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Werder (Havel) So kämpfen die Werderaner für ihre Postbotin
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20:23 21.08.2019
Anwohner machen sich für ihre Briefträgerin Beatrice Böttcher stark. Quelle: Peter Joseph Weymann
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Werder

„Sie ist ein Sonnenschein“, sagt Peter Joseph Weymann. „Hat immer gute Laune.“ Der Maler und viele weitere Anwohner auf der Altstadtinsel Werder sind hin und weg. Von ihrer Postzustellerin. Seit einem Jahr fährt Beatrice Böttcher die Post auf der Insel aus. „Sie fällt auf. Ist wuselig und immer freundlich“, erzählt Weymann weiter. „Sie gehört einfach zu uns.“ Doch Böttcher muss Werder bald verlassen.

Die 35-Jährige fährt seit einem Jahr die Post auf der Insel aus. „Eines Abends habe ich sie zufällig getroffen und gefragt, warum sie so traurig dreinschaut“, erzählt Peter Weymann. Das war vor etwa zwei Wochen. „Sie erzählte mir, dass sie versetzt wird.“

Schon viele Unterschriften

Kurze Zeit später saß er mit einigen anderen Menschen auf dem Weinberg bei einem Bier zusammen. Sie waren entsetzt, als Weymann ihnen von Böttchers Versetzung erzählte. So entsetzt, dass ihnen eine Idee kam. Sie entschlossen sich, Unterschriftenlisten in einigen Läden auf und vor der Insel auszulegen. „Wir wollen unser Postmädchen behalten“, hat Peter Weymann auf die Listen geschrieben.

In der Landbäckerei Kirstein liegt eine, im Schreibwarengeschäft Karalus, in der Galerie von Peter Weymann, im Lendelhaus und seit heute auch in der Straußwirtschaft, die „Weintiene“ auf dem Wachtelberg. Das Sammeln der Unterschriften läuft gut.

Viele Menschen beteiligen sich an der Aktion. Wenn die Listen voll sind, will Weymann sie in die Postfiliale Am Kanal in Potsdam bringen. „Vielleicht überlegt sich die Post das ja noch mal, Beatrice zu versetzen“, sagt er. „Vielleicht haben sie ein gutes Herz. Man weiß ja nie.“

Aufmerksamkeiten zum Geburtstag

Die Post-Mitarbeiterin, die in Kirchmöser, einem Ortsteil von Brandenburg an der Havel lebt, freut sich über die Bemühungen der Inselbewohner. Sie wünsche sich, noch länger für die Insel zuständig zu sein, erzählt sie der MAZ. „Die Menschen sind hier immer sehr freundlich.“ Regelmäßig bieten ihr Anwohner eine Tasse Kaffee an. „Das nehme ich gerne an, wenn ich Zeit habe.“

Oder sie bleibt ein Weilchen stehen, um einfach ein nettes Gespräch zu führen. So weiß sie mittlerweile, was im Leben der Inselbewohner so vor sich geht. Wenn sie mitbekommt, dass jemand Geburtstag hat, lässt sich Beatrice Böttcher eine Kleinigkeit einfallen.

Die Anwohner zeigen sich nicht nur mit Kaffee erkenntlich für Böttchers Bemühungen und ihre freundliche Art. „Wenn ich mit dem Postauto liegen bleibe, helfen mir die Menschen sofort“, erzählt sie. „Entweder mit dem Startkabel oder wenigstens mit Anschieben.“

Wochenlang auf Sendungen gewartet

Dass sie nicht bis zu ihrem Ruhestand für Werders Altstadtinsel zuständig sein wird, wusste Böttcher allerdings. Sie hat vor einem Jahr nämlich eine Krankheitsvertretung übernommen. Nun ist ihre Kollegin zurück, aber erst einmal nur für vier Stunden am Tag. „Am Montag mag das reichen. Aber die restlichen Tage wird sie auf jeden Fall Unterstützung brauchen“, sagt Böttcher.

Auf drei weitere Kollegen werde die Arbeit dann verteilt. Auch auf Kollegen, die Werder nicht so gut kennen. Mit Postzustellern, denen Werder nicht vertraut ist und die deswegen mehr Zeit für das Zustellen der Post brauchen, haben die Werderaner in der Vergangenheit schlechte Erfahrung gemacht. Teilweise mussten einige Anwohner wochenlang auf ihre Post warten, weil die Routen zu lang für die Arbeitszeiten der Zusteller waren.

Die Post macht wenig Hoffnung

Zu diesem Punkt nimmt die Deutsche Post auf MAZ-Anfrage keine Stellung. Aber Anke Blenn, Pressesprecherin der Post, sagt: „Frau Böttcher ist eine junge Kollegin, die von unserer Betriebsleitung sowohl für ihre zuverlässige Arbeitsweise, als auch für ihre freundliche Art sehr geschätzt wird. Wir freuen uns natürlich darüber, dass die Zustellerin auch bei ihren Kunden in Werder so beliebt ist.“

Wie steht also die Chance, dass Peter Weymann und seine Mitstreiter mit ihrer Unterschriftensammlung Erfolg haben? Die Stammzustellerin werde ihre alte Tour schrittweise wieder übernehmen, sagt Blenn weiter. Aber: „Frau Böttcher wird auch künftig immer mal wieder in Vertretungsfällen auf der Altstadtinsel in Werder zustellen.“ Sie habe einen festen Platz in ihrem Zustellteam, so Blenn. „Und sie wird „mit großer Sicherheit auch in anderen Zustellbereichen von Werder die Kunden von ihrer guten Arbeit überzeugen“.

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