unserer Sicht lief die Zusammenarbeit sowohl mit der Stadtverwaltung Werder als auch mit den beteiligten Behörden und den beauftragten Unternehmen wirklich gut. Trotz aller widrigen Umstände wurde das Projekt bisher sehr zügig bearbeitet.

Was wünschen Sie sich für die Therme im Jahr 2019?

Unser Bauplan sieht vor, dass wir mit der Baugenehmigung im Frühjahr mit den ersten Arbeiten beginnen können. Wir werden dann mit mehreren öffentlichen Terminen das Projekt, auch mit Baustellenrundgängen, vorstellen. Wünschenswert wäre für uns, dass alle Bürger von Werder hinter den Beschlüssen stehen. Das heißt nicht, dass nun plötzlich alle für die Therme sein müssen. Aber es gehört eben auch zu einer gelebten Demokratie, dass im Sinne des Allgemeinwohls Mehrheitsentscheidungen auch von den Nicht-Befürwortern mitgetragen werden und eben dieser Beschluss nicht torpediert wird.

Welche Arbeiten sind zuerst geplant?

Bereits in der dritten Kalenderwoche sind erste Installationsarbeiten im Bereich Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärtechnik vorgesehen. Parallel planen wir den Rückbau im Bestand an den Stellen, wo es nötig ist. Im Außenbereich werden wir mit den ersten Erdarbeiten beginnen. Im Idealfall bekommen wir die Baugenehmigung im Frühjahr. Danach wird der Auftrag für die Gründung des Anbaus erfolgen. Die Rohbauarbeiten können im günstigsten Fall im Juni oder Juli beginnen.

Von Luise Fröhlich

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