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Werder (Havel) Knappe Mehrheit für die wolfsfreie Zone
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13:39 27.12.2018
Der Wolf sorgt nun auch in Werder für Diskussionen. Einig ist man sich darüber, dass das Land klarere Regeln schaffen sollte. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Werder

Über die Frage, wie willkommen der Wolf in Werder ist, entbrannte unter den Stadtverordneten eine kontroverse Diskussion. Letztlich stimmten sie bei ihrer jüngsten Sitzung mit 15 Ja-, zehn Neinstimmen und zwei Enthaltungen für den von der CDU-Fraktion eingebrachten Antrag, sich der Bauernbund-Initiative „Wolfsfreie Zone“ anzuschließen. Claudia Fehrenberg (Freie Bürger), Fachtierärztin für Tierschutz und Tierschutzethik, sprach sich deutlich dagegen aus und trug dafür fachliche Argumente vor. „Die Gründe für diesen Antrag widersprechen wissenschaftlichen Erkenntnissen und stehen dem Leitbild unserer Stadt entgegen“, sagte sie. Kopiert worden seien sie von einer Internetseite, de Wolfsexperten jegliche Kompetenz abspricht.

Im Werderaner Stadtgebiet gebe es nach ihrer Recherche 119 Tierhalter mit rund 900 Rindern, 400 Schafen und 100 Pferden. Claudia Fehrenberg bezweifele, dass die CDU alle Tierhalter zum Thema Wolf befragt hat. „In Werder hat es in den letzten 15 Jahren keinen Übergriff auf Weidetiere durch den Wolf gegeben. Und in Schweden ist seit 1821 kein einziger Wolfsangriff auf Menschen registriert worden“, erklärte sie. Das Abschießen einzelner Tiere zerstöre die Familienstrukturen der Tiere und könnte zu mehr Übergriffen auf Weidetiere führen. Die Abgeordnete räumte ein, dass die Weichenstellung der Landesregierung mit dem Wolfsmanagementplan nicht eindeutig ist und es für die betroffenen Halter zu lange dauert, bis sie entschädigt werden. „Wir müssen lernen, sach- und fachgerecht zu schützen“, forderte sie. Zudem sei es nicht zulässig, dass sich Gemeinden durch solche Beschlüsse selbst zur wolfsfreien Zone erklären. Der Bundestag habe sich dazu eindeutig positioniert.

Wolf verdrängt das Wild

Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Hermann Bobka ist der Ansicht, dass die Landesregierung die Landwirte mehr unterstützen muss. Die Initiative „Wolfsfreie Zone“ wolle dafür ein Zeichen setzen. „Der Wolf ist bei uns heimisch geworden. Erst vor Kurzem hat ein Wolf in Petzow ein Tier gerissen“, sagte der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Glindow. Wolfsbisse nachzuweisen, sei schwierig und auch die folgenden Bürokratie-Hürden für die Bauern zu hoch. Der Wolf verdränge zudem das Wild. „Die Jäger von Bliesendorf sagen, dass sich das Wild acht Tage lang nicht sehen lässt, wenn der Wolf durchgezogen ist“, erklärte er. Die Fraktion fordert unter anderem, „den Wolf mit Jagdzeiten und Abschussquoten ins Jagdrecht“ aufzunehmen und die Stadt Werder (Havel) „als nicht für eine Besiedlung durch den Wolf geeignete Zone auszuweisen.“

„Hier spricht der Naturschutz gegen die Jäger. Haben wir denn keine anderen Probleme als den Wolf?“, sagte Anja Spiegel (SPD). Wie Claudia Fehrenberg vor ihr, forderte sie die CDU-Fraktion ebenfalls auf, den Antrag zurückzuziehen, da sie ihn sonst wegen seiner Unzulässigkeit an die Kommunalaufsicht weiterreichen würde. Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) gab zu bedenken, dass sie ohnehin prüfen müsse, ob der Beschluss rechtmäßig ist.

Populismus-Vorwurf und eine kleine Demo

Peter Hinze (Die Linke) sprach sich auch für einen Rückzug des Antrags aus und schlug vor, einen gemeinsamen Beschlussvorschlag für den Kreistag vorzubereiten, in dem die Landesregierung aufgefordert wird, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Dies könne unabhängig vom gefassten Beschluss der Stadtverordneten passieren, sagte Hermann Bobka.

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grüne lehnte den Antrag ebenfalls ab, weil sie ihn für reinen Populismus halte. „Offenbar soll nun auch mit dem Wolf versucht werden, Ängste in der Bevölkerung zu schüren“, heißt es in einer Stellungnahme. Vor dem Rathaus hatten sich Vertreter der Initiative „Für die Natur“ Potsdam-Mittelmark postiert und gegen den Beschluss demonstriert.

Von Luise Fröhlich

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