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Werder (Havel) Badausschuss gibt grünes Licht für Schauer
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Badausschuss gibt grünes Licht für Schauer
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12:41 04.07.2018
Der Thermenbereich soll nach derzeitiger Planung nur zu bestimmten Zeiten für Kinder zugänglich sein. Quelle: Schauer&Co
Werder

Der Werderaner Badausschuss hat am Montagabend mehrheitlich grünes Licht für die Partnerschaft zwischen der Stadt und dem Bäder-Unternehmen Schauer und Co. gegeben. Nach Entscheidung der Stadtverordneten am Mittwochabend können die Verträge final ausgearbeitet werden. Fünf Ja-Stimmen standen in der Abstimmung des Badausschusses zwei Gegenstimmen der SPD und Linke gegenüber. Vor einem Monat hatte sich Geschäftsführer Andreas Schauer öffentlich als Bestbieter im Vergabeverfahren vorgestellt.

Wie berichtet, ist die Partnerschaft in einem Gutachten des Sozial- und Arbeitsrechtlers Heinz Burghardt in Zweifel gestellt worden. Kritik kommt nun auch von anderer Seite: Die Interspa-Gruppe war Mitbewerber im Vergabewettstreit um die Therme und wirft der Stadt ein nicht wettbewerbskonformes Verfahren vor. „Wir sind aus für mich fadenscheinigen Gründen aus dem Verfahren ausgeschlossen worden“, berichtete Geschäftsführer Volker Kurz gegenüber der MAZ. Er nannte unter anderem dieses Beispiel: „Weil der künftige Partner das Bestandsrisiko des Baus übernehmen soll, wurde uns ein Gutachten vorgelegt, das allerdings überhaupt nicht dazu geeignet war, das Risiko einzuschätzen.“ Volker Kurz habe das bei der Stadt angemerkt, es sei allerdings nicht nachjustiert worden. „Wir wussten nicht, wie dicht die Fassaden sind, oder welche Schäden das Dach hat“, so der Interspa-Chef weiter. Er glaubt, dass der Bestbieter Schauer und Co. das Risiko durch Verbindungen zum Architekturbüro, das den Masterplan für Therme und Grundstück erstellt hatte, besser einschätzen konnte. Abgelehnt worden sei die Interspa-Gruppe unter anderem, weil das Puffer zu gering war.

Bestbieter wehrt sich gegen den Vorwurf

Die Stadt Werder weist die Vorwürfe auf MAZ-Anfrage entschieden zurück: „Das EU-Vergabeverfahren für die Therme in Werder (Havel) fand und findet zu wettbewerbskonformen Rahmenbedingungen statt.“ Den Teilnehmern seien gleichberechtigt alle relevanten Unterlagen zur Therme bereitgestellt worden. Sie hätten hinlänglich Zeit gehabt, die Therme zu begutachten. Anderslautende Mutmaßungen wolle die Stadt gegebenenfalls juristisch prüfen lassen.

Auch Andreas Schauer wehrt sich gegen den Vorwurf: „Der Masterplan war Grundlage der Ausschreibung. Es ist richtig, dass wir das Architekturbüro angefragt haben, aber das hätte jeder andere Bewerber auch machen können.“ Die entscheidende Bestandsanalyse habe Schauer mit einem anderen Ingenieur und eigenen Leuten machen lassen.

Eigene Gesellschaft für das Projekt in Werder

Laut Hamburger Bäder-Beratungsbüro „Profund Consult“, das etliche Fachfirmen und Beratern zu seinen Kunden zählt, gehöre der Bestbieter zu den „nachgewiesenermaßen erfolgreichsten Betreibern von Bäderanlagen in Deutschland.“ Geschäftsführer Paul Oppermann hatte das Projekt bereits bei der Präsentation auf der Bismarckhöhe am 7. Juli bewertet. Das Unternehmen habe bereits an anderen Orten bewiesen, dass es Thermen erfolgreich am Markt etablieren kann. Liege der durchschnittliche Kostendeckungsgrad der Freizeitbäder und Thermen in Deutschland bei 74,3 Prozent, wiesen alle vier Anlagen der Schauer und Co. einen Grad von durchweg über 100 Prozent auf.

Andreas Schauer hatte sein Projekt in der Badausschusssitzung erneut vorgestellt. Fragen gab es aus dem Publikum zum Beispiel zur Größe des Familienbereiches. „Wir haben 200 Quadratmeter Wasserfläche, die etwa 150 Personen gleichzeitig nutzen können“, erklärte Andreas Schauer. Die Vorsitzende des Gremiums, Anja Spiegel (SPD), fragte nach dem Solegehalt, der bei vier Prozent liegen soll. Allerdings nur in einem kleinen Vitalbecken, wie sich herausstellte. Alle anderen Becken im Sport- und Familienbereich werden nicht mit Thermalwasser gefüllt.

Fragen gab es auch zu den Baukosten und Risiken. Andreas Schauer versicherte, dass die Bürgschaften hoch genug sind. „Wir werden für Werder eine eigene Gesellschaft gründen, um nicht zu riskieren, dass das Projekt hier baden geht, falls wir woanders ins Schlingern kommen sollten“, so Andreas Schauer. Hinter verschlossenen Türen diskutierte das Gremium auch zu den Vertragsinhalten.

Zahl der Unterschriften wächst

30 Millionen Euro sollen aus dem städtischen Haushalt in die Fertigstellung der „Havel-Therme“ fließen. Der Bestbieter rechnet mit 28,3 Millionen Euro und zwei Millionen Euro Puffer für Mängel am Bestandsbau.

Die Stadt zahlt laut Vertragsentwurf keine Betriebskostenzuschüsse und erzielt Pachteinnahmen in jährlich sechsstelliger Höhe.

Das Bürgerbegehren für mehr Transparenz und Mitbestimmung im Projekt Blütentherme steht indes bei etwas mehr als 1500 Unterschriften. Bis zur Entscheidung der Stadtverordneten heute um 18.30 Uhr im Schützenhaus wollen die Initiatoren laut Mitteilung 2200 zusammenkriegen.

Von Luise Fröhlich

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