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Werder (Havel) Landschaftspfleger brauchen mehr Flächen
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Landschaftspfleger brauchen mehr Flächen
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16:10 01.10.2018
2013 wurde die ehemalige Süßkirschplantage in Neu Töplitz zur Streuobstwiese umgebaut.
2013 wurde die ehemalige Süßkirschplantage in Neu Töplitz zur Streuobstwiese umgebaut. Quelle: Luise Fröhlich
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Golm/Neu Töplitz

Die Idylle auf der Streuobstwiese in Neu Töplitz ist kaum zu übertreffen. Mehr als 300 alte und junge Obstbäume teilen sich knapp vier Hektar und bieten rund 50 Vogelarten ein Zuhause. Vor fünf Jahren hatte der Landschaftspflegeverein „Potsdamer Kulturlandschaft“ die einstige Süßkirschplantage umbauen lassen. Insgesamt wurden rund 175 000 Euro investiert. Es ist ein Pilotmodell, sagt Vize-Vorsitzender Jan Bornholdt, und eines von vielen, für die sich der Verein rund um Potsdam und Werder eingesetzt bislang hat.

Streuobstwiese in Neu Töplitz Quelle: Luise Fröhlich

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens blickten Mitglieder und geladene Gäste am Wochenende im Landhotel Potsdam in Golm auf das Erreichte zurück. Neben weiteren Streuobstwiesen an und zwischen Siedlungen in Bornim, Golm oder Bornstedt hat sich der Landschaftspflegeverein zum Beispiel auch für den Erhalt von mehreren hundert Kopfweiden zwischen Kartzow und Satzkorn eingesetzt. „Die Bäume sind jahrelang nicht gepflegt worden. Um den Lebensraum für seltene Arten zu erhalten, versuchen wir auch, aus den alten Bäumen Steckhölzer zu gewinnen“, erklärt Landschaftsplaner Jan Bornholdt. Gemeinsam mit der Stadt pflegen sie die Wiese. Das Projekt konnte mit Fördermitteln des Landes und des Naturschutzfonds Brandenburg realisiert werden.

Aus dem Gemeindeforum Havelseen heraus entstanden

In Golm treten die Ehrenamtler außerdem für den Schutz von Zauneidechsen in Aktion. Sie siedeln die Tiere um, wenn die Gebiete, in denen sie eigentlich heimisch sind, bebaut werden sollen. Die Flächen, die der Verein bearbeitet, sind entweder in städtischer oder in privater Hand. „Wir würden gerne mehr Flächen für die Stadt entwickeln, aber der Boden ist begehrt“, sagt Jan Bornholdt. In Zukunft will der Verein zum Beispiel Baumpflanzungen an alten Wegen vorantreiben. Wünschen würde sich Bornholdt außerdem, dass mehr freie Flächen von Tieren beweidet werden: „Immer mehr Tierhalter suchen Flächen und für die Eigner wäre es günstiger, als sie ständig zu mähen.“ Außerdem wäre der Verein bereit, ein Kataster für Ausgleichsflächen in Potsdam zu erstellen, ist dabei bislang aber noch nicht auf offene Ohren gestoßen. „Wir bleiben dran“, sagt Bornholdt.

Landschaftsplaner Jan Bornholdt ist Vize-Vorsitzender des Vereins.  Quelle: Luise Fröhlich

Der Landschaftspflegeverein ist 1998 aus dem Gemeindeforum Havelseen heraus entstanden. Zu dieser bestehenden kommunalen Ebene ist sie als Baustein für bürgerliches Engagement gegründet worden. Aktuell zählt der Verband 30 Mitglieder, darunter einige landwirtschaftliche Betriebe. Ziel des Vereins ist es, die Landschaft um Potsdam, Werder, Schwielowsee, Michendorf, Ketzin und Lehnin zu revitalisieren und zu entwickeln. Er will die Interessen von Naturschutz, Kommunalpolitik sowie Land- und Forstwirtschaft vereinen.

Von Luise Fröhlich