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Werder (Havel) Miteinander ohne Hemmschwelle im Demenzcafé
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder (Havel) Miteinander ohne Hemmschwelle im Demenzcafé
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14:43 15.08.2018
Das schöne Kleid der Kirschkönigin Melanie Mach wurde beim Café für Demenzkranke ausgiebig bewundert. Quelle: Edith Mende
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Werder

Man könnte meinen, einer der Senioren hier in der Runde feiert seinen Geburtstag. Üppig gefüllte Kuchenplatten stehen auf den Tischen beim Café für Demenzkranke und deren Angehörige. Man kennt man sich, fühlt sich wohl hier. Ein besonderer Gast sitzt diesmal mit am Tisch, die Glindower Kirschkönigin Melanie Mach. Sie schwatzt mit dem älteren Herrn neben sich, geht auch herum, beantwortet Fragen, etwa zu ihrer königlichen Robe oder dem Kirschcollier. Die junge Frau hat sich das Betreuungsangebot VergissMeinNicht des Treffpunkts am Plantagenplatz 11 in Werder als das soziale Projekt ausgesucht, das sie während ihrer einjährigen Amtszeit unterstützen möchte. An diesem Nachmittag trifft sie auf die Klientel, um die es bei ihrem Projekt geht, und zeigt keine Spur von Berührungsangst. Das Café, das es seit zwei Jahren regelmäßig gibt, ist Teil des Betreuungsangebots des Hauses. „Wir sehen uns als Ergänzung zur häuslichen Pflege“, erklärt Sigrid Hilburg, die Chefin des Treffpunkts.

„Hier ist ein Ort zum gemeinsamen Austausch und Miteinander entstanden, jeder ist willkommen. Es ist eine Gelegenheit, mal rauszukommen aus den eigenen vier Wänden und am sozialen Leben teilzuhaben, sich neben Menschen mit ähnlichen Problemen normal zu fühlen.“ Mit den derzeit sieben ehrenamtlichen Helfern biete der Treffpunkt auch die stundenweise Betreuung von Demenzkranken an, um die zumeist pflegenden Ehepartner zu entlasten. „Aber wir sind kein Pflegedienst, der medizinische Aufgaben übernimmt“, betont Sigrid Hilburg. „Unsere Helfer gehen mit den Betreuten beispielsweise spazieren, lesen vor, oder locken bei der Unterhaltung Erinnerungen hervor, die das Selbstvertrauen stärken.“

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Neu im Treffpunkt: Betreuungsgruppe am Freitag

Das koste etwas, werde aber von den Pflegekassen erstattet. Auch der monatliche Gesprächskreis für Angehörige demenziell Erkrankter werde gut angenommen, ergänzt Jana Loitz, die Koordinatorin von VergissMeinNicht. Hier geht es zum einen um den Austausch zwischen den Pflegenden als auch um das Gespräch mit Fachleuten, zum Beispiel von der Alzheimergesellschaft.

Noch relativ neu im Treffpunkt und deshalb noch nicht so publik ist die Betreuungsgruppe an jedem Freitag zwischen 9.30 und 11.30 Uhr. Mit Spielen, kleinen sportlichen Übungen, Musik oder Ähnlichem werden die Gäste beschäftigt, während ihre Angehörigen etwas erledigen oder einfach Zeit für sich genießen können. Auch dafür übernimmt die Pflegekasse die Kosten. „Wir suchen weitere ehrenamtliche Helfer, Menschen, die sich mit Freude so einer Aufgabe widmen möchten“, sagt Jana Loitz. „Sie werden dafür geschult, tauschen sich im Team aus und bekommen auch eine kleine Aufwandsentschädigung.“

Hilfe vom Pflegedienst und den Nachbarn

Hilfe beim Helfen möchte eine Schulungsreihe geben, die vom 28. September bis zum 28. November jeweils an den Mittwochabenden läuft. Fachleute vermitteln Angehörigen Wissenswertes über Demenz in verschiedenen Phasen, über Entlastungsmöglichkeiten bis hin zu Betreuungsrecht und Wohnformen. Interessenten sollten sich im Treffpunkt anmelden.

Im Café drückt Elisabeth Montag liebevoll die Hand ihres Mannes Peter, fragt, ob er noch Kaffee möchte. Beide waren vor drei Jahren aus Thüringen nach Werder gezogen, um dem Sohn mit seiner Familie und besonders der Enkelin näher zu sein. Als die Diagnose Demenz für ihren Mann feststand, sei ihr das Sprichwort von dem alten Baum eingefallen, den man nicht mehr verpflanzen soll, sagt sie. Noch intensiver erkunden die Montags seitdem ihr Umfeld. Ihr Mann brauche eine vertraute Umgebung, wenn sich sein Zustand verschlechtern sollte, weiß Frau Montag. Doch erst einmal möchte sie für vier Tage eine Frauen-Pilgertour mitmachen. Mit Hilfe eines Pflegedienstes, der sich um die Medikamente kümmert, und der wunderbaren Nachbarn in den Havelauen wird ihr Peter derweil allein zurechtkommen, ist die couragierte Frau sicher. Für Frau R. ist es wichtig, ab und zu einmal raus zu kommen, Neues zu sehen und zu hören. Deshalb war sie schon oft mit ihrem dementen Mann zu den Veranstaltungen im Treffpunkt.

Info: Das Café für Demenzkranke öffnet an jedem 4. Donnerstag im Monat um 15 Uhr.

Von Edith Mende